Leere Tüten: Bayerns Verbraucher haben 2006 weniger eingekauft

- München -­ Trotz der anspringenden Konjunktur haben die Verbraucher im vergangenen Jahr weniger Geld in bayerischen Geschäften und Kaufhäusern ausgegeben. Die Einzelhändler im Freistaat verbuchten überraschend ein Umsatzminus, während im Bundesdurchschnitt mehr eingekauft wurde. Forderungen der Gewerkschaft Verdi nach höheren Löhnen erteilt der Einzelhandelsverband deswegen einen Absage.

Nach einem Plus im Vorjahr seien die Umsätze 2006 nominal wieder um 0,8 Prozent zurückgegangen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Landesverbandes des Bayerischen Einzelhandels, Günter Gross, in München. Preisbereinigt ergab sich sogar ein Rückgang um 1,4 Prozent. "Das Minus wäre noch größer ausgefallen, wenn wir nicht so ein gutes Weihnachtsgeschäft gehabt hätten", erklärte Gross. Der Schlussspurt habe aber wiederum nicht ausgereicht, um die schwachen Monate zuvor wettzumachen.

Die aktuellen Zahlen haben die Hoffnungen des Handels auf konstante oder zumindest leicht steigende Umsätze enttäuscht ­ trotz der Fußball-WM und trotz der laut Umfragen guten Konsumstimmung. Auch zu den viel zitierten Vorzieheffekten durch die Anhebung der Mehrwertsteuer ist es nach den Worten von Gross nicht gekommen. Auf der anderen Seite habe die höhere Mehrwertsteuer die Kauflust in Bayern seit Jahresbeginn auch nicht spürbar gedämpft. Gross: "Den großen Einbruch haben wir im Januar nicht gemerkt."

Erstmals schnitten Bayerns Einzelhändler im vergangenen Jahr schlechter ab als der Bundesdurchschnitt, wo ein nominales Umsatzplus von 0,8 Prozent (preisbereinigt: plus 0,1 Prozent) verbucht wurde. "Offenbar sitzt den Bayern der Geldbeutel nicht so locker, wie viele Umfragen das erwarten ließen", sagte Gross.

Mit Blick auf die schwachen Zahlen warnte der Branchenverband vor überzogenen Forderungen in der bevorstehenden Einzelhandels-Tarifrunde. Forderungen nach fünf Prozent mehr Geld, wie sie die Gewerkschaft Verdi für die Beschäftigten in Rheinland-Pfalz aufgestellt habe, seien "völlig weltfremd und indiskutabel", sagte Gross.

Allein im vergangenen Jahr hat sich nach seinen Angaben die Zahl der Beschäftigten von rund 330\x0f000 im Jahr 2005 um 1,6 Prozent verringert. Der Arbeitsplatzabbau traf vor allem die Vollzeit-Beschäftigten, deren Zahl um 3,3 Prozent zurückging. "Überzogene Tarifabschlüsse würden weitere Arbeitsplätze kosten", mahnte Gross. Die Arbeitgeber ihrerseits wollen bei den Verhandlungen, die im Frühjahr beginnen, das Thema Spätöffnungs- und Nachtzuschläge angehen. "Das ist ein Relikt aus vergangener Zeit, das beseitigt werden muss", sagte Gross.

Kein Ende sei derzeit beim Flickenteppich Ladenöffnungszeiten in Deutschland absehbar. Die Bayerische Staatsregierung hatte angekündigt, das Thema im Frühjahr wieder auf die Tagesordnung setzen zu wollen. Derzeit sei aber unklar, wohin die Reise dann gehe, so Gross.

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