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Wolfgang Herter (57) ist Elektroingenieur und prüft seit vielen Jahren technisches Gerät. Hersteller werfen ihm vor, überwiegend billige Fabrikate zu testet. Das entspreche der Praxis, kontert Herter. Die meisten Konsumenten würden solche Leuchten kaufen

Schlechte Testergebnisse für viele Energiesparlampen – Kritik der Hersteller

Leuchten im Zwielicht

Wilhelmshaven – In knapp zwei Wochen, am 1. September, beginnt der von der EU verordnete Abschied von der Glühbirne. Energiesparlampen sollen sie ersetzen, doch diese sind ins Zwielicht geraten.

Den Mann, dessen Tests ein schlechtes Licht auf die Energiesparlampe warfen, kann nichts so schnell aus der Fassung bringen. Nüchtern geht der Elektroingenieur Wolfgang Herter bei seiner Arbeit vor. Genauso nüchtern machte er sich an den Test, der später Klimaschützer, Politiker und Lampenhersteller erzürnen sollte. Für die Zeitschrift „Ökotest“ nahm er in seinem Prüflabor PZT in Wilhelmshaven im vergangenen Jahr 16 verschiedene Energiesparlampen unter die Lupe, prüfte Helligkeit, Lichtqualität und Haltbarkeit. Das Ergebnis war vernichtend: Kein Modell kam an die Leistung einer normalen Glühbirne heran.

Jetzt macht Herter weiter. Wieder hängen Energiesparlampen in mehreren Stromschienen an der Decke seines Labors. Seit zwei Wochen testet der 57-Jährige die Leuchten für eine andere Ratgeberzeitschrift. Das Licht in dem Raum flackert gespenstisch. Zeitschaltuhren knipsen die Testkandidaten unablässig an und aus. Von den seit vergangenem April geprüften „Ökotest“-Modellen haben mittlerweile alle bis auf drei den Geist aufgegeben. „Diesmal sieht es noch schlimmer aus“, sagt Herter. „Vier sind bereits ausgefallen. Sie haben gerade mal 3000 Schaltzyklen überlebt – das wäre zum Beispiel im Badezimmer nicht einmal ein Jahr.“

Herters erster Test hatte ergeben, dass die angeblichen Klimaretter viel weniger Energie einsparen als angenommen, Elektrosmog abgeben, nicht hell genug sind und früher kaputt gehen, als die Hersteller behaupten. Damit stellte Herter die Heilsbringer der EU -Politiker im Kampf gegen den Klimawandel bloß. Energiesparlampen sollen künftig überall in der Europäischen Union die stromfressende Glühbirne ersetzen. Am 1. September verschwindet die 100-Watt-Birne vom Markt, Anfang 2010 die mit mehr als 40 Watt und zwei Jahre später auch schwächere Lampen. 130 Jahre nach der Erfindung von Thomas Alva Edison ist die Glühbirne ein Auslaufmodell.

Das Ergebnis des ersten Tests kam für den Techniker Herter nicht überraschend. „Ich hab’s selbst erlebt zu Hause.“ Was ihn allerdings erstaunte, war das Medienecho, das darauf folgte. „Es sind Tatsachen. Aber wir haben erst nicht geahnt, dass das so ein Zündstoff ist.“ Zahlreiche wütende E-Mails, Briefe von verunsicherten Umweltfreunden und Anrufe von Politikern erreichten den 57-Jährigen in seinem Labor, wo er hinter einer unscheinbaren Backsteinfassade mit seinen Kollegen seit vielen Jahren Telefone, Gehörschutz, Epilierer, Rasenmäher und andere technische Geräte überprüft.

Die Energiesparlampen-Hersteller kritisierten vor allem, dass Herter die Helligkeit in Lux und nicht in Lumen gemessen hatte. Doch Lumen beschreibe lediglich die Leuchtstärke der Lampe, Lux dagegen, wie viel Licht auf eine Fläche fällt, argumentiert der Tester. „Interessiert Sie, wie hell die Lampe ist oder wie hell es auf dem Tisch ist?“ Außerdem monierten die Kritiker, dass unter den verwendeten Modellen hauptsächlich günstige Fabrikate gewesen seien. Doch nach Ansicht von Herter ist gerade das praxisnah. Kaum einer kaufe Energiesparlampen im Elektro-Fachhandel, sondern im Baumarkt oder in einer Drogerie.

Im Februar versuchten einige Abgeordnete im EU -Parlament, den Glühbirnen-Bann zu kippen – erfolglos. Die Energiesparlampe wird also kommen. „Das ist durch“, sagt Herter. „Ich finde es aber unmöglich, dass die Politiker die Bürger bevormunden.“ Privat setzt er auf Halogenlampen. Zurzeit brennt allerdings versuchsweise eine Energiesparleuchte in seiner Küche, weil sie besser in die Fassung der Lampe passte.

von Irena Güttel

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