Auf dem Weg zur Lehrstelle lauern noch einige Fettnäpfchen

- München - Hin und wieder kommt wirklich jemand mit Baseball-Kappe zum Vorstellungsgespräch. Alte Jeans, Kaugummi - so schnell kann der Traumjob weg sein. Nur Manfred Theunert könnte ungestraft eine Kappe zum Vorstellungsgespräch anziehen: Da sitzt er auf der anderen Seite des Schreibtisches. Als Ausbildungsleiter bei BMW stellt Theunert allein in München jährlich 260 Lehrlinge ein. Und keinen mit Kappe.

<P>Kaum ein Arbeitgeber ist bei Bayerns Lehrlingen so begehrt wie BMW: 16 Bewerber auf eine Stelle. Unerreichbar? Nein, sagt Theunert, "Sie müssen nur besser als die anderen 15 sein". Der Konzern sucht sich Talente raus. Wer sich für eines hält, kann sich bewerben. Aber der Ausbildungs-Chef schaut genau hin.<BR><BR>Der erfahrene Personaler hat einige Ratschläge. Vier Stufen hat das bundesweit einheitliche BMW-Auswahlsystem. Zunächst werden die Unterlagen gesichtet. Zeugnisse: Was hat der Lehrer dazugeschrieben? Brief: Klappt es mit der Rechtschreibung? "In drei Sätzen sechs Rechtschreibfehler - das war's", sagt Theunert trocken. Es kam auch schon vor, dass als Bewerbungsfoto ein Party-Bild geschickt wurde.<BR><BR>Vorauswahl bestanden? Weiter zum PC-Test. Hier werden aus 1000 Fragen 90 ausgelost. Was viele nicht wissen: Hier werden auch BMW-Kenntnisse gefordert. Dritter Schritt ist das Gruppenauswahlverfahren, das Teamfähigkeit testet. "Authentisch verhalten statt verstellen", rät Theunert, selbstbewusst, nicht überzogen auftreten.<BR><BR>Die Besten landen dann bei ihm oder seinen Kollegen. Am Schreibtisch. Nervös seien die meisten beim Vorstellungsgespräch unter vier Augen, sagt der Ausbildungs-Chef: "Das ist sympathisch. Ein bisschen Lampenfieber gehört dazu." Was weniger sympathisch ist: wenn dem Kandidaten gute Umgangsformen fremd sind. Grüßen, Händedruck, in die Augen schauen, rät der Profi.<BR>Aufgeschlossenheit, Toleranz, Flexibilität und Interesse erwarten die BMW-Manager von ihren Lehrlingen. Das größte Fettnäpfchen können die Kandidaten umgehen, wenn sie sich vorher gut über das Unternehmen informieren. Wer einen 3er nicht vom 7er-BMW unterscheiden kann, hat wohl verloren.<BR><BR>Die Vorstellung beginnt oft mit einem lockeren Gespräch. Da interessiert sich der Ausbilder für private Interessen des Lehrlings-Kandidaten. Wer sich in Vereinen engagiert, ein Instrument spielt oder Klassensprecher war, bekommt einen Pluspunkt, verrät der BMW-Manager.<BR><BR>"Ein bisschen Lampenfieber ist sympathisch."<BR>Ausbildungs-Chef Manfred Theunert</P><P>Fast immer fragen die Personaler auch, warum der künftige Lehrling genau in diesen Beruf kommen will und warum gerade bei BMW. Wer clever ist, bereitet sich auf solche Fragen gut vor.<BR><BR>Die Meisten kommen ohnehin gut informiert und anständig gekleidet zur Vorstellung, berichtet Theunert. Mitunter hat er auch Nachsicht: "Jeder von uns war irgendwann mal auf der anderen Seite des Tisches gesessen."<BR><BR>Einen Tag der offenen Tür veranstaltet die Ausbildungsabteilung heute, 9 bis 15 Uhr, im Münchner BMW-Werk.</P>

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