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Der Mutterkonzern der Discounterkette Lidl will künftig auch in der Abfallwirtschaft eine Rolle spielen. Foto: Marcel Kusch

Schwarz-Gruppe

Lidl-Mutterkonzern setzt Expansion auf dem Müllmarkt fort

Lidl ist omnipräsent in deutschen Städten: Der Discounter ist überall, scheint es. Hinter der Kette steht die Schwarz-Gruppe, und die will künftig auch in der Abfallwirtschaft eine Rolle spielen.

Neckarsulm (dpa) - Bewegung auf dem Müllmarkt: Als erstes Handelsunternehmen hat der Mutterkonzern der Discounterkette Lidl, die Schwarz-Gruppe, ein eigenes duales System gegründet. Das bestätigte eine Firmensprecherin auf Anfrage.

Details nennen wollte sie nicht. Bisher gibt es neun solcher Systeme - sie organisieren die Abholung, Sortierung und Verwertung von Abfall, der in Industrie und Handel anfällt. Das bekannteste ist die Firma DSD, welche die Markenrechte am Recycling-Zeichen Grüner Punkt hält. Für die Organisation von Eigenmarken-Verpackungsmüll zahlt Lidl bisher nach Branchenschätzung zwischen 70 und 80 Millionen Euro im Jahr.

Damit setzt die Schwarz-Gruppe ihre Expansion auf dem Abfallmarkt fort. Im Sommer hatte sie den fünftgrößten privaten deutschen Entsorger übernommen, die Firma Tönsmeier aus Porta Westfalica (NRW). Mit der Gründung des dualen Systems unter dem Namen "PreZero Dual GmbH" deckt die Schwarz-Gruppe künftig die komplette Abfallkette ab, von der Organisation der Abholung in einem dualen System bis hin zur Sortierung und Verwertung. "Das ist ein ganz neuer, großer Marktteilnehmer, der die ganze Branche gehörig unter Druck setzen wird", heißt es aus Branchenkreisen.

PreZero Dual dürfte erst 2020 seine Arbeit voll aufnehmen, vorher sind noch Behördengänge und andere Absprachen für Zulassungen nötig. Bis Ende 2019 läuft Branchenkreisen zufolge noch der Lidl-Vertrag mit dem Kölner Unternehmen Interseroh, das bisher die Entsorgung für Lidl übernimmt. Danach wird die Tochterfirma des Berliner Alba-Konzerns wohl ihren besten Kunden verlieren. Eine Alba-Sprecherin wollte sich zu dem Thema nicht äußern.

Schätzungen zufolge stammt etwa ein Zehntel des Verpackungsmülls im deutschen Handel von Lidl. Der neue schwäbische Systembetreiber dürfte auch die Müllorganisation für die Supermarktkette Kaufland übernehmen, eine weitere Schwarz-Tochter. Vom Konkurrenten Aldi ist bisher kein ähnliches Vorhaben bekannt.

Hintergrund der Entscheidung ist eine Regeländerung, die ab 2019 gilt und aktuelle Probleme am Müllmarkt beseitigen soll: Eine objektive Instanz - eine "Zentrale Stelle" - soll umfassenden Einblick in Daten zur Müllmenge von Händlern, Industrie und dualen Systemen bekommen. Hierdurch wiederum soll verhindert werden, dass schwarze Schafe unter den Systembetreibern schummeln und Kosten auf Konkurrenten abwälzen können.

Kürzlich hatte Deutschlands größter Entsorgungskonzern Remondis die Firma Duales System Deutschland (DSD) übernommen und dies unter anderem mit den positiven Aussichten für die Branche begründet. Ein anderes duales System wiederum, ELS aus Bonn, war im Frühjahr pleite gegangen und musste abgewickelt werden. Duale Systeme sind nur in der Müllorganisation tätig - sie beauftragen Müllabfuhren, Sortieranlagen und Entsorger. Damit sind sie eine wichtige Schnittstelle für die ganze Abfallwirtschaft.

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