Leere Versprechen vom großen Lottoglück per Tippgemeinschaft

- "Mehr Chancen im Leben" - Unter diesem Motto wirbt die Grünwalder Firma "Glücksmillion" Menschen an, die hoffen, über eine Tippgemeinschaft ans große Lottogeld zu kommen. Finger weg, warnen Verbraucherzentralen und die Stiftung Warentest, die solche Spielsysteme unter die Lupe genommen haben. Der Geldsegen ergießt sich vor allem über die Veranstalter, die gerade 34 bis 40 % der eingesammelten Gelder fürs Glück ihrer Kunden riskieren.

<P>Davon nimmt der Staat noch einmal rund die Hälfte, der Rest, 17 bis 20 % der Spieler-Einsätze, fällt statistisch gesehen als Gewinn an. Auch die angeblich computeroptimierten Tippreihen können Fortuna kaum, Adam Riese ganz sicher nicht überlisten.<BR>Was dennoch gewonnen wird, bekommen die Teilnehmer, heißt es. Von einem Treuhänder, der notariell überwacht wird. Wer der Treuhänder ist, weiß der Kunde nicht, und den Namen des Notars geben die Geschäftsbedingungen auch nicht preis.</P><P>Doch solche Sorgen muss man sich nicht machen. Man erfährt nämlich gar nicht, ob man um einen Gewinn geprellt wird. Die Spielscheine bewahrt der Treuhänder auf. "Intransparenz", werfen Verbraucherschützer den Veranstaltern vor.</P><P>Geld zurück - eine fragwürdige Garantie</P><P>Dabei machen diese überhaupt keinen Hehl aus den Fakten. Wer die Geschäftsbedingungen liest, erfährt, dass er nicht viel zu erwarten hat. "Die versprechen gar nicht, das ganze Geld einzusetzen", bestätigt Petra von Rhein von der Verbraucherzentrale Bayern. Doch lassen sich viele von plakativen Aussagen blenden. "Da wird eine Sicherheit vorgegaukelt, die, wenn man sie hinterfragt, nicht vorhanden ist", sagt Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen.</P><P>So verspricht "Glücksmillion" den Kunden, nach drei Monaten ohne Gewinn gebe es den gesamten Einsatz von 11 Euro pro Woche zurück. Gut für die Firma, dass der Kunde keine Kontrolle hat. "Ein paar Cent Gewinn in der elften Woche reichen aus", sagt Ralf Reichertz. Schon zieht "Glücksmillion" den Kopf aus der Rückzahlungsschlinge.</P><P>Wie kommt man angesichts solcher Fakten an Kunden? Diese erfahren häufig recht spät von ihrem Glück. So wurde der Münchnerin Maria Auer (Name geändert) von einem Telefon-Werber drei Monate kostenloses Lottospiel angeboten. Für die Gewinn-Überweisung gab sie die Kontonummer an. Kurz darauf kam ein Schreiben der "Glücksmillion GmbH": Wir werden Ihren Spieleinsatz (...) abbuchen."</P><P>Auf die Beschwerde der Kundin wider Willen reagierten Vertreter von Glücksmillion kleinlaut: Sie stornierten, wiesen aber jede Schuld von sich. Die Werbung werde "ausschließlich von eigenständigen Werbefirmen durchgeführt", heißt es im Schreiben. "Wir entschuldigen uns für das Verhalten der Mitarbeiter dieser Werbefirma." Eine Distanz, an die Kenner nicht glauben. Selbst falls juristisch eine saubere Trennung vorgenommen wurde, rechnet Verbraucherschützer Reichertz "die Kundenakquise der Firma zu".</P><P>Den privaten Anbietern schwimmen die Felle ohnehin davon. Denn die staatliche Konkurrenz schläft nicht. Mit den Systemen "Chance 56", "Chance 196" und "Chance 1716" bietet die bayerische Lotterieverwaltung selbst entprechende Spielsysteme an. Allerdings, wie Pressesprecher Rainer Holmes sagt, bei "Transparenz von Chancen und Gebühren", vor allem aber, ohne dass ein Teil des gesetzten Geldes in private Taschen abgezweigt wird.</P><P>Die Firma Glücksmillion wurde von uns vergeblich um eine Stellungnahme gebeten.</P>

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