Letzter Halt München: Transrapid entschwebt in ungewisse Zukunft

- München - Der Transrapid schwebt gegen den Wind. Nach dem Aus für die Verbindung in Nordrhein-Westfalen steht nun auch eine milliardenteure Trasse in China auf der Kippe. Zudem soll die Münchner Strecke mit Klagen verhindert werden. Hier zeichnet sich bereits eine monatelange Verzögerung ab. Ein Baubeginn 2005 wird immer unwahrscheinlicher.

<P>Ab Mai sollten drei Büros die Planfeststellung vorbereiten. Offene technische Fragen verzögern die Ausschreibung - bis August. Das Verfahren werde drei Monate später eingeleitet und abgeschlossen, sagte Gert von Hassel, Sprecher der Vorbereitungsgesellschaft, unserer Zeitung. Als Baubeginn werde nun Ende 2005 angepeilt.<BR><BR>"Eine schnelle S-Bahn interessiert niemanden in Tokio oder L.A."<BR>Flughafen-Chef Michael Kerkloh<BR><BR>An der Trasse wollen die Planer nicht rütteln lassen. "Auf den Zentimeter genau" werde man daran festhalten, kontert Hassel die Wünsche des Münchner OB Christian Ude, den Transrapid unterirdisch zu führen. Mit einem Antrag auf Sofortvollzug will Hassel Klagen begegnen, sobald Baurecht besteht.<BR><BR>Entlang der Trasse gibt es erhebliche Widerstände von Anwohnern und Lokalpolitik. Am Ende der Strecke sitzt Flughafen-Chef Michael Kerkloh. Er braucht den Schweber dringend. Mit dem Terminal 2 hat der Flughafen große Kapazität. Von den für 2009 erwarteten 36 Millionen Fluggästen kommen 22 Millionen auf dem Landweg an. "Auf der Luftseite spielt der Flughafen in der Champions-League, auf der Landseite nur in der Regionalliga", sagte Kerkloh unserer Zeitung.<BR><BR>Es ist seine letzte Hoffnung für eine schnelle Schienenanbindung. "Wenn wir realistisch sind: Einen konventionellen Fernbahnhof werden wir hier nie bekommen." Einen Umsteige-Effekt Straße-Schiene werde man mit der S-Bahn aber nicht erreichen.<BR>Das Einzugsgebiet wächst, wenn Nürnberger, Augsburger, Ulmer oder Stuttgarter mit schneller nach München und weiter ins Erdinger Moos rollen könnten. "Das kriegen Sie nicht mit einer Express-S-Bahn hin", glaubt Kerkloh. Auch der "millionenschwere Werbeeffekt" des Transrapid sei wichtig: "Eine schnelle S-Bahn interessiert keinen Menschen in Tokio oder L.A."<BR><BR>Bleibt die Finanzierung. Auch hier sträubt sich die Stadt als Gesellschafter: Die Staatsregierung würde vom Flughafen gerne 125 Millionen Euro Zuschuss einplanen. Kerkloh deutet nun Rechenmodelle für einen Zuschuss an, die einen Teil der Transrapid-Betriebsgewinne einschließen. Auch eine Beteiligung in der Betriebsgesellschaft sei - vorbehaltlich der Zustimmung der Gesellschafter - nicht ausgeschlossen: "Was dem Flughafen nützt, interessiert uns."<BR><BR>Am Nutzen jedoch zweifelt die Stadt ebenso wie die Landtags-Grünen, Fahrgastverbände, Naturschützer und mehrere SPD-Abgeordnete. Transrapid-Sprecher Hassel wirft Ude vor, die Lösung der Verkehrsprobleme zu verhindern: "Ude soll nicht die beleidigte Leberwurst spielen."<BR><BR>Für die Transrapid-Firmen Siemens und Thyssen-Krupp ist München letzte Praxis-Chance. Laut FAZ will China trotz massiver Fürsprache der deutschen Politik diese Technik nicht für Peking-Schanghai einsetzen. Ein Siemens-Manager verknüpft das mit der Absage in NRW: "Die Chinesen haben Angst, mit der Technologie allein gelassen zu werden." Laut Thyssen ist München die "letzte Chance" für den Transrapid in Deutschland. Abwarten könne man sich nicht leisten.</P>

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