Eine Frau schiebt in Stuttgart in einer Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl einen Einkaufswagen durch die Regalreihen.
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Der Handelsverband begrüßt Maßnahmen der Bundesnotbremse wie Click & Collect, kritisiert aber die neuen Abstandsregelungen für den Handel.

Mehr Zeit einplanen

Lidl, Kaufland, Aldi und Edeka: Warteschlagen wegen Notbremse

Seit Samstag greift die Notbremse. Wenn der Inzidenzwert im Landkreis über 100 liegt, dürfen dann nur noch halb so viel Kunden in die Läden. Der Handelsverband HDE warnt vor den Folgen.

Berlin - Die Bundesnotbremse dürfte für Verbraucher in Deutschland weitreichende Folgen haben. Ab Samstag (23. April) drohen bei Aldi, Lidl, Kaufland oder Edeka lange Schlangen vor den Geschäften, warnt der Handelsverband HDE. Auch in anderen Ländern wie Frankreich oder Portugal hatten eingeschränkte Öffnungszeiten oder Zugangsbeschränkungen bereits zu teils langen Wartezeiten geführt.

Denn die Nachfrage nach Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs bleibt konstant. Auch die Schwarz-Gruppe um Lidl und Kaufland rechnet mit Wartezeiten. „Die neue Vorgabe zur Kundenbegrenzung birgt aus unserer Sicht die Gefahr zur Bildung von Warteschlangen vor den Filialen [...], statt Kundenströme zu entzerren“, sagte eine Sprecherin gegenüber der Lebensmittelzeitung. Dennoch werde man die neue Abstandsregel in den Filialen umsetzen, so die Sprecherin weiter.

Lidl, Aldi, Kaufland: Das sehen die neuen Maßnahmen der Bundesnotbremse vor

Die Maßnahmen der Bundesnotbremse beziehen sich auf Regionen in Deutschland mit einem Inzidenzwert von über 100. Pro Person müssen im Handel ab sofort 20 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Das gilt für Verkaufsflächen unter 800 Quadratmetern. Bei größeren Geschäften sieht der Gesetzgeber die Abstandsfläche von 40 Quadratmeter pro Kunde vor. Das entspricht einer Verdopplung der Abstände, denn bislang waren je nach Bundesland 10 oder 20 Quadratmeter pro Kunde ausreichend.

Die durchschnittliche Verkaufsfläche einer Lidl-Filiale betrug nach Angaben des EHI im Jahr 2018 898 Quadratmeter. In einer Lidl-Filiale wären demnach im Schnitt künftig 42 Personen erlaubt. Mit der bisherigen Regelung konnten je nach Bundesland etwa doppelt so viele Kunden gleichzeitig einkaufen. Der Handelsverband HDE hält die Verdopplung der Abstände für kontraproduktiv: „Die damit verbundenen Menschenansammlungen werden unnötige Infektionsmöglichkeiten schaffen.“

Bundesnotbremse erlaubt weiterhin Click & Collect: Handelsverband begrüßt Entscheidung

Während der Handelsverband die neuen Abstandsregeln kritisch sieht, beurteilt er andere Maßnahmen der Bundesnotbremse positiv. Etwa, dass der Einkauf bis zu einer Inzidenz von 150 mit negativem Test möglich bleibt. Positiv sei auch, dass das System Click & Collect weiterhin besteht – unabhängig von der jeweiligen Inzidenz. Bei Click & Collect bestellen die Kunden online, holen die Ware dann aber selbst im Ladengeschäft ab.

Es ist gut, dass unsere Argumente für ein späteres Ansetzen der Ausgangssperre sowie für die Ermöglichung des Einkaufens mit negativem Test sowie Click & Collect berücksichtigt wurden.

HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth

Insgesamt bleibt der Handelsverband aber kritisch, denn die Maßnahmen träfen nur einzelne Branchen der Wirtschaft und nähmen keine Rücksicht auf das tatsächliche Infektionsrisiko. Der Geschäftsführer beruft sich dabei auf Erkenntnisse der TU Berlin sowie des Robert-Koch-Instituts, die das Infektionsrisiko beim Einkaufen nach derzeitigem Kenntnisstand als gering einstufen. „Deshalb wird der HDE mit seinen Unternehmen die Erhebung einer Verfassungsbeschwerde verfolgen“, so Genth weiter.

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