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Anregende Diskussionen in ansprechendem Rahmen: Die Vermögensspezialisten aus Privatbanken der Region tauschten sich im Hotel „Das Tegernsee“ über Themen aus, die die Branche und die Anleger bewegen.

Regulierung

Die Rückkehr des Bankbeamten

Um Schaden von Wirtschaft und Anlegern abzuwenden, führt die Politik immer mehr Regulierungsvorschriften ein. Zu viel Bürokratie kann aber zu Nachteilen für die Bankkunden führen, fürchten Experten.

Die Finanzkrise hat der Bankenbranche einen schweren Imageschaden zugefügt. Weltweit versuchen nun Regierungen, mit mehr oder weniger scharfen Regulierungsmaßnahmen zu verhindern, dass Banken noch einmal mit Milliardensummen gerettet werden müssen. Bei der Regulierung steht auch der Anleger im Fokus, der besser geschützt werden soll. Doch viele der neuen Vorschriften blockieren mehr, als dass sie helfen, beklagen Banker.

"Wir stehen besser da als vor der Krise"

Auch beim Finanzforum „Privatbanken“ der Mediengruppe Münchner Merkur tz diskutierten Vertreter führender Häuser über das Thema – durchaus differenziert. Winfried Schülken (HypoVereinsbank) kann der Regulierung durchaus positive Seiten abgewinnen: „Sie hat dazu beigetragen, dass jetzt alle Banken ihr Geschäft solider gestalten. Wir stehen jetzt alle besser da als vor der Krise.“ Schülken sieht andererseits die Gefahr, dass die Kosten zur Umsetzung und Einhaltung der Vorschriften viele Banken erwürgen.

Außerdem leide die Glaubwürdigkeit bei den Kunden zum Teil mehr, als dass sie gefördert würde, merkt Jens Dittmar (Commerzbank) an: Rund fünf Millionen Beratungsprotokolle würden pro Tag angefertigt. Bei manchen Kunden komme das so an, als wollten sich die Bank-Mitarbeiter nur selbst absichern. „Kommt jetzt der Bankbeamte wieder?“, fragt Klaus Sojer (M.M.Warburg & CO) in dem Zusammenhang. Ihn treibt die Sorge um, dass insbesondere jüngere Mitarbeiter, die nur noch die regulierte Welt kennenlernen, die Protokolle mechanisch abarbeiten, aber den Kunden keine Tipps darüber hinaus mehr geben, um nichts Falsches zu sagen.

„Man müsste hier differenzieren und erfahrenen Anlegern weniger Protokoll-Lasten aufbürden“, fordert Sojer und findet Zustimmung zum Beispiel bei Rainer Wörz (Merck Finck & Co): „Ich hoffe auf ein Signal der Politik, dass sie hier ein paar Schritte zu weit gegangen ist.“ Nach dem „Deregulierungswahn“ im Vorfeld der Finanzkrise seien nun zwar „neue Leitplanken notwendig“, neben Protokollen seien auch Produktinformationsblätter durchaus sinnvoll – „aber eben nicht für jedermann“. Wer jahrelange Anleger-Erfahrung habe, erhalte durch die Informationsflut keinen Mehrwert.

Transparente Produktinformationen schaffen Vertrauen

Die Anforderungen an Anlageberatungsprotokolle seien selbst für Profis komplex, fügt Christian Janas (UBS Deutschland AG) hinzu, und beim Aufbau der Protokolle gebe es keine Einheitlichkeit. „Grundsätzlich schaffen transparente Produktinformationen und Reportings Vertrauen beim Kunden. In der Praxis allerdings ist die durch die Regulierung vorgeschriebene Protokollierung oft schwierig und aufwändig umzusetzen.“ Positiv wertet Franz Mader (Bethmann Bank) zumindest, dass die Banken gezwungen seien, die Kosten aufzudecken. „Das verschafft dem Kunden mehr Klarheit.“ Privatbanken würden ohnehin hier transparent arbeiten. „Wir bieten bei Verwaltung und Beratung All-in-Fees“, beschreibt Mader die Tendenz zur Pauschalgebühr, die alle Kosten abdeckt. „Das beugt Interessenkonflikten vor, denn die Kunden zahlen für die Beratungsleistung und nicht dafür, dass Banken in den Depots umschichten, um so Erträge zu generieren.“

"Die soziale Kompetenz des Beraters ist gefragt"

Dass Banken nicht durch den Verkauf von Produkten entlohnt werden sollen, ist nach Auskunft von Dr. Nikolaus Braun (Quirin Bank) eines der Ziele der Regulierung. „Die Beratungsprotokolle helfen hier dem Kunden aber wenig.“ Besser sei es, das Provisionsgeschäft überhaupt abzuschaffen, wie es in anderen Ländern auch geschehen sei. Darin sieht Thomas Jäger (Hauck & Aufhäuser) indes auch ein Problem: „Wenn Provisionen wegfallen, wird es für Häuser, die bislang damit arbeiteten, schwierig, ihre Leistungen zu bepreisen. Beratung werden viele dann nicht mehr anbieten.“ So oder so – die neue Beratungswelt sei sehr zeitaufwändig, betont Helmut Kretschmer (Walser Privatbank). Privatbankiers müssten nun die Kunden mitnehmen. „Da ist soziale Kompetenz des Beraters gefragt, damit er eine tragfähige Beziehung zu seinen Kunden aufbauen kann.“ Grenzen der Regulierung sieht Jürgen Wörl (Julius Bär) zudem im Grundsätzlichen: „Sie darf nicht zur Entmündigung des Anlegers führen.“

Jürgen Grosche 

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