Der leidige Konsumstau: Alles nur ein Märchen

- München - Friseure, Wirte Einzelhändler - sie alle leiden unter dem Konsumstau, sagen sie. Falsch, entgegnen die Volkswirte der HypoVereinsbank in einer neuen Studie. Den Konsumstau gibt es nicht. Die Menschen haben in den vergangenen Jahren sogar zu viel ausgegeben.

<P>Bisher wächst Deutschlands Wirtschaft nur dank der Nachfrage aus dem Ausland. Damit die Konjunktur nachhaltig in Schwung kommt, müssen die Menschen im Land mehr ausgeben. Das ist das Credo der Forscher. Optimisten glauben, dass die Nachfrage-Schwäche auf einen Konsumstau zurückzuführen ist, der sich von allein auflösen werde: Teure Anschaffungen wie Autos oder Waschmaschinen würden aufgeschoben. Irgendwann - spätestens wenn die alte Waschmaschine kaputt ist - müsste wieder konsumiert werden und so die Inlandsnachfrage steigen. Auf diesen Effekt wartet mancher seit Jahren - vergebens. Und das bleibt vorerst so, prognostiziert die HypoVereinsbank in einer Studie, die sie mit dem Titel "Das Märchen vom deutschen Konsumstau" überschrieben hat.<BR><BR>Die Volkswirte stützen sich auf zwei Annahmen: Wie viel die Menschen ausgeben, hängt zum einen von ihrem dauerhaften Einkommen ab und zum anderen vom persönlichen Wohlstand. Auf dieser Basis haben die Münchner drei Indikatoren ausgewertet, die den privaten Konsum erklären sollen: das verfügbare Einkommen, die Immobilienpreise und den so genannten Misery-Index ("Elends"-Index).<BR><BR> Je höher das verfügbare Einkommen liegt, desto mehr geben die Menschen auch aus.<BR><BR> Die Immobilienpreise sollen den allgemeinen Wohlstand messen. 40 Prozent der Deutschen sind Immobilienbesitzer. Steigen hier die Preise, wächst der Wohlstand und damit die Bereitschaft, Geld auszugeben.<BR><BR> Dazu kommt der Misery-Index, der aus Arbeitslosenquote und Inflationsrate gebildet wird. Steigt die Arbeitslosigkeit, geben die Menschen weniger aus. Kommt es zu Inflation - also Preisanstieg - wirkt das ebenso konsumbremsend.<BR><BR>Aus diesen Elementen errechneten die Volkswirte, wie viel die Menschen in Deutschland unter den jeweiligen Bedingungen von verfügbarem Einkommen, Immobilienpreisen und Misery-Index ausgeben müssten und wie viel sie tatsächlich konsumiert haben. So ermittelten sie, dass es seit den 70er-Jahren zwei Phasen deutlicher Konsumstaus gab: anlässlich der Ölkrise sowie der Rezession 1992/93. Die vergangenen Jahre gehören aber nicht dazu. Hier hätten die Menschen sogar etwas mehr ausgegeben, als angesichts der Rahmenbedingungen zu erwarten gewesen ist.<BR><BR>Derzeit sind theoretischer und tatsächlicher Konsum nach HVB-Berechnungen ausgeglichen. Das heißt, dass sich auch kein aufgestauter Konsum in zusätzlicher Nachfrage entladen kann. Zwar ist die Sparquote der privaten Haushalte zuletzt gestiegen. Das würde für einen Konsumstau sprechen. Die Quote liegt aber weit unter dem Niveau früherer Jahre, hat der Verband der Privaten Bausparkassen ermittelt. In Anbetracht der Rahmenbedingungen hätte die Sparquote weit stärker steigen müssen, um Indiz für einen Konsumstau zu sein, heißt es bei der HVB.<BR><BR>"Die Hoffnung auf einen Auslöser für zusätzliche Impulse, etwa einen wachsenden Optimismus unter den privaten Haushalten, ist daher unrealistisch", lautet die Schlussfolgerung der Studie. Deshalb rechnet das Institut heuer nicht mehr mit einem nennenswerten Anstieg des privaten Konsums. Und das werde auch 2005 so bleiben. Erst wenn die Reformen etwa am Arbeitsmarkt, die anfangs zu Einschnitten bei den Menschen führten, mittelfristig ihre positiven Wirkungen entfalteten, sei mit einer stärkeren Nachfrage zu rechnen.<BR></P>

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