400 kg leicht: Das 1,5-Liter-Auto

- München - Die Autoindustrie ist bisher daran gescheitert, ein Auto, das nur drei Liter braucht, zu einem erschwinglichen Preis auf den Markt zu bringen. Drei Tüftler aus München stellen jetzt auf dem Genfer Autosalon ein Fahrzeug vor, das nicht mehr als 1,5 Liter verbrauchen soll - und trotzdem nicht mehr als 11 000 Euro kostet.Spinnerei? Dagegen spricht der berufliche Hintergrund der Firmengründer: Gerhard

Heilmaier war bei Deutschlands größtem Unternehmensberater tätig, bevor er in die Automobilzulieferindustrie wechselte. Stefan Ruetz ist Ingenieur und erfolgreicher Unternehmer. Uli Sommer, der geistige Vater des Projekts, ist ebenfalls Ingenieur.

"Warum brauche ich 1,5 Tonnen Stahl, um 70 Kilogramm Mensch zu bewegen?", war Sommers Ausgangsidee. Daraus wurde: "Loremo" (Low Resistance ist ein Kürzel für das "hoch effiziente Fahrzeug", wie Heilmaier das Projekt beschreibt). Mehrere Patente sichern die Technologie ab: Etwa die Linearzellenstruktur, die beim Chassis des Fahrzeugs geringes Gewicht und Stabilität verbindet. Die tragende Konstruktion wiegt gerade 95 Kilogramm. Auch Teile der Fahrwerkskonstruktion hat sich Loremo per Patent schützen lassen.

Leichtbau und Windschlüpfrigkeit sind die Schlüssel zum hoch effizienten Fahrzeug. Um den Luftwiderstand zu senken, wurde die Stirnfläche gering gehalten und der cw-Wert optimiert. Schwachpunkt bei den meisten Fahrzeugen ist der Unterboden, auch der ist bei Loremo aerodynamisch günstig konzipiert. Dazu kommt die fast ideale Tropfenform. Diese allerdings erfordert eine ungewöhnliche Sitzanordnung. Vorder- und Rücksitze (für Kinder ausgelegt) stehen Rücken an Rücken zueinander.

Das gab es in Deutschland schon einmal: Zündapp baute in den 50er-Jahren den "Janus". Auch andere Dinge sind nicht ganz neu. Denn zur Wirtschaftswunderzeit waren Autos leichter, weil auf viel Schnickschnack verzichtet wurde: So werden die Fenster nicht mit einem Motor geöffnet. Sogar die Kurbel mit Zahnstangen und Hebel wurde eingespart. Dafür hat man eine Konstruktion gefunden, die schon im R4 von Renault Gewicht sparte: Schiebefenster.

Neben dem Einsatz modernster Materialien und konstruktivem Erfindergeist spart der Verzicht auf Überflüssiges viel Gewicht ein. "Ansprüche der 60er-Jahre mit unseren heutigen Möglichkeiten", skizziert Heilmaier das Erfolgsrezept. Dennoch sind ABS und Airbag und auf Wunsch sogar eine Klimaanlage lieferbar. Servomotoren mit aufwändiger Kraftübertragung, die die meisten Autos heute so schwer machen, fehlen dagegen. Die Konstruktion ist so ausgelegt, dass man auf Innenraumverkleidungen verzichten kann.

Neben Stahl wird vor allem Kunststoff eingesetzt. Bei einem - bisher nur rechnerisch belegten - Verbrauch von 1,5 Litern auf 100 Kilometer sind auch die Fahrleistungen beachtlich: Ein 20-PS-Dieselmotor (als Mittelmotor eingebaut) bringt das Fahrzeug auf 160 Stundenkilometer Spitzengeschwindigkeit. Allerdings ist der Anlauf lang: 20 Sekunden braucht der kleine Diesel, um das Leichtbau-Auto auf 100 Stundenkilometer zu beschleunigen. Wem das zu wenig ist, für den hat Loremo eine sportlichere Variante im Angebot.

Ein 50-PS-Aggregat verspricht sportwagenartige Beschleunigung, ein Spitzentempo von 220 - und fast den doppelten Verbrauch. Doch auch mit 2,7 Liter auf 100 km ist der Loremo GT nach heutigen Maßstäben alles andere als ein Schluckspecht.

3,84 Meter lang und 1,36 Meter breit. Damit liegt das Auto im Kleinwagenbereich, ist aber nur 1,10 Meter hoch.

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