Lidl überholt Aldi bei der Filialzahl in Europa

Frankfurt/Main - Niedrige Lebensmittelpreise kombiniert mit regelmäßigen Aktionsangeboten sind ein deutscher Exportschlager. Die Lebensmittel-Discounter Aldi und Lidl liefern sich nach Einschätzung von Marktforschern ein Wettrennen um gute Marktpositionen in Europa.

Lidl hat dabei nach übereinstimmender Ansicht von Planet Retail und ACNielsen den Erzrivalen Aldi gemessen an der Filialzahl überholt. Während Aldi in den vergangenen Jahren fast täglich in Europa ein neues Geschäft eröffnete, habe Lidl die Zahl seiner Filialen mit nahezu doppelter Geschwindigkeit ausgebaut, teilte ACNielsen am Dienstag mit. Weltweit hat laut Planet Retail aber Aldi die Nase vorn mit insgesamt 8260 Filialen in Europa, den USA und Australien. 2008 werde die Expansion von Aldi und Lidl in Europa weitergehen.

Unterdessen stellt sich Aldi nach Auffassung von ACNielsen in vielen Ländern preisaggressiver dar als Lidl. "Selbst in den Niederlanden, in denen Lidl keine Markenartikel anbietet, liegt das Preisniveau von Aldi unter dem von Lidl", erklärte ACNielsen. In Deutschland habe die Preisaggressivität bei Aldi insgesamt leicht zugenommen, bei Lidl dagegen abgenommen. Das Ergebnis sei, die Preise beider Discounter entwickelten sich auseinander. Diese Schlussfolgerung wird von Planet Retail jedoch nicht geteilt. Die Aldi-Preise seien erfahrungsgemäß eine Richtschnur für die Preisgestaltung bei den meisten Handelsunternehmen in Deutschland, hieß es.

Uneinig sind sich die Marktforscher auch, ob Lidl in diesem Jahr erstmals mehr Filialen in Europa vorweisen kann als Aldi, oder ob das nicht schon im vergangenen Jahr der Fall war. Nach den Berechnungen von ACNielsen standen Ende September 7271 Geschäfte von Lidl 6997 Geschäfte von Aldi gegenüber, wie die Marktforscher am Dienstag mitteilten. Planet Retail schätzt die Filialzahl in Europa zum Ende des laufenden Jahres nach eigenen und von ACNielsen abweichenden Berechnungen bei Lidl auf 7839 Filialen und bei Aldi auf 7210. Lidl selbst bezifferte am Dienstag die Zahl der Filialen in Europa auf mehr als 7000. Die rechtlich selbstständigen Schwesterunternehmen Aldi Nord und Aldi Süd veröffentlichen traditionell keine Zahlen.

In den Ländern, in denen Aldi und Lidl vertreten sind, hat Aldi nach Angaben von ACNielsen mit Ausnahme von Frankreich den deutlich höheren Marktanteil. So lande in Deutschland ein Viertel der Umsätze des Lebensmitteleinzelhandels in den Kassen von Aldi und Lidl. Davon entfielen 60 Prozent auf Aldi. Lidl führe eine Reihe von Markenartikeln im Sortiment, während Aldi bislang nur relativ wenige gelistet habe.

Planet Retail erklärte, dass Aldi und Lidl ihre Konzepte in den einzelnen Ländern an die jeweiligen Gegebenheiten anpassen würden. Beispielsweise sei ein Aldi-Markt in Großbritannien entsprechend der dortigen Konkurrenz hochwertiger ausgestattet als ein Aldi-Markt in Deutschland. Aldi werde im kommenden Jahr nach den bisherigen Informationen in Polen starten. Auch in Griechenland und Ungarn würden voraussichtlich die ersten Aldi-Märkte eröffnen. Bei Lidl erwartet Planet Retail den Start in der Schweiz. Die Preise der führenden deutschen Discounter seien von Land zu Land verschieden. Als Hauptgründe werden unterschiedlich hohen Kosten, Steuersätze und die jeweilige Konkurrenzsituation in den einzelnen Ländern gesehen.

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