Lehre macht der Uni Konkurrenz

- München - Sechs Jahre Ausbildung, sechs Jahre Lernen, sechs Jahre Azubi-Gehalt - es klingt wie ein Albtraum und ist doch eine Wunschkarriere. Zum Beispiel für Stefan Leistner: Nach einer abgeschlossen Schlosserlehre wird der 21-Jährige nun bei Krauss-Maffei zum Energieelektroniker ausgebildet. Mit dieser Hybridausbildung ist Leistner dann ein gefragter Mann im Kundendienst. Er wird bei Aufgaben eingesetzt, für die ansonsten zwei Facharbeiter nötig wären.

<P>"Wenn du beides lernst, bist du fein raus", ist sich der Langzeit-Azubi aus Bergkirchen-Lus (Kreis Dachau) sicher. Schlosser wollte er schon immer werden: "Da sieht man, was man tut." Auf die Idee mit der Hybridausbildung hat ihn ein Kollege gebracht. Mit auf dem Lehrplan sind Kurse in zwei Fremdsprachen - kostenlos und während der Arbeitszeit. Leistner hat sich für Englisch und Spanisch entschieden.</P><P>"Wir sind im Raum München, die einzigen, die so etwas anbieten", erzählt Josef Aschbichler, stellvertretender Leiter des Krauss-Maffei-Ausbildungszentrums in München-Allach. Derzeit gehen sieben Azubis diesen harten Weg. Am Ende winken ihnen interessante Jobs.</P><P>Über 350 Auszubildende</P><P>Mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres erlernen gut 350 junge Menschen bei Krauss-Maffei einen Beruf. 237 von ihnen kommen aus Nachfolgeunternehmen des ehemaligen Konzerns. Zusätzlich lernen dort zirka hundert Jugendliche aus ortsansässigen Fremdfirmen. Diesen Unternehmen bleibt die Investition in eine eigene Ausbildung erspart.</P><P>Massenbetrieb herrscht nur auf den ersten Blick. Eingestellt werden die Azubis nach einem Einzeltest mit dem zukünftigen Ausbilder. "Da bekommen wir Leute, die bei einem anonymen Verfahren durchs Raster gefallen wären und trotzdem gut sind", meint Aschbichler. Ohnehin sei das Betriebsklima geradezu familiär: "Viele Angestellte arbeiten in dritter Generation bei uns."</P><P>Mit so vielen gleichaltrigen Kollegen zu arbeiten, gefällt auch Michael Osburg (19) aus München. "Bei uns ist schon mehr Gaudi, als in anderen Betrieben", meint der Azubi der Zerspanungsmechanik, Fachrichtung Drehtechnik. Er und 26 weitere Drehtechnik-Lehrlinge werden nach der Lehre kaum Probleme bei der Jobsuche haben. Dreher sind gefragt.</P><P>Die stärkste Gruppe sind die 58 Industriemechaniker, gefolgt von den Energieelektronikern (46). Zum Koch oder Restaurantfachmann werden die jungen Leute in der Krauss Maffei-Kantine und bei Haberl Gastronomie ausgebildet. Wie das Berufsspektrum vermuten lässt, gibt es bei Krauss Maffei nur 38 weibliche Azubis. 24 von ihnen werden Industriekauffrauen, nur eine Zerspanungsmechanikerin. Als Alternative zum Hochschulstudium bietet die Firma ferner praxisnahe Studiengänge zum Ingenieur oder Betriebswirt an. Die Studenten arbeiten im Betrieb mit und büffeln an einer Berufsakademie.</P><P>In dem Ausbildungszentrum wird nicht nur geübt, sondern auch produziert. Als Einzelstücke oder in Kleinserien stellen die Azubis unter anderem Blechverkleidungen für große Maschinen oder auch mal Werbegeschenke her. Bei einer Ausschussquote von 0,5 % spart das Unternehmen damit bares Geld. An solchen Aufträgen lernen die Auszubildenden selbstständiges Arbeiten: Ein Blatt mit einer Zeichnung des erforderlichen Teiles muss reichen, die Arbeitsschritte müssen selbst eingeteilt werden.</P><P>Der richtige Plan ist bei Energieelektronikern mindestens genauso wichtig, wie bei Industriemechanikern oder Drehern. In einem Gewirr aus verschiedenfarbigen Kabeln müssen sie den Überblick bewahren. Dazu ist eine Portion Abstraktionsvermögen nötig. Kein Problem für Stephan Klotz aus Günding (Kreis Dachau). Der 18-Jährige ist im zweiten von dreieinhalb Lehrjahren. Am Anfang lernte er Löten, Verdrahten und das Zeichnen komplizierter Schaltpläne. Mit seiner Berufswahl ist er voll zufrieden: "Für mich kam etwas anderes nicht in Frage."<BR></P>

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