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Die Warnstreiks in der Metall-Branche gehen heute weiter.

Letzter großer Warnstreik-Tag der IG-Metall - Hoffen auf Einigung

Hamburg - Begleitet von der Hoffnung auf eine Einigung mit den Arbeitgebern hat die IG Metall am Freitagmorgen ihren vorerst letzten großen Warnstreik-Tag gestartet. Erneut sind zehntausende Beschäftigte zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen.

"Der Fokus wird in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern liegen", sagte ein Sprecher. Seit Ende der Friedenspflicht haben sich in den vergangenen sechs Tagen mehr als 470 000 Metaller an den bundesweiten Warnstreik-Aktionen beteiligt. Die Gewerkschaft fordert für die 3,6 Millionen Beschäftigten der deutschen Metall- und Elektroindustrie acht Prozent mehr Lohn. Die Arbeitgeber bieten 2,1 Prozent mehr Geld für 2009 und eine Einmalzahlung. Eine mögliche Entscheidung soll am kommenden Dienstag bei der vierten Verhandlungsrunde in Sindelfingen fallen.

Tausende Beschäftigte legten am Freitagmorgen in Bayern wegen des Tarifkonflikts für einige Stunden ihre Arbeit nieder. Von 2.00 Uhr an habe die komplette Produktion des Motorkolbenherstellers Mahle im unterfränkischen Alzenau still gestanden, teilte ein IG-Metall-Sprecher mit. In dem Bundesland rechnet die Gewerkschaft am Freitag mit mehr als 10 000 Teilnehmern an Aktionen in über 40 Betrieben. In Thüringen traten rund 120 Arbeitnehmer in Eisenach und Gehren in den befristeten Ausstand. Erneut im Fokus stehen wird auch Ford in Saarlouis (Saarland), wo eine Kundgebung stattfinden wird. Besonders die Autobauer waren in dieser Woche ein wesentliches Ziel der Warnstreiks.

Kurz vor Ende der massiven Warnstreik-Welle forderte IG-Metall-Chef Berthold Huber die Gegenseite erneut zum Einlenken auf, um doch noch einen unbefristeten Arbeitskampf zu verhindern. "Die Arbeitgeber können mit einem kompromissfähigen Angebot den Streik abwenden", sagte er am Vortag in Köln. Huber erneuerte sein Ultimatum: Die letzte Chance, einen Arbeitskampf abzuwenden, bestehe am Dienstag in Sindelfingen. Wenn es dort keine Einigung gebe, werde es "sehr schnell zur Urabstimmung gehen und anschließend in einen Streik".

Huber hatte angedeutet, dass für eine Einigung mindestens eine Vier vor dem Komma stehen sollte. In Österreich hatten die Metaller am Donnerstag eine Entgelterhöhung von bis zu 4,5 Prozent erreicht. Die deutschen Arbeitgeber fordern hingegen angesichts der drohenden Rezession einen Abschluss, der unter der Einigung 2007 liegt. Damals gab es eine zweistufige Erhöhung von 4,1 und 1,7 Prozent plus Einmalzahlungen.

Der Chef des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall, Stefan Roell, rief unterdessen die Gewerkschaft dazu auf, mit einem moderaten Abschluss die Arbeitsplätze in der Branche zu sichern. "Die Überschrift der Tarifpolitik des nächsten Jahres lautet nicht Umverteilung, sondern Sicherheit der Arbeitsplätze", sagte Roell in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Der Arbeitgeberchef sagte, die Stammbelegschaften seien derzeit noch nicht gefährdet. "Wir wollen alles versuchen, um möglichst viele der 250 000 neuen Arbeitsplätze zu halten, die wir seit 2006 aufgebaut haben." Erst würden andere Möglichkeiten ausgeschöpft, etwa der Abbau von Überstunden, das Leerräumen von Zeitkonten, das Auslaufen befristeter Verträge, der Abbau von Zeitarbeitern oder Kurzarbeit. Allerdings wollten nach einer Umfrage 40 Prozent der Metall-Unternehmen freiwerdende Stellen nicht mehr besetzen.

Roell betonte, dass das Arbeitgeberangebot von 2,1 Prozent für 2009 und Einmalzahlungen für 2008 die erwartete Inflation mehr als ausgleiche. Es gelte, die Weltmarktfähigkeit der Unternehmen nicht durch einen zu hohen Tarifabschluss zu beeinträchtigen. Die größten Probleme bereiteten den Unternehmen die Märkte in Nordamerika, Westeuropa und im Inland.

dpa

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