Vier Tage vor Anschlag: Attentäter flog von Düsseldorf nach Manchester

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Der letzte Auftritt des Mr. Euro

- Frankfurt - Der Mann mit dem wilden weißen Haarschopf und dem knautschigen Gesicht geht ohne Abschiedsgeschenk. Wim Duisenberg, erster EZB-Präsident, wird am Donnerstag zum letzten Mal die geldpolitische Lage mit seinen 17 Kollegen des EZB-Rates erörtern - eine Zinssenkung wird der 68-Jährige hinterher, beim allerletzten offiziellen Auftritt vor dem Ruhestand, wohl nicht verkünden.

<P>Bundesbank-Präsident Ernst Welteke entzog schon im Vorfeld allen Spekulationen auf noch niedrigere Leitzinsen den Boden. Eine weitere Lockerung der Geldpolitik könne der lahmenden Konjunktur keinen zusätzlichen Schwung verschaffen. Der vorhandene Geldumlauf sei eher zu reichlich.</P><P>Auch ohne ein spektakuläres Zins-Signal blickt Duisenberg auf eine erfolgreiche Amtszeit von fünf Jahren zurück. Trotz Anfeindungen, anfänglicher Unsicherheit in der Darstellung der Notenbankpolitik und seiner unverhohlenen Kritik an der Haushaltspolitik der großen Euroländer hat der Niederländer der EZB enormes Ansehen verschafft.</P><P>Das historisch einmalige Projekt einer gemeinsamen Währungsunion zwölf unabhängiger Nationen kann zumindest aus Sicht der Währungshüter als gelungen bezeichnet werden. Sein zerfurchtes Gesicht wird stets mit der Euro-Einführung in Erinnerung bleiben. Auch sein Autogramm ziert die Scheine noch ein Jahrzehnt.</P><P>Weitaus wichtiger ist die in Europa bisher ungewohnte Stabilitätskultur. Nie waren die Leitzinsen in den vergangenen Jahrzehnten niedriger. Die derzeit durchschnittliche Inflationsrate von rund zwei Prozent war vor allem in Südeuropa über Jahrzehnte unbekannt. Inflation treffe am Ende immer die schwächsten Glieder der Gesellschaft, war das Credo des ehemaligen niederländischen Finanzministers und Notenbankers. Zwar wurde die Politik im EZB-Rat immer von gemeinsamen Beschlüssen getragen, das Gesicht der Währungshüter war stets Duisenberg.</P><P>Nach außen strahlte er stets Disziplin und Gelassenheit aus - trotz prekärer Situationen. Als zum Jahreswechsel 2000/01 der Euro in Richtung 0,82 Dollar abrutschte, schienen die Kritiker der Währungsunion bestätigt. Später räumte Duisenberg ein, dass ihm die damalige Kritik unter die Haut gegangen ist. Bei dem aktuellen Kursniveau von gut 1,15 Dollar sind die Klagen aber auch nicht verstummt, diesmal von der Exportwirtschaft.</P><P>Wie ein Schatten über Duisenbergs Präsidentschaft lag das politische Gerangel um seine Ernennung im Mai 1998. Unter massivem politischem Druck - insbesondere aus Paris - hatte er eingewilligt, seine auf acht Jahre vereinbarte Amtszeit, vorzeitig "freiwillig" zu beenden. Immer wieder drängelte Paris, er möge seinen Platz in Frankfurt für den französischen Notenbankchef Trichet räumen.</P><P>Selbst diese Attacken krönte der Niederländer mit einem späten Triumph. Sein überraschendes Rücktrittsangebot, zum 9. Juli an seinem 68. Geburtstag ausscheiden zu wollen, brachte die Regierungschefs in die Bredouille. Zu diesem Zeitpunkt stand der potenzielle Nachfolger Jean-Claude Trichet vor Gericht. Die Finanzminister mussten Duisenberg deshalb bitten, auf dem Präsidentenstuhl zu bleiben, bis der erhoffte Freispruch für Trichet den reibungslosen Wechsel ermöglichte. Mr. Euro übergibt nun das geldpolitische Ruder: mit viel Reputation und ohne sichtliche Kratzer.</P>

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