Lehrstellensuche: Keine schlechten Aussichten

Bonn - Auch in diesem Jahr haben Jugendliche auf der Lehrstellensuche mit den Folgen der Wirtschaftskrise zu kämpfen. Ihre Aussichten auf einen Ausbildungsplatz sind aber nicht schlechter als früher.

Denn die demografische Entwicklung kommt ihnen zugute. So wird das Angebot an Lehrstellen voraussichtlich zwar sinken - dafür aber auch die Zahl der Bewerber, erläutert Andreas Pieper vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. “Unterm Strich bleibt das Verhältnis also gleich.“

Die Krise macht sich auf dem Ausbildungsmarkt immer noch bemerkbar: Im kommenden Herbst dürfte es dem BIBB zufolge rund 20 000 Lehrstellen weniger als 2009 geben. Die Kultusministerkonferenz geht aber davon aus, dass die Zahl der Schulabgänger um rund 25 000 sinken wird. Besonders hoch dürfte der Rückgang bei Haupt- und Realschülern ausfallen - sie machen den Großteil der Lehrstellenbewerber aus.

Ausbildung muss nicht am Geld scheitern

Trotzdem dürften aber in diesem Herbst bis zu 10 000 Bewerber zunächst leer ausgehen. Denn die Ausgangslage ist zweigeteilt: Während es im Westen Deutschlands gerade in Ballungsgebieten nicht genug Stellen gibt, finden immer mehr Betriebe im Osten keine passenden Bewerber. In den neuen Bundesländern sei daher zu befürchten, dass 2010 viele Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben, prognostiziert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag.

Entscheidung erst einen Tag vor der Ausbildung

Schwieriger könnte die Lehrstellensuche auch in besonders krisengeschüttelten Branchen werden, erläutert Pieper. Im Groß- und Außenhandel etwa seien bereits 2009 weniger neue Azubis eingestellt worden als im Vorjahr. In diesem Jahr sei auch in der Metallindustrie zu befürchten, dass es weniger Lehrstellen geben wird. Ausgerechnet in diese Bereiche drängen aber besonders viele Jugendliche.

Für sie sei es mehr denn je ratsam, verwandte Berufe in Betracht zu ziehen, rät Pieper. So gebe es etwa im kaufmännischen Bereich mehrere Dutzend Ausbildungsberufe. “Die Botschaft an Jugendliche ist also: Kümmert euch um Alternativen! Schaut nach links und rechts!“ Gerade kleinere Betriebe entscheiden angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage kurzfristiger als sonst über ihre Lehrstellen. Das heißt für Bewerber: Sie müssen hartnäckig bleiben und Geduld haben. “Im Mittelstand kann es sein, dass die Entscheidung erst einen Tag vor Ausbildungsbeginn fällt“, sagt der Berufsberater Roland Reisbitzen von der Agentur für Arbeit Krefeld.

Immer am Ball bleiben

Wichtig sei, am Ball zu bleiben und regelmäßig nachzuhaken. “Viele Jugendliche sagen mir: 'Ich hab' schon 50 Bewerbungen geschrieben, aber es kommt einfach nichts'“, sagt Reisbitzen. Das sei die falsche Haltung. Häufig trauten sich Jugendliche nicht, im Betrieb anzurufen. Viele machten sich dadurch falsche Hoffnungen. “Die denken dann: 'Das läuft'.“ Dabei sei die Bewerbung womöglich längst im Papierkorb gelandet.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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