Letzte Rettung bei Totalverlust: Entschädigung für geprellte Anleger

- Das Geld ist weg, der angeblich seriöse Finanzdienstleister pleite oder mit den anvertrauten Geldern über alle Berge. Dieses Schicksal hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Kleinanleger ereilt, doch es gibt eine letzte Rettung: die Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen (EdW) in Berlin.

<P>Die EdW sorgt dafür, dass Anlegern zumindest ein Teil des angelegten Kapitals zurückgezahlt wird. Sie erhalten im Schadensfall 90 Prozent ihrer Forderungen aus Wertpapiergeschäften von der EdW zurück, allerdings ist die Entschädigungssumme auf 20 000 Euro begrenzt.</P><P>Die EdW wurde 1998 mit der Einführung des Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetzes (ESAG) gegründet. Sie ist die Entschädigungseinrichtung für Finanzdienstleister und Kapitalanlagegesellschaften, die als Wertpapierhandelsunternehmen von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (Bafin) zugelassen sind. Rund 760 solcher Unternehmen sind derzeit bundesweit aktiv; vom Ein-Mann-Betrieb bis zum milliardenschweren Finanzvermittler.</P><P>Ist ein Unternehmen nicht mehr in der Lage, Gelder zurückzuzahlen oder Verbindlichkeiten aus Wertpapiergeschäften zu erfüllen, sollten Anleger zunächst die EdW oder die Bafin informieren, die den Fall prüft. Besteht ein Entschädigungsanspruch, erhalten alle Anleger des betroffenen Unternehmens von der EdW automatisch eine Schadensmeldung, mit der sie ihre Ansprüche anmelden können. Zugleich müssen entsprechende Belege wie Vertragsunterlagen eingereicht werden. Anträge müssen allerdings innerhalb eines Jahres nach der Information durch die EdW eingereicht werden, danach besteht in der Regel kein Entschädigungsanspruch mehr.</P><P>Von der Antragstellung bis zur Auszahlung kann es jedoch dauern, denn die Bearbeitungszeit ist vom Einzelfall abhängig. "Bis zur Entschädigung können zwei Wochen, aber auch drei Jahre vergehen, eine Faustregel gibt es nicht", sagt Michael Helmers, Abteilungsdirektor der EdW. Das hänge nicht nur von der Prüfung der Bafin, sondern auch von den Ermittlungen der Insolvenzverwalter, der Polizei und den Staatsanwaltschaften ab.</P><P>Bislang wurden 599 Anleger mit insgesamt 5,1 Millionen Euro entschädigt. Fast ebenso viele Anträge wurden abgelehnt, 1200 weitere werden noch bearbeitet. Bei den bislang 15 anerkannten Entschädigungsfällen wurden Anleger fast immer von betrügerischen Unternehmen um ihr Geld gebracht. "Das Kapital wurde auf verschiedene Arten beiseite geschafft", sagt Helmers. "Manche Unternehmer haben zunächst noch Gelder ausgezahlt, andere haben sie immer wieder umgeschichtet oder sind schlicht damit verschwunden."</P><P>In jüngster Zeit wurden allerdings keine Betrügereien von Finanzdienstleistern ermittelt. Der letzte von der Bafin anerkannte Entschädigungsfall datiert aus dem Jahr 2002. "Man kann davon ausgehen, dass sich der Markt bereinigt und die kriminelle Energie zumindest bei den zugelassenen Finanzdienstleistern abgenommen hat", sagt Helmers. Das bestätigt auch Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. "Die Boomzeit ist vorbei, die Leute fallen nicht mehr auf jede Investmentidee herein." Außerdem hätten die Finanzdienstleister mit einer rapide sinkenden Nachfrage zu kämpfen, da immer mehr Anleger auf sichere Zinsprodukte setzten.</P>

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