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BMW entwickelt gerade völlig neue Produktionsabläufe – etwa im Leichtbau. Da wäre Zeitarbeit auch aus Unternehmenssicht der falsche Weg.

Leiharbeit: BMW denkt jetzt um

München - Bei BMW zeichnet sich eine Einigung im andauernden Streit um Leiharbeit ab. Viele indirekt bei BMW Beschäftigte können auf einen festen Vertrag hoffen.

Es gibt kleine Fiesheiten im Arbeitskampf: Nachdem der bekannt arbeitnehmerfreundliche Autobauer BMW viele Jahre lang von der IG Metall mit Samthandschuhen bestreikt wurde, zogen im jüngsten Konflikt die Metaller ganz gezielt auch zu BMW-Werkstoren, um dort zu zeigen, wo der Hammer hängt. Wenig vorher hatte der Betriebsrat im Werk Leipzig mit viel Resonanz, aber erfolglos gegen Leiharbeit geklagt. An diesem Thema drohte das gute Einvernehmen von BMW-Vorständen und Betriebsräten Schaden zu nehmen.

Wie angespannt die Lage war, zeigte sich in jüngerer Zeit immer wieder, wenn BMW-Vorstände um Auskunft über die Zahl der Leiharbeiter gebeten wurden. Sie weigerten sich, sie zu nennen. Die Begründung war, dass diese stark schwanke. Das tut sie auch bei anderen Konzernen. Doch dort drückte man sich nicht um die Antwort. So wurde der wunde Punkt bei BMW sogar sichtbarer.

Tatsächlich beschäftigt BMW bei weitem mehr Zeitarbeiter als die meisten anderen deutschen Autobauer. Sie bekommen zwar – da hat man sich längst mit dem Betriebsrat geeinigt – das gleiche Geld. Doch die üppigen Sonderzahlungen, für die der Münchner Konzern bei Arbeitnehmern so beliebt ist, fließen an ihnen vorbei. Außerdem gibt es – vor allem im hochmodernen Werk Leipzig – eine weitere Problemgruppe: Arbeitnehmer, die im Werk wie auch ihre Kollegen mit BMW-Montur an BMW-Fahrzeugen arbeiten. Sie tun es aber als Beschäftigte eines Zulieferers – bei zum Teil deutlich schlechteren Bedingungen. So etwas kann einem Betriebsrat nicht gefallen.

Umgekehrt hat der Konzern mit Leiharbeit gute Erfahrungen gemacht: Schon vor der Weltfinanzkrise konnte er auf diese Weise seine Beschäftigtenzahl einer später dramatisch einbrechenden Nachfrage anpassen und so die Krise fast ohne Blessuren überstehen. Allerdings bringt gerade bei neuen Technologien ein schneller Wechsel des Personals auch einen Abfluss von Wissen und Fähigkeiten mit sich. Gerade beim Leichtbau oder in der Elektromobilität versucht BMW Experten dauerhaft an sich zu binden.

Doch die Flexibilität sollte auch unter schlechteren politischen Rahmenbedingungen erhalten werden. Die Schuldenbremse schließt konjunkturelle Stützaktionen wie die Abwrackprämie künftig weitgehend aus. Also muss man als Unternehmen selbst für sich sorgen. Auch die großzügige Kurzarbeitsregelung, die den Unternehmen in der letzten Krise so viel Last von den Schultern nahm, wird es in Zeiten staatlicher Sparzwänge so wohl nicht mehr geben. Eine Folge: Bei BMW wurde die Leiharbeit im folgenden Boom gewaltig ausgebaut. Das ging weitgehend an den Betriebsräten vorbei.

Es musste deshalb eine grundsätzliche Regelung her. Von Anfang an war dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Manfred Schoch klar, dass BMW die erreichte hohe Flexibilität um keinen Preis aufgeben würde. Ohne ein entprechendes Entgegenkommen des Betriebsrats war eine Lösung nicht denkbar.

Doch Schoch verfuhr nach einem alten Rezept, mit dem er schon mehrfach Erfolg hatte. Er dachte sich selbst in die Rolle des Unternehmers und tüftelte und rechnete mit Modellen – etwa bei den Arbeitszeiten. Erstmals sei ein Personalkonzept auf Basis von Szenarien erstellt worden, die bis ins Jahr 2018 reichen, sagte er nun der „Wirtschaftswoche“. Durch flexible Arbeitszeitmodelle und Zeitkonten könne BMW sich der Auftragslage anpassen. „Wir können fast die gesamten möglichen Schwankungen bis 2018 abdecken.“

Offfenbar will auch das Management die Kuh nach langen Verhandlungen vom Eis bringen. „Wir rechnen mit einer Einigung in den kommenden Wochen“, sagte ein BMW-Sprecher. Details werden erst dann genannt.

Martin Prem

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