Lehrling gesucht, doch keiner bewirbt sich

Mering: - Mering ­- Lehrstellenlücke ­ dieses Wort hat für den Unternehmer Robert Mayer-Scholz eine neue Bedeutung gewonnen. Er bietet eine Lehrstelle an, kann die Lücke in seinem Betrieb wegen Bewerber-Mangels nicht füllen.

Alle Schulen der näheren Umgebung, die einen mittleren Bildungsabschluss anbieten, hat der kleine Verlag, der eben erst aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck nach Mering bei Augsburg umgezogen ist, über dieses Angebot über E-Mail informiert.

Der Lehre vorgeschaltet ist ein Praktikum. Eines hat Mayer-Scholz für die Osterferien, eines für die Pfingstferien angeboten. Passen ein Praktikant und das Drei- Mann-Unternehmen zusammen, dann soll aus dem Praktikum später eine richtige Lehrstelle werden.

Dabei sind die Anforderungen an Bewerber nicht wirklich hoch gesteckt: Die mittlere Reife soll in diesem Jahr erreicht werden.

"Interesse an Literatur und Sprache" setzt Mayer-Scholz voraus. "Gerne würden wir auch jemanden nehmen, dessen Muttersprache nicht Deutsch ist", sagt der Verleger, der für das Praktikum nicht etwa Arbeiten zum Nulltarif fordert, sondern eine an das Lehrlingsgehalt angelehnte Vergütung bietet.

Das findet Josef Amann von der IHK für München und Oberbayern "eher großzügig". Im Normalfall werden Praktikanten nicht bezahlt. Auch die Idee, über ein Praktikum das Unternehmen und umgekehrt den Bewerber kennenzulernen, sieht er als hervorragende Möglichkeit zum Einstieg. Und zwei Wochen Praktikum seien ein Zeitraum, wo es keine Schwierigkeiten gebe.

Dennoch war die Reaktion auf die Mail-Aktion gleich null. Keine einzige Bewerbung liegt bis heute auf dem Tisch von Robert Mayer-Scholz. "Die Zuschüsse für Praktikanten können uns gestohlen bleiben", sagt er mit Blick auf die Subventionen im Rahmen des Ausbildungspakts, "wenn wir nur Interesse an einem Ausbildungsplatz sehen würden."

Möglicherweise fehlt es aber gar nicht am Interesse der Schüler, vermutet Amann. Vielleicht haben die möglichen Bewerber von dem Angebot nur nichts erfahren, weil die Mails einfach an die E-Mail-Adressen der Schulen geschickt wurden. "Direktorate haben sich häufig als echte Bermudadreiecke erwiesen", sagt Amann.

So empfiehlt der Ausbildungsexperte der oberbayerischen Wirtschaft, an den Schulen andere Anprechpartner zu suchen. Klassleiter der Abschlussklassen, in den Realschulen die Fachbetreuer Wirtschaft oder in den Hauptschulen die Beauftragten für Arbeit, Wirtschaft und Technik. Auch die von der Bayerischen Wirtschaft eingerichtete Internetseite, www.sprungbrett-bayern.de erlaube es, gezielt bestimmte Gruppen anzusprechen.

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