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Zu Hause betreut werden derzeit über eine Million Pflegebedürftige – Tendenz steigend. Ab 1. Mai können osteuropäische Hilfskräfte unkomplizierter eingestellt werden.

Legale Hilfe aus Osteuropa

München - Häusliche Pflege ist für viele Menschen lebenswichtig - sowohl für die Pflegebedürftigen selbst als auch für deren Angehörige. Ab 1. Mai dürfen auch Haushaltshilfen aus Osteuropa uneingeschränkt in Deutschland arbeiten. Doch die Hilfe bleibt teuer und rechtlich schwierig.

Mehr als eine Million Pflegebedürftige werden zu Hause betreut - für die Angehörigen ein enormer Kraftaufwand. Unterstützung holen sich tausende oftmals illegal durch ausländische Pflegekräfte. Künftig ist es einfacher, den legalen Weg zu gehen - denn ab dem 1. Mai 2011 haben die Bürger osteuropäischer Staaten der Europäischen Union (EU) freien Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Darauf weist die Zeitschrift Finanztest in ihrer aktuellen Ausgabe hin. Erleichterungen gibt es für Bürger aus Polen, Tschechien, Ungarn, der Slowakei, Slowenien, Estland, Lettland und Litauen. Die Länder traten im Mai 2004 der EU bei.

Auch die Regierung beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema. Die Union will dem österreichischen Beispiel folgen, wo auch die Beschäftigung von Betreuungskräften aus Nicht-EU-Staaten erlaubt ist. Bedingung: Die Familien müssen ihnen zwischen 800 und 1000 Euro zahlen sowie ein Zimmer und freie Kost anbieten. Die Sozialversicherung wird dann von der Pflegekasse übernommen. Ein Eckpunkteprogramm soll noch vor der Sommerpause vorgestellt werden.

Haushaltshilfe kein Pflegedienst-Ersatz

Bisher konnte eine deutsche Familie eine osteuropäische Haushaltshilfe nur einstellen, wenn die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit die Kräfte vermittelte. Ab Mai kann jede Familie eine Haushaltshilfe direkt beschäftigen. Für die EU-Staaten Rumänien und Bulgarien gilt die „Arbeitnehmerfreizügigkeit“ voraussichtlich erst ab 2014.

Ungefähr 1500 bis 2000 Euro, so schätzt die ZAV, muss eine Familie pro Monat für eine festangestellte Haushaltshilfe zahlen. Einen professionellen Pflegedienst ersetzen die Kräfte nicht. Auch wenn die Haushaltshilfe im Ausland medizinisch ausgebildet wurde, erkennt die Kranken- und Pflegekasse das nicht an.

Illegale Helfer sind

nicht versichert

Wie viele Haushaltshilfen alte und pflegebedürftige Menschen in Deutschland zu Hause unterstützen, kann niemand sicher sagen, denn die meisten arbeiten bis dato schwarz, schreibt Finanztest. Branchenkenner beziffern ihre Zahl auf viele zehntausend Kräfte, fast ausschließlich Frauen und meistens aus Osteuropa, vor allem aus Polen.

Eine schwarzarbeitende Helferin ist nicht versichert, falls sie sich bei ihrer Arbeit verletzt, mahnt Finanztest. „Wird sie erwischt, droht der Familie ein Bußgeld.“ Die Familie muss schlimmstenfalls sogar Sozialabgaben nachzahlen und mit einem Strafverfahren rechnen. Neben der Schwarzarbeit ist es verboten, die Helferin auf 400-Euro-Basis über einen Minijob zu beschäftigen und den Großteil des Gehalts unter der Hand bar auszuzahlen.

Vorsicht bei

Selbstständigen

Auch Helferinnen, die im EU-Ausland als Selbstständige gemeldet sind, können zwar nach Deutschland vermittelt werden. Doch eine solche Kraft einzustellen, davon sollte man besser die Finger lassen, rät Finanztest. Denn aus Sicht der Behörden ist eine solche Helferin in der Regel „scheinselbstständig“, weil sie bei einem pflegebedürftigen Menschen einzieht und ihre Arbeit nicht frei einteilen kann. Der Zoll geht zwar vor allem gegen die Vermittler der Haushaltshilfen vor und verschont die Familien vielfach. Eine Garantie dafür gibt es freilich nicht. Zahlungen von vielen tausend Euro sind möglich.

Bisher zeichnet sich nicht ab, dass alte Menschen, die zu Hause Hilfe brauchen, die Haushaltshilfen künftig legal beschäftigen. Die Anbieter in der Pflegebranche bieten hier keine wirkliche Alternative. Denn eine Rundumbetreuung ist teuer, schließlich beschäftigt die Branche ihr Personal stundenweise. Selbst etablierte Wohlfahrtsverbände zögern, wie sie mit der neuen Freizügigkeit umgehen sollen. Die Pflegeexpertin Christa Larsen von der Universität in Frankfurt erwartet nicht, dass die neue Freizügigkeit die Lage der alten Menschen in Deutschland verbessert. Denn ab Mai können sich die Haushaltshilfen in ganz anderen Branchen bewerben, etwa in der Gastronomie und im Einzelhandel. „Dann könnte es schwer sein, eine Haushaltshilfe zu finden“, sagt sie.

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