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Lidl plant revolutionäres Preissystem - Was dahinter steckt, was Kunden davon haben

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Von: Markus Hofstetter

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Lidl arbeitet weiter an der Modernisierung seiner Filialen. Jetzt nimmt der Konzern seine Preisauszeichnungen in Angriff - mit womöglich weitreichenden Folgen.

Bad Wimpfen/Heilbronn - Bei Lidl wird es bunter. Der Discounter testet derzeit in einer Filiale im Raum Heilbronn elektronische, farbige Preisschilder. Schon jetzt steht fest, so berichtet die Lebensmittel Zeitung, dass die Schilder noch in diesem Jahr in ganz Deutschland zum Einsatz kommen werden.

Lidl testet neue elektronische Preisschilder: für jede Produktgruppe eine Farbe

Für Kunden des Discounters haben die neuen Preisschilder, in der Fachsprache Electronic Shelf Labels (ESL) genannt, einen entscheidenden Vorteil: Je nach Produktgruppe leuchtet die Umrandung in einer anderen Farbe. Die Standardfarbe ist weiß. Die Schilder für Bioprodukte sind grün, für glutenfreie Artikel orange, für reduzierte Ware rot. In Zukunft soll es noch weitere Farben geben. 

Lidl lässt damit die alten elektronischen Preisschilder, die nur drei Farben anzeigen können, in der Versenkung verschwinden. So konnte das bisherige System eine grüne Umrandung, wie der Discounter sie für Bioware verwendet, nicht darstellen. Lidl-Deutschland-Chef Matthias Oppitz bezeichnete die alten Schilder deswegen als „Hemmschuh“. Mit den neuen Rahmen hat Lidl dieses Problem nun gelöst.

Lidl testet neue elektronische Preisschilder: Daten werden über Nacht aktualisiert

Die Umstellung auf elektronische Schilder erleichtert auch den Angestellten des Discounters die Arbeit. Denn alle darauf angezeigten Daten, zum Beispiel zum Preis, zur Menge oder Verpackungseinheit, werden über Nacht direkt aus der Zentrale in die Filialen übertragen. Damit müssen die Mitarbeiter nicht mehr selbst aktiv werden. Zudem werden Fehler vermieden, die sich einschleichen können, wenn die Preise per Hand aktualisiert werden - was mehrmals pro Wochen passiert.

Derzeit rüsten in Deutschland einige Händler ihre Regale auf die elektrischen Schilder um, darunter auch die Lidl-Schwester Kaufland. Bei Obst und Gemüse sind die Schilder beim Großdiscounter bereits im Einsatz.

Im Ausland ist Lidl schon weiter. In der Schweiz sind bereits seit Herbst 2020 die neuen elektronischen Preisschilder im Einsatz. Luxemburg soll eines der ersten Länder in Europa sein, das komplett auf ESL umstellt. Bei neun Filialen sollte das schnell gehen. Allein beim westlichen Nachbarn will Lidl pro Jahr 20 Bäume einsparen, die ansonsten für die Papieretikette gefällt worden wären, was rund zwei Bäume pro Filiale entspricht. In Deutschland mit seinen rund 3.200 Läden fällt der Umweltschutz entsprechend größer aus.

Lidl testet neue elektronische Preisschilder: Voraussetzung für dynamische Preisbildung

Mit den elektronischen Preisschildern legt der Konzern zugleich die technische Voraussetzung für die mögliche Einführung der sogenannten dynamischen Preisbildung. Dabei berechnen automatische Algorithmen den Preis eines Produktes unter Berücksichtigung von zahlreichen Faktoren wie Konkurrenz, Angebot und Nachfrage, Tageszeit und anderen externen Faktoren wie das Wetter. Bei Sonnenschein zieht im Sommer beispielsweise die Nachfrage nach Grillfleisch an. Damit könnten die Preise für Minutensteaks oder Grillwürste binnen Sekunden angehoben werden. Wenn kurz vor Ladenschluss noch Grillfleisch übrig ist, kann dieses noch als Sonderangebot verkauft werden.

Dazu hat sich Lidl aber bislang nicht geäußert. In Branchen wie der Hotellerie, bei Reiseveranstaltern oder Airlines sind solche Preismodelle hingegen bereits teils weit verbreitet.

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