Der letzte Wille ist für Patchworkfamilien ein Muss

- Meine Kinder, deine Kinder: Wer in einer sogenannten Patchworkfamilie lebt, sollte so früh wie möglich die Weichen für die gewünschten Erben stellen. Denn wegen des häufig komplizierten Geflechts aus Beziehungen und Ansprüchen ist es besonders wichtig, Fallstricke beim Vererben auszuschließen. In schätzungsweise jeder siebten Familie lebt heute mindestens ein Kind, das aus einer anderen Beziehung stammt; dafür hat sich der Begriff "Patchwork-Familie" etabliert.

Stiefkinder spielen im gesetzlichen Erbrecht aber keine Rolle: "Alle Patchworkeltern, ob verheiratet oder nicht, sollten sich unbedingt darüber Gedanken machen, wo ihr Vermögen einmal hingehen soll und wie das zu bewerkstelligen ist", rät Jan Bittler, Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge. Ein frühzeitiges Testament ist nach seinen Worten ein Muss. Denn: Wurde der letzte Wille nicht niedergeschrieben, greift die gesetzliche Erbfolge. Damit regiert aber der Faktor Zufall -und es kommt darauf an, in welcher Reihenfolge die Eltern sterben, um die Kinder des einen oder des anderen zu abschließenden Erben zu machen.

Ungerechtigkeiten sind damit unausweichlich. Beispiel: Ein Mann bringt zwei Kinder in die neue Ehe mit, die Frau eins. Stirbt zuerst der Mann und gibt es kein Testament, erbt die aktuelle Ehefrau die Hälfte seines Vermögens. Seine zwei leiblichen Kinder teilen sich zu gleichen Teilen die andere Hälfte. Das nicht verwandte Stiefkind ginge leer aus. Zusätzliche Komplikationen können entstehen, wenn die Nachkommen des Vaters noch minderjährig und in der Obhut der geschiedenen Frau sind. Die Ex-Frau hätte dann mitzureden, wenn es um die Auszahlung der Erbteile ginge, sie könnte von der aktuellen Frau womöglich Mietzahlungen verlangen. Stirbt dann die zweite Ehefrau ohne ein Testament hinterlassen zu haben, erbt nur noch ihr leibliches Kind.

Das beliebte Berliner Testament, mit dem sich Ehegatten zunächst wechselseitig zu Alleinerben einsetzen und die Kinder erst nach dem Tod des Letztverstorbenen erben sollen, ist für Patchworkfamililien en auch keine gute Lösung, wie Notare warnen. Es zwingt die Kinder desjenigen, der zuerst stirbt, dazu, den Pflichtteil einzuklagen, wollen sie nicht leer ausgehen. Dazu hätten sie drei Jahre lang Zeit. Mit einer Klage ist der Familienfriede jedoch meist dahin. "Wenn es ganz unglücklich läuft, erbt der Ex-Partner", berichtet Jan Bittler.

Beispiel: Ein Vater, in zweiter Ehe verheiratet, verunglückt Erstberatung beim Anwalt kostet keine 200 Euro mit seinem minderjährigen Sohn aus erster Beziehung bei einem Autounfall. Beide sterben. Damit wird die Mutter des Sohnes, also die Ex-Ehefrau, zu seiner Erbin und damit zur Teilhaberin dessen, was sich die Patchworkeltern aufgebaut hatten. Hatte der Vater seinen Sohn zum Alleinerben bestimmt und das Testament noch nicht auf die neue Patchworkfamilie abgestimmt, wäre die Situation "noch verschärft", betont Bittler.

Der gesamte Nachlass ginge dann an die Ex-Frau. Die zweite Frau müsste bei ihr einen Anspruch auf Pflichtteil geltend machen. Damit ein Nachlass in Patchworkfamilien auch da ankommt, wo er hin soll, rät der Brühler Erbrechtspezialist Förster zu eingehender Beratung durch Fachleute. Eine Erstberatung beim Anwalt kostet 190 Euro.

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