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Der Leopard 2: Die neueste Version wurde – aufgrund der Erfahrungen in Afghanistan – mit verstärktem Minenschutz und einer Energieversorgung an Bord umgerüstet.

Rüstungsindustrie

Leopard 2: Neue Karriere als Lebensretter

München - Kampfpanzer galten viele Jahre als Relikte des Kalten Krieges. Doch nun erlebt der Leopard 2 aus München eine Renaissance im Anti-Terror-Kampf. In Afghanistan hatte er sich als Lebensretter für Soldaten im Auslandseinsatz bewährt.

Man muss sich die Gewalt einer Explosion vorstellen, die ein 60 Tonnen schweres Fahrzeug mehrere Meter in die Luft hebt. Es war in Afghanistan. Die erste Kraftprobe zwischen einer schweren Panzermine und einem Leopard 2 im Dienst der kanadischen Armee. Der Fahrer des Panzers erlitt einen Hüftbruch. Seine drei Kameraden kamen mit Prellungen davon. „Ich würde nicht mehr leben“, sagte einer von ihnen später, „wenn es ein anderes Fahrzeug gewesen wäre“.

Von einem Lebensretter sprach nun die kanadische Botschafterin Marie Gervais-Vidricaire. Auch im deutschen Verteidigungsministerium gibt es mehrere Dankes- E-Mails von Überlebenden. Denn die Kanadier hatten ihre 20 Leoparden für Afghanistan von der Bundeswehr ausgeliehen – und unter anderem mit verstärktem Minenschutz ausrüsten lassen.

Weniger gut ging die Konfrontation – es gab davon mehrere – für die beteiligten Taliban-Kämpfer aus. „Sie lernten einige sehr harte Lektionen“, sagte der kanadische General Rick Hillier. „Sehr schnell und sehr gewalttätig“.

Damit hat der deutsche Kampfpanzer eine Bewährungsprobe bestanden, für die er eigentlich nie gedacht war. Konstruiert vor mehr als 35 Jahren für die Panzerschlachten des Kalten Krieges, erwies er sich nun als Schlüssel zum Erfolg im Anti-Terror-Kampf. Die Kanadier werden ihre 20 Lebensretter behalten. Dafür kauften sie 20 gebrauchte Leopard 2 in den Niederlanden, die – aufgerüstet – an die Bundeswehr zurückgehen.

Damit bekommt die Bundeswehr nun 20 ihrer 225 klassischen Kampfpanzer zurück – optimal ausgestattet für die neuen Herausforderungen. Leopard 2 A7 heißt die neue Generation. Denn nicht alles lief optimal in Afghanistan. Die bis zu 70 Grad, auf die in Afghanistan die Temperatur im Innenraum steigt, waren eine Strapaze. Dagegen hilft nun ein Kühlsystem. Und ein kleines Kraftwerk an Bord stellt sicher, dass das gesamte Waffensystem des Panzers auch dann funktioniert, wenn der Panzern nicht mehr läuft.

Denn beim neuen Einsatzszenario rollt nicht mehr ein Panzerverband gegen einen anderen an. Der Leopard 2 A7 im Anti-Terror-Einsatz steht oder fährt und beobachtet vor allem die Umgebung. Dafür ist er mit den modernsten Sichtgeräten ausgestattet, die die Rüstungsindustrie liefern kann. Was immer im Umkreis von fünf Kilometern zur Bedrohung wird, soll er in wenigen Sekunden außer Gefecht setzen. Unmittelbar vor dem Einsatz wird die Munition darauf programmiert, ob sie eine befestigte Stellung aufbrechen soll oder eine Hausmauer zerstören, hinter der sich Kämpfer verschanzt haben.

Allerdings soll der Panzer möglichst gar nicht schießen. Allein die Anwesenheit ist ein Signal an mögliche Gegner: Versuch zwecklos. Auch die neueste Version des Leopard 2 A7 mit seinen Vorläufern soll abschrecken. Die Panzer werden gebraucht, um möglichst nicht benutzt zu werden. „Wenn uns erspart geblieben ist, dass deutsche Soldaten aufeinander schossen, dann ist das auch dem Kampfpanzer zu verdanken“, erinnerte Frank Haun, Chef von Krauss-Maffei Wegmann, bei der Übergabe der erste Leopard 2 A7 an die Bundeswehr, an die Konfliktsituation des Kalten Kriegs.

Krauss-Maffei Wegmann in München Allach ist nach Hauns Worten „Leopard Home“, die Heimat der Leoparden. „Von hier kommen alle Leoparden, so auch die neuste Generation.“ Der Panzerhersteller, der derzeit einen Zusammenschluss mit dem französischen Konkurrenten Nexter vorbereitet, ist der letzte verbliebene Hersteller von neuen Kampfpanzern in der gesamten westlichen Welt.

Von Martin Prem

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