Letzte Chance zur großen Ersparnis

München - Wenn in einem Jahr der sogenannte Gesundheitsfonds eingeführt wird, dürften die Beitragssätze für viele Kassenpatienten steigen. Bis dahin können gesetzlich Versicherte teils mehrere hundert Euro sparen, wenn sie zu einer günstigeren Kasse wechseln.

Ab 2009 gibt es kaum noch Unterschiede bei den Kassenkosten. Dann gilt ­ abgesehen von möglichen Zusatzbeiträgen ­ für alle Kassen derselbe Beitragssatz, den die Bundesregierung festlegt. Und der dürfte über 15 Prozent liegen, haben jetzt die Chefs mehrerer großer Anbieter angekündigt. Bis dahin kann man aber weit günstiger wegkommen.

Der Preisunterschied

Wer in Bayern wohnt oder arbeitet, hat eine Vielzahl von Krankenkassen zur Auswahl, auch wenn deren Namen ­ zum Beispiel IKK Thüringen ­ nicht darauf schließen lassen. Noch bestehen zwischen den Anbietern erhebliche Unterschiede bei den Kosten, wie ein Vergleich der Verbraucherzentrale Bayern zeigt. Bei den im Freistaat offenen Krankenkassen reicht die Höhe des allgemeinen Beitragssatzes demnach von 12,3 Prozent (IKK Thüringen) bis 16 Prozent (City BKK) des Bruttogehalts.

Das macht bei einem Verdienst von 3000 Euro einen Unterschied von 55,50 Euro jeden Monat für den Versicherten und ebenso viel für den Arbeitgeber, der die Hälfte der Kosten trägt. Auf ein Jahr gerechnet sind so jeweils 666 Euro Ersparnis drin. Die Tabelle rechts zeigt alle in Bayern offenen Kassen mit einem Beitragssatz unter 13 Prozent sowie einige besonders verbreitete Kassen.

Gleiche Leistung

Billiger ist bei Krankenkassen meist nicht schlechter. "Der Hauptteil der Leistungen ist gesetzlich festgelegt und überall gleich", erklärt Heidemarie Krause-Böhm von der Verbraucherzentrale Bayern. Lediglich bei den Zusatzleistungen gibt es Unterschiede. Wer also Wert darauf legt, dass zum Beispiel Kosten für homöopathische Behandlungen erstattet werden, der sollte sich informieren, ob seine neue Kasse diese übernimmt. Ein niedrigerer Beitragssatz bedeute nicht allgemein eine schlechtere Leistung, erklärt Krause-Böhm.

Zwei Monate Frist

Wer mindestens 18 Monate bei seiner jetzigen Kasse Mitglied ist, kann in eine andere wechseln. Dasselbe gilt, wenn die Kasse den Beitragssatz erhöht. Dann besteht zwei Monate lang ein "Sonderkündigungsrecht". Wird der Beitragssatz zum 1. Januar angehoben, kann man bis 29. Februar kündigen. Für die Kündigung wiederum gilt eine zweimonatige Frist zum Monatsende. Wer also im Januar kündigt, muss noch im Februar und März bei seiner alten Kasse bleiben, ab April kann er in der neuen starten.

Der Wechsel

Zunächst sollte der Kunde überlegen, ob es ihm darauf ankommt, in einer Geschäftsstelle vor Ort persönlich vorstellig werden zu können oder ob ihm der Kontakt zur Kasse über Telefon und Internet genügt. Letzteres ist oft Voraussetzung für günstige Beiträge. Legt man auf Zusatzleistungen Wert, sollte man auch dies abklären. Und vor dem Wechsel sollte man sich erkundigen, ob bei der neuen Kasse eine Erhöhung des Beitragssatzes geplant ist. Dann könnte der Wechsel seinen Sinn verlieren. Hat man bei der alten Kasse gekündigt, erhält man von dieser eine Bestätigung. Diese ist bei der neuen Kasse vorzulegen. Sollte mit dem Wechsel dann noch etwas schiefgehen, kann man nicht ohne Versicherungsschutz dastehen. Im Zweifel fällt man in die alte Kasse zurück.

Neun Monate sparen

Angesichts der geplanten Beitragsangleichung im kommenden Jahr ist die große Ersparnis wohl nur noch für neun Monate drin. Denn wer jetzt kündigt, kann wegen der Frist erst ab April bei einer anderen Kasse einsteigen. "Es ist natürlich ein gewisser Aufwand mit dem Wechsel verbunden", erklärt Verbraucherschützerin Heidemarie Krause-Böhm. "Ob sich das lohnt, muss jeder für sich entscheiden."

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