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Ever-Given-Folge: Lidl kann begehrte Aktionsware nicht liefern - und das ist erst der Anfang

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Von: Jonas Raab

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Der Suez-Kanal ist wieder frei, doch jetzt schwappen die Folgen nach Deutschland. Leere Regale bei Lidl sorgten am Montag für großen Frust. Experten erwarten, dass das jetzt häufiger der Fall sein wird.

München - Wassersportfans und Schnäppchenjäger rannten Lidl am Montagmorgen in ganz Deutschland die Filialen ein, schließlich hatte der Discounter in seinem aktuellen Prospekt ein aufblasbares Stand-up-Paddling-Board (SUP-Board) zum Aktionspreis beworben. Doch statt der begehrten Wassersport-Bretter fanden Fans vielerorts nur leere Regale vor.

Der Aufschrei ließ nicht lange auf sich warten. In sozialen Medien ließen die enttäuschten Kunden ihrem Frust freien Lauf: „Soll das ein Witz sein?“ und „Was war das für eine Schlappe heute?“, fragten sich Facebook-User. Lidl verwies halbherzig auf Lieferprobleme aufgrund des Desasters rund um den Container-Riesen Ever Given, der kürzlich den Suez-Kanal lahmlegte und aktuell ein zweites Mal festsitzt. In vereinzelten Filialen wiesen Aufsteller und Aushänge darauf hin.

Lidls SUP-Paddelboards hängen im Suez-Kanal fest – Kunden lassen bei Facebook Dampf ab

Das Verständnis der enttäuschten Wassersportler hielt sich dennoch in Grenzen. „Sollte es wirklich an der Störung auf dem Suezkanal liegen, dann sollte genug Zeit gewesen sein, um zumindest online oder mit Aushängen in den Filialen darauf hinzuweisen, dass die Boards am 26.4. nicht verfügbar sein werden“, schrieb ein verärgerter Lidl-Kunde. 

Tatsächlich zeichnete sich schon Ende März ab, dass die Regale bei Lidl und Co. bald leer bleiben werden. Da teilte Oliver Guttmann, Chef des Handelsunternehmens Intertrading, das neben Lidl auch den Discounter Aldi mit Aktionsware aus Fernost beliefert, im Handelsblatt mit: „Schon jetzt wissen wir, dass unsere Artikel keinesfalls pünktlich in den Bestimmungshäfen sein werden.“ Mit Lücken in den Einzelhandelsregalen rechnete Guttmann damals ab Mitte April. Branchen-Experten erwarten, dass die Nachwehen der Suezkanal-Blockade die Planungen im Handel noch Wochen durcheinanderwirbeln könnte.

Lieferengpässe bei Lidl und Aldi nach Suez-Kanal-Blockade: Kommt jetzt der „Ketchup-Effekt“?

Die Folgen des Ever-Given-Desasters bekamen zuerst die Auto-, Chemie- und Pharmabranche zu spüren. Sie sind stark von Lieferungen aus Asien abhängig. Noch während der Container-Riese im Suez-Kanal feststeckte, warnte der Hamburger Spediteur Willem van der Schalk vor einem „Ketchup-Effekt“: „Erst geht nach dem Öffnen gar nichts, dann aber kommt alles auf einmal“, sagte der Vorsitzende des Komitees Deutscher Hafenspediteure dem Handelsblatt. Das heißt auch: Irgendwann landen die georderten SUP-Boards geballt bei Lidl – und sorgen dann allenfalls auf hiesigen Badeseen für Stau und „Ketchup-Effekt“.

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