Der Spritpreis in Deutschland steigt und steigt. Gestern kostete der Liter Super an dieser Tankstelle 1,519 Euro – im Bundesdurchschnitt waren es 1,501 Euro. Das sind 2,8 Cent mehr als vor einer Woche. foto: Dpa

Libyen-Krise erreicht Tankstellen

München - Das Chaos in Libyen versetzt den Ölmarkt in Alarmstimmung: Sollten die Unruhen im arabischen Raum zu einem Flächenbrand werden, könnte nach Ansicht von Experten ein Ölpreis-Schock drohen. Deutsche Autofahrer müssen schon jetzt tiefer in die Tasche greifen.

Die Öl- und Benzinpreise kennen wegen der politischen Unruhen in Libyen und anderen arabischen Ländern zurzeit nur eine Richtung: nach oben. Allen voran bereiten die bürgerkriegsähnlichen Zustände im ölreichen Wüstenstaat des umstrittenen Machthabers Muammar al-Gaddafi Händlern und Experten Kopfzerbrechen. Wie sich die Ölpreise entwickeln, dürfte vor allem von der weiteren Entwicklung in Libyen und anderen Ölschwergewichten abhängen. An den Zapfsäulen in Deutschland bekommen die Kunden die Folgen schon zu spüren.

Derzeit kostet der Liter Superbenzin im Durchschnitt 1,501 Euro, wie der ADAC am Mittwoch in München mitteilte. Im Vergleich zur Vorwoche bedeute dies ein Plus von 2,8 Cent. Der Dieselpreis kletterte um 0,5 Cent auf 1,379 Euro. Im Januar war der Liter Superbenzin nach Angaben eines ADAC-Sprechers bereits auf über 1,51 Euro gestiegen. Dies war damals der höchste Stand seit Sommer 2008, als der Spritpreis mit 1,58 Euro ein Allzeithoch erreicht hatte.

Dieser Preisanstieg kommt nach Ansicht des Verkehrsclubs Deutschland vor allem den Ölkonzernen zugute. „Bisher ist eigentlich nichts passiert, was die Ölförderung angeht. Die Lager sind sehr gut gefüllt“, sagte Gerd Lottsiepen. „Die Konzerne nutzen jede Gelegenheit, um mehr Geld zu verdienen“, schimpfte er.

Internationale Öl- und Gaskonzerne hatten wegen der Unruhen ihre Förderung in Libyen zumindest zeitweise eingestellt und Mitarbeiter aus dem Krisenland abgezogen, darunter auch die Öl- und Gastochter des Chemiekonzerns BASF Wintershall. Seit den ersten Unruhen in der arabischen Welt in Tunesien und Ägypten hat sich Öl in Europa um mehr als zehn Prozent verteuert. Verschärft wurde die Lage zuletzt durch die blutigen Proteste in Libyen. Derzeit kostet ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent rund 110 Dollar. Mitte Januar lag der Preis noch bei 95 Dollar, Mitte 2010 gar bei 75 Dollar. US-Rohöl der Marke WTI war zuletzt weniger vom Preisanstieg betroffen, hat aber ebenfalls stark auf knapp 98 Dollar zugelegt. Damit kostet Rohöl derzeit so viel wie zuletzt vor zweieinhalb Jahren.

Die Verbraucher bekommen diesen Preisanstieg in erster Linie an der Zapfsäule zu spüren. Ein Nebeneffekt: Höhere Öl- und Benzinpreise treiben auch die gesamtwirtschaftliche Teuerung in die Höhe. Aus diesem Grund mehren sich inzwischen die Stimmen aus den Reihen der Europäischen Zentralbank (EZB), die vor einer anhaltend hohen Teuerung warnen.

Hohe Ölpreise beeinflussen aber nicht nur die allgemeine Teuerung und belasten so die Geldbörse der Verbraucher. In hoch entwickelten Volkswirtschaften wie Deutschland stellen hohe Öl-und Rohstoffpreise auch eine Belastung für die Unternehmen dar und können damit das Wirtschaftswachstum dämpfen.

Die Postbank etwa beziffert den dämpfenden Effekt der hohen Rohstoffpreise auf 0,2 Prozentpunkte des Wachstums. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr war Deutschland um 3,6 Prozent gewachsen. Zudem sieht die Bank gar die Chance, dass Deutschland von hohen Preisen profitieren kann. So könnten höhere Gewinne in ölreichen Ländern dazu führen, dass diese ihre Nachfrage nach hochwertigen Investitionsgütern „Made in Germany“ ausweiten.

Bernhard Funck

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