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Riesige Geräte müssen zukünftige Bergbautechnologen bedienen – ein ganz neuer Beruf ab diesem Jahr.

Lehrstellenmarkt gegen Krise gewappnet

München – Ob Altenpfleger oder Zweiradmechaniker – Jugendliche können in Deutschland unter rund 350 anerkannten Berufen wählen. Der Bewerbungsmarathon um neue Ausbildungsplätze hat bereits begonnen. Dabei zeigt sich der Lehrstellenmarkt in der Krisenzeit robust – noch.

Jugendliche, die im Herbst 2009 eine Lehre anfangen möchten, sollten sich sputen. „In den großen Betrieben laufen die Prozesse bereits auf Hochtouren“, sagt Hubert Schöffmann von der Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern. Auch wenn sich der Großteil wie üblich erst in den Sommermonaten abspiele. „Die ersten Ausbildungsverträge für 2009 gingen bei uns aber schon im November ein“, so Schöffmann.

Den Arbeitsmarkt hat die weltweite Wirtschaftskrise bereits erfasst, der Lehrstellenmarkt dagegen scheint derzeit noch unbeschadet. Von konkreten Plänen, Ausbildungsplätze etwa aus Kostengründen zu streichen, habe man nichts gehört, meint Schöffmann. Allerdings müsse man abwarten, wie sich die Lage bis zum Frühjahr gestalte. Vor allem in der Automobilbranche und bei Zulieferbetrieben könnte die Anzahl an angebotenen Lehrstellen zurückgehen. Derartige Reaktionen von Firmenseite habe es bislang noch nicht gegeben, heißt es allerdings bei der Kfz-Innung für München und Oberbayern: „Alles wie immer“, lautet die Botschaft.

„Komplett einbrechen wird der Lehrstellenmarkt sowieso nicht“, ist sich Christian Gohlisch von der Handwerkskammer für München und Oberbayern (HWK) sicher. Schließlich habe gerade das vergangene Jahr eindrücklich gezeigt, dass es offensichtlich ein Überangebot an Ausbildungsplätzen gebe. So standen im November 2008 den rund 240 noch unversorgten oberbayerischen Jugendlichen über 3000 offene Lehrstellen gegenüber. Das sei ein ordentlicher Puffer, sagt Gohlisch, auch wenn die wirtschaftliche Situation schwieriger werde. Zumal die Anzahl der Schulabgänger in diesem Jahr weiter sinken wird.

„Wer eine Lehrstelle sucht und die entsprechenden Qualifikationen mitbringt, wird auch dieses Jahr eine bekommen“, betont der Ausbildungs-Experte der HWK. Die kommenden Ferien sollten Jugendliche daher nutzen, um Schnupper-Praktika zu machen und erste Kontakte zu Betrieben zu knüpfen. Nur so können die Schulabgänger sehen, ob Wunsch und Wirklichkeit übereinstimmen. Nicht selten sind die Vorstellungen etwas verschoben. Wie beim Traumberuf Nummer eins der männlichen Lehrstellensuchenden, dem Kfz-Mechatroniker. „Der Beruf ist sehr viel spezieller geworden“, heißt es bei der Kfz-Innung. So manch ein Bewerber sei überrascht, wie hoch die Anforderungen beispielsweise in puncto Rechnen liegen. Mit einem nur durchschnittlichen Hauptschulabschluss könne man kaum auf eine Stelle hoffen.

Weil sich Berufe und deren Branchen wandeln, gibt es jedes Jahr Neuerungen. „Seit 1998 wurden rund 200 Berufe modernisiert oder neu geschaffen“, sagt Hubert Schöffmann von der IHK. Bergbautechnologe und Industrieelektriker heißen die beide neuen für 2009 (siehe Kasten).

Neue Berufe 2009

Bergbautechnologe/-in

Dieser körperlich anstrengende Beruf ist die moderne Variante des Bergmechanikers und vereint den Tiefbau (Kali, Salz, Kohle etc.) und die Tiefbohrtechnik (Gas und Öl). Nach der Ausbildung (drei Jahre) sollte unter anderem klar sein, wie man Rohstoffe sicher aus der Erde gewinnt, wie man sie lagert und transportiert. Auch Frauen soll der Beruf offenstehen.

Industrieelektriker/-in

Für diesen Beruf wurden die Ausbildungsinhalte des Elektrikers zusammengefasst und modernisiert. Azubis lernen in zwei Jahren alles über mechanische und elektrische Zusammenhänge, sodass sie in Fertigungs- und Produktionsbereichen arbeiten können. Bewerber sollten fit in technisch-naturwissenschaftlichen Dingen und in Englisch sein.

von Stefanie Backs

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