„Geben wir weiter“

Lidl: Hackfleisch und Schnitzel werden 20 Prozent teurer, aber der Discounter steckt sich das Geld nicht selbst ein

Lidl: Der Discounter will die Preise für Schweinefleisch anheben.

Die deutschen Bauern fordern seit Jahren höhere Preise für ihre Produkte. Doch im knallharten Wettbewerb zwischen den Discountern blitzen die Landwirte ab. Jetzt kommt Lidl den Produzenten entgegen.

München - Der Discounter Lidl reagiert auf die Forderung von Landwirten nach einer besseren Bezahlung: Ab sofort hebt Lidl die Preise für zehn Schweinefleischprodukte um einen Euro je Kilo an, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Das entspräche einem Anstieg von 20 Prozent. Die Mehreinnahmen sollen demnach direkt an die Bauern gehen, die das Fleisch liefern.

„Preis bewusst erhöht für unsere Bauern“, steht laut Lidl bei Artikeln wie Schweinehackfleich oder Schinkenschnitzeln am Preisschild. „Die Preiserhöhung dieses Artikels geben wir zu 100 Prozent weiter.“ Die Kunden hätten so die Möglichkeit, sich bewusst dafür zu entscheiden, einen Beitrag für die Unterstützung der heimischen Landwirtschaft zu leisten, erklärte der Discounter.

Der Konzern habe mit seinen Lieferanten vereinbart, dass der Aufschlag zu hundert Prozent an die Landwirte weitergegeben werde. So solle das Geld „schnell und unbürokratisch auf den Höfen“ ankommen.

Lidl: Soforthilfe für krisengebeutelte Schweinebauern

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Es handle sich um eine „Soforthilfemaßnahme“ für die aktuell stark unter Druck stehenden Schweinebauern in Deutschland. Der Preis für Schweinefleisch ist vor allem wegen des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest unter Wildschweinen eingebrochen - viele Länder nehmen kein Schweinefleisch aus Deutschland mehr ab, es herrscht ein Überangebot.

Landwirte in ganz Deutschland hatten in den vergangenen Tagen mit Traktor-Blockaden von Discounter-Zentrallagern höhere Preise für ihre Erzeugnisse gefordert. Der Deutsche Bauernverband forderte am Mittwoch, die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Handel bedürfe „neuer Rahmenbedingungen und einer grundlegenden Veränderung“. Das Forderungspapier richtete sich an Aldi, Lidl, Edeka und Rewe.

Der Bauernverband beklagte darin zum wiederholten Male die konzentrierte Nachfragemacht des Lebensmitteleinzelhandels. Sie verhindere angemessene Vertragsbedingungen und Margen in der Lieferkette.

Lidl hatte vergangene Woche bereits angekündigt, im kommenden Jahr 50 Millionen Euro zusätzlich an die Initiative Tierwohl zu zahlen - sie unterstützt Bauern finanziell, die ihre Tiere zu Bedingungen halten, die über die gesetzlichen Standards hinausgehen. Bauernvertreter hatten diese Zahlung als Trostpflaster kritisiert.

Lidl signalisiert weiteres Entgegenkommen

Lidl bekräftigte am Donnerstag die Bereitschaft zu weitergehenden Maßnahmen: „In einem nächsten Schritt ist es notwendig, dass Produktion, Verarbeitung, Handel und Politik gemeinsam nachhaltige Lösungen erarbeiten, um die Probleme in der Landwirtschaft unter Einbeziehung aller Marktteilnehmer anzugehen.“ Dafür setze der Discounter sich parallel intensiv ein. Er sei „im Austausch mit allen Akteuren“. (AFP)

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