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Ohne Aktien können Anleger heute kaum Erträge erzielen. Darüber waren sich die Diskussionsteilnehmer einig.

Depotstrategie

Mehr Mut zum Risiko

Angesichts der niedrigen Zinsen kommen Anleger um Aktien nicht herum, auch wenn damit Mut zu Risiko verbunden ist. Das betonten die Vermögensspezialisten beim Finanzforum „Privatbanken“.

„Für sichere Anlagen wie Anleihen gibt es derzeit kaum Erträge. Wir Berater sprechen regelmäßig mit unseren Kunden über deren Depotstrategie und somit auch über den Anteil der Aktienquote“, sagt Jürgen Wörl (Bank Julius Bär). „Um mittelfristig real das Vermögen zu sichern, erhöhen wir in Abstimmung mit den Kunden teilweise den Anteil der Sachwertanlagen, sofern dies zum Risikoprofil beziehungsweise zum Ziel des jeweiligen Kunden passt.“

Aktive Steuerung der Investments wichtig

Es sei schwierig, deutschen Anlegern Aktien nahezubringen, stellt Klaus Sojer (M.M.Warburg) fest. „Aber wir werden um den Sachwert Aktie nicht herumkommen.“ Neue Risiken würden von vielen Anlegern nicht als solche wahrgenommen, etwa bei den Mittelstandsanleihen. Thomas Jäger (Hauck & Aufhäuser) meint indes, aktuelle Pleiten würden verhindern, dass Anleger zu viel Druck gegenüber ihren Vermögensbetreuern aufbauen, in die Papiere zu investieren. Bei Aktien hingegen sind nach seiner Beobachtung viele Menschen „offener als vor vier, fünf Jahren, die Risiken zu tragen“. „Wir müssen den Begriff ‚Risiko‘ neu definieren“, meint Helmut Kretschmer (Walser Privatbank). Vielen sei nicht bewusst, dass zum Beispiel Anleihen heute durchaus hohe Schwankungen aufweisen können. Auch Staatsanleihen einzelner Länder seien davon betroffen. Gerade bei niedrigen Zinsen ist die aktive Steuerung der Anleihe-Investments besonders wichtig, betont Franz Mader (Bethmann Bank): „Entscheidend ist, bei welcher Anlage sich der Kunde wohlfühlt.“ Selbst bei vorsichtigen Anlegern sei angekommen, dass man auch Aktien nicht mehr links liegenlassen könne.

"Anleger erwarten Erhalt des Vermögens"

"Wer den Spannungsbogen aushält, fährt mit Aktien besser“, ist Dr. Reiner Krieglmeier (Bankhaus Herzogpark) überzeugt. Krieglmeier setzt derzeit auf Branchenindizes, zum Beispiel auf Aktien aus dem Gesundheitssektor. Wenn man in eine ganze Branche investiere, seien die Schwankungen weniger stark. Diese so genannte Volatilität zu reduzieren sei wichtig, da insbesondere Unternehmerkunden bei ihrem Privatvermögen nicht auch noch hohe Risiken eingehen wollen. „Gerade Unternehmer wollen ihre Lebensleistung nicht verlieren“, bestätigt Markus Kalab (Walser Privatbank). Nach mehreren Krisen der Finanzmärkte sitze aber der Stachel der Furcht tief. „Viele Vermögen sind nun aus einem übersteigerten Sicherheitsbedürfnis heraus zu wenig renditeorientiert angelegt“, stellt Kalab fest.

„Anleger erwarten vor allem den Erhalt des Vermögens“, meint auch Jürgen Heitzmann (Donner & Reuschel). In der aktuellen Situation müsse aber jeder tendenziell die Risiken erhöhen, um den Wert des Vermögens zu behalten. Vermögenserhalt nach Kosten, Steuern und Inflation – so lautet das Ziel, wie Rainer Wörz (Merck Finck & Co) für viele aus der Branche betont. Das bedeute aber das „Ende einer konservativen Geldanlage, die rein auf festverzinslichen Wertpapieren beruht“.

Höhere Erträge nur mit mehr Risiko

Entscheidend sei ein Blick auf das gesamte Vermögen, merkt Christian Janas (UBS Deutschland AG) an. Anleger sollten auch bei Sachwerten breit diversifizieren und neben Aktien auch in Immobilien und eventuell in Gold investiert sein. Höhere Erträge seien nur mit mehr Risiko zu erwirtschaften, das aber, abgestimmt auf das Gesamtvermögen, im Depot nur einen begrenzten Anteil haben solle.

Man dürfe die Risikotragfähigkeit der Kunden nicht überschätzen, warnt Hans Wöll (Berenberg): „Wenn eine massive Krise ausbricht, könnte es hier noch zu Überraschungen kommen.“ Und angesichts der weltweit hohen Verschuldung „werden wir noch schwere Zeiten sehen“. „Viele Anleger werden dann ihre Vorstellungen korrigieren müssen“, schließt sich Klaus Sojer dieser Warnung an. Jürgen Heitzmann rät daher: „Es liegt in unserer Verantwortung herauszufinden, welches Risiko der Kunde tatsächlich tragen kann.“ „Die psychologischen Reaktionen der Anleger können wir schon voraussehen“, meint der Vermögenspsychologe Prof. Thomas Druyen. Finanzberater müssten in schwierigen Situationen geradezu therapeutische Arbeit leisten. „Deshalb ist eine gesunde Vertrauensbasis so wichtig.“

Jürgen Grosche

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