Der letzte Wille: So vererben Sie richtig

München - Der letzte Wille: In einer Serie erklären wir, wie Sie Streitigkeiten und Fehler beim Thema Erben vermeiden. Teil I: Über den Tod hinaus – was bei Testament und Erbvertrag wichtig ist.

Alt und krank allein zu Hause, so hatte sich die Rentnerin Maria Müller ihren Ruhestand nicht vorgestellt. Am liebsten zöge sie zu ihrem Neffen Peter. In diesem fiktiven Beispiel liegen auf Maria Müllers Sparkonto 100 000 Euro. Müller bietet ihrem Neffen ein Abkommen an: „Du pflegst mich, und ich garantiere, dass du mein Alleinerbe wirst.“ Pflege gegen Erbe – „klassisch“ für einen Erbvertrag, meint der Geschäftsführer der in Berlin ansässigen Bundesnotarkammer Thomas Diehn.

Um die gesetzliche Erbfolge aufzubrechen und das eigene Vermögen nach eigenen Wünschen zu verteilen, reicht aber in der Regel ein Testament. Hier müssen Erblasser vor allem auf die Form und den Aufbewahrungsort achten.

Den Erbvertrag muss ein Notar besiegeln

Ein Geschäft über den Tod hinaus wie bei Maria Müller und ihrem Neffen Peter muss vor einem Notar sowie im Beisein der Partner besiegelt werden. Wichtig dabei: Der Erbvertrag bindet beide Seiten. Darin sieht der Münchner Anwalt und Fachautor Finn Zwißler ein Problem: „Da geht später grundsätzlich nichts mehr.“ Sollte Maria Müller ihr Vermögen später lieber dem Tierschutzverein überlassen wollen, der Erbvertrag mit dem Neffen bliebe gültig.

Andererseits lassen sich böse Überraschungen vermeiden. Etwa die, dass statt der Ehefrau plötzlich die Geliebte als Alleinerbin auftaucht. In der Praxis werden Erbverträge gelegentlich an Eheverträge gekoppelt. Zwißler empfiehlt die Kombination mit einer Vorsorgevollmacht.

Für Erben kommt der Vertrag „einer Option auf die Zukunft gleich“, sagt Jan Bittler, Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge (DVEV) aus Angelbachtal. „Eine Garantie, dass er am Ende das Versprochene bekommt, hat er nicht.“ Unter Umständen geht der Erbe leer aus, weil nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) der Erblasser weiterhin frei über sein Vermögen verfügen kann. Das heißt, er kann es auch bis zum letzten Cent ausgeben, wenn ihm danach ist – „nur verschenken darf er es nicht“, sagt Bittler. Generell hält seine Vereinigung DVEV einen Erbvertrag für große Vermögen für sinnvoll. Das Deutsche Forum für Erbrecht (DFE) aus München hingegen rät wegen der Verbindlichkeit davon ab.

Ein Testament muss formvollendet sein

Auch mit einem simplen Testament lässt sich in den meisten Fällen die Erbschaft bestens regeln. Dabei kennt das BGB zwei Möglichkeiten, den letzten Willen abzufassen: privatschriftlich oder notariell – also zuhause am Schreibtisch oder hochoffiziell bei einem Notar. Grundsätzlich kann jeder Erwachsene eine solche handschriftliche Verfügung aufsetzen. Jugendliche erst ab 16 Jahren und auch nur mit einem Notar.

Die äußere Form spielt beim Letzten Willen jedoch eine große Rolle. So muss das „privatschriftliche“ Testament von Anfang bis Ende „eigenhändig“, also mit der Hand, geschrieben sein. Einen Computer-Ausdruck, eine Kopie oder ein mit der Schreibmaschine beschriebenes Blatt erkennen die Gerichte nicht an. Selbst Blindenschrift nicht, sagt Anwalt Zwißler.

Sicherheitshalber stehen „Testament“ oder „Mein Letzter Wille“ sowie Datum, Ort, vollständiger Name des Erblassers und Seitenzahlen auf dem Papier – so ist gesichert, dass alles komplett ist. Am Ende der Verfügung muss der Text dann noch unterschrieben werden.

Nur in absoluten Ausnahmefällen, etwa nach einem schweren Unfall, kurz vor dem Tod, erkennt das Gericht auch mündliche Versprechen an, erklärt Rechtsanwalt Thomas Fritz. Der letzte Wille muss jedoch vor drei Zeugen formuliert werden.

Wer die Variante über einen Notar wählt, bekommt vor der Niederschrift in der Kanzlei die rechtlichen Vorschriften und Tücken der Erbschaftsteuer erläutert. Außerdem beurkundet der Notar die Verfügung. Die fälligen Gebühren richten sich nach der Vermögenshöhe. Bei 100 000 Euro sind es etwa 250 Euro. „Dafür kann ein notarielles Testament den meist teureren Erbschein ersetzen“, sagt Thomas Diehn von der Bundesnotarkammer.

Diesen Erbschein benötigen Erben, als offizielles Dokument für Behörden oder Banken. Das vom Nachlassgericht eröffnete notarielle Testament hingegen akzeptieren auch Finanzinstitute. Im Grundbuch kann die Erbfolge ebenfalls ohne Erbschein eingetragen werden. Das spart Geld – und Nerven.

Änderungen sind (fast) immer erlaubt

Grundsätzlich kann ein Testament jederzeit geändert werden. Darin liegt der wichtigste Unterschied zum Erbvertrag. Eine Ausnahme ist jedoch das unter Ehepaaren beliebte Berliner Testament oder das gemeinschaftliche Testament, das auch eingetragene Lebenspartner formulieren können. Diese Testamentsformen können nur beide Lebens- bzw. Ehe-Partner gemeinsam widerrufen. Daher ist es wichtig, bereits beim Aufsetzen des Testaments gut zu überlegen, ob man die Erbfolge starr festlegen möchte oder ob man sich gegenseitige Verfügungsfreiheit einräumt. Nur so hat der länger Lebende die Möglichkeit, noch Änderungen vorzunehmen.

Macht jeder Partner jedoch ein eigenes Testament, kann er es – auch heimlich – allein ändern. Er muss dabei niemandem Rechenschaft ablegen.

Den Letzten Willen sicher aufbewahren

Auch kann jeder frei entscheiden, ob und wo er sein Testament zuhause aufbewahrt. Damit ein Testament nicht einfach verschwindet, zerstört oder vergessen wird, kann der letzte Wille aber auch offiziell hinterlegt werden. Im Safe einer Anwaltskanzlei oder beim Nachlassgericht – wobei dort jeweils Gebühren fällig werden, die sich an der Höhe des Vermögens messen. Ein Erbvertrag muss hingegen immer beim Notar hinterlegt werden.

Wer ein Testament findet und es nicht unverzüglich meldet, verstößt übrigens gegen das Gesetz. Es herrscht „Ablieferungspflicht“, selbst wenn das Testament widerrufen wurde oder ungültig ist, erklärt die Berliner Bundesnotarkammer.

von Stefanie Backs und Monika Hillemacher

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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