0,75 Prozent

Leitzins im Euroraum bleibt auf Rekordtief

Frankfurt - Die Zinsen im Euroraum bleiben extrem niedrig - noch kommt das bei den Unternehmen aber nicht überall an. Die EZB rechnet mit einer Erholung der Konjunktur.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von 0,75 Prozent. Das entschied der Rat der Notenbank am Donnerstag in Frankfurt, wie die EZB mitteilte. Die meisten Volkswirte hatten damit gerechnet, dass die Währungshüter von einer weiteren Zinssenkung absehen werden - obwohl der Euroraum in der Rezession steckt. Die EZB erwartet, dass sich die Konjunktur im Laufe des Jahres allmählich wieder erholen wird.

Zuletzt hatte sich die Lage an den Finanzmärkten entspannt, so dass sich Krisenländer wieder günstiger am Anleihenmarkt finanzieren können. Weil das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung deutlich gestiegen ist, fließt zudem wieder Kapital in den Euroraum zurück. Allerdings kommen die Verbesserungen nur schleppend bei Unternehmen an. Stattdessen hat das zurückgewonnene Vertrauen den Euro gegenüber anderen Währungen gestärkt, was nun vor allem Exporteuren in den Krisenländern zu schaffen macht.

Infolge einer sehr lockeren Geldpolitik in Japan und den USA wertete der Euro in den vergangenen Monaten massiv auf. Frankreichs Staatspräsident François Hollande hatte deshalb für eine aktive Wechselkurspolitik geworben. Die Forderung nach einem politisch gesteuerten Wechselkurs stößt vor allem in Deutschland auf Ablehnung.

Johannes Mayr von der BayernLB erwartet, dass im Zuge der Entspannung an den Finanzmärkten allmählich auch die Bedingungen für die Finanzierung von Unternehmen in den Krisenländern günstiger werden.

Angesichts der Entspannung an den Finanzmärkten sehen einige Ökonomen die EZB bereits vor dem Rückzug aus der ultralockeren Geldpolitik. Die Berenberg Bank prognostiziert, dass die Euro-Wirtschaft rasch in Schwung kommen und die Zinsen noch vor Ende des Jahres 2013 wieder angehoben werden. Andere Volkswirte rechnen hingegen nach wie vor mit einer weiteren Zinssenkung.

Im Kampf gegen die Schuldenkrise hält die EZB noch immer ihre schärfste Waffe bereit: Das 2012 aufgelegte Programm zum notfalls unbegrenzten Kauf von Anleihen kriselnder Eurostaaten ist startklar, aber noch nicht aktiviert. Denn es setzt voraus, dass ein Land unter den europäischen Rettungsschirm schlüpft und somit Reformvorgaben einhalten muss. Als heißesten Kandidaten für das Programm sehen Ökonomen noch immer Spanien.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Trotz unerwartet starken Jahresstarts: US-Wirtschaft schwächelt
Deutlich besser ausgefallen als angenommen ist das Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten unter Führung Trumps. Dennoch hat sie an Schwung verloren.
Trotz unerwartet starken Jahresstarts: US-Wirtschaft schwächelt
Dax geht etwas schwächer ins Wochenende
Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat sich am Freitag mit leichten Verlusten ins Wochenende verabschiedet. Gute Wachstumszahlen aus der US-Wirtschaft halfen ihm, sein Minus …
Dax geht etwas schwächer ins Wochenende
„Vanille-Krise“: Schreck für Eisfreunde
Vanille ist die Lieblings-Eissorte der Deutschen. Bald könnten den Eisjüngern aber schmerzhafte Veränderungen ins Haus stehen.
„Vanille-Krise“: Schreck für Eisfreunde
Wirtschaftsforscher verteidigen deutschen Handelsüberschuss gegenüber USA
Auf dem G7-Gipfel kritisierte Donald Trump scharf den deutschen Handelsüberschuss gegenüber der USA. Jetzt reagiert das Institut der deutschen Wirtschaft Köln mit einer …
Wirtschaftsforscher verteidigen deutschen Handelsüberschuss gegenüber USA

Kommentare