Lettland brummt nach 50 Jahren Sowjetwirtschaft

- Riga - Nach 50 Jahren unter der sowjetischen Herrschaft hat sich die lettische Wirtschaft aus der Lethargie befreit. Die Letten vertrauen vor dem Beitritt zur Europäischen Union in ihre eigene Wirtschaft, und sie haben nötiges Kapital dafür im In- und Ausland gesammelt. Investiert wird allerorten: in glitzernde Einkaufszentren und neue Bürohochhäuser, teure Haushaltsgeräte und Westautos.

<P>Im vergangenen Jahr hat das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 7,5 Prozent zugelegt und den Trend der vergangenen Jahre bestätigt.<BR>Branchen wie Einzelhandel und Bauindustrie freuen sich über zweistellige Steigerungsraten. "Das Wachstum ist mit den durch den EU-Beitritt fließenden Geldern aus den Strukturfonds abgesichert", sagt Robert Stafeckis, Leiter der Delegation der deutschen Wirtschaft in Riga. Lettland sieht er auch zukünftig als attraktives Ziel für ausländische Direktinvestitionen: "Selbst wenn die Löhne jährlich um zehn Prozent steigen, bleiben sie in den nächsten zehn Jahren noch unter dem westeuropäischen Niveau." Knapp 300 Euro beträgt heute der durchschnittliche Bruttolohn in Lettland.<BR><BR>Seit kurzem ist Deutschland - bereits seit längerem Handelspartner Nummer eins - wichtigster Investor in dem mittleren der drei baltischen Staaten. Landesgrenzen teilt der kleine Ostseestaat mit Litauen und Estland und im Osten mit Weißrussland und Russland.<BR><BR>"Wir haben inzwischen eine führende Rolle im lokalen Bankenmarkt eingenommen", sagt Machalett, der ehrenamtlich auch Präsident des Deutsch-Lettischen Unternehmensverbandes ist. Zu den Großunternehmen aus dem Finanz- und Energiesektor kommen zunehmend verarbeitende Betriebe. "Wir haben aktuell drei deutsche Unternehmen aus dem Maschinenbau, die sich in Lettland auf der grünen Wiese ansiedeln möchten", freut sich Stafeckis.<BR><BR>Auch das ist Lettland: einseitige Konzentration der Wirtschaft und des Wohlstands auf die Hauptstadt Riga. Die Stadt mit 850 000 Einwohnern ist nicht nur geographisch das Zentrum des Landes, das insgesamt 2,3 Millionen Bewohner zählt, hier konzentrieren sich auch das Hochschul- und Finanzwesen sowie die meisten Firmenzentralen Lettlands.<BR>In den ländlichen Regionen liegt die Arbeitslosigkeit dagegen oft über 15 Prozent, die Bürger überleben mittels Landwirtschaft für den Eigenbedarf und Gelegenheitsjobs.<BR><BR>Hochglanzprospekte schildern die Zukunft der lettischen Wirtschaft in Biochemie, Softwareentwicklung und Elektronik - in der Realität stellt der Export von Holz und Holzprodukten noch über ein Drittel aller Ausfuhren, gefolgt von Metallen und Textilien. Das Leistungsgefälle zu überbrücken, wird die große Herausforderung für die lettische Wirtschaftspolitik der nächsten Jahre sein.<BR><BR>Eine weitere Aufgabe ist der Kampf gegen Korruption und Misswirtschaft in der Verwaltung. Lettland wird auch im jüngsten Jahresbericht von Transparency International unter den Schlusslichtern in Europa eingestuft. Der kleine Staat musste innerhalb der letzten zwölf Jahre sein komplettes Wirtschaftsrecht erneuern.<BR></P>

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