Lidl-Fahrkarten ein voller Erfolg: Doch die Bahn legt nicht nach

- Berlin - Der Trubel zwischen Toastbrot und Topfreinigern war für die Bahn ein spektakulärer Werbecoup. Die Ticket-Aktion beim Discounter Lidl brachte ihr auf einen Schlag gut 25 Millionen Euro Umsatz. Doch für Bahnchef Hartmut Mehdorn ist der Kampf um mehr Kunden damit längst nicht gewonnen.

<P class=MsoNormal>Nach dem Massenansturm auf die Billigfahrkarten im Supermarkt werden bald tausende Schnäppchenjäger auf Probefahrt gehen. Um die Fernzüge aus den roten Zahlen zu bringen, müssen aber auf Dauer mehr Reisende einsteigen - auch zum normalen Fahrpreis.</P><P class=MsoNormal>An ihren eigenen Schaltern kann die Bahn von solchem Andrang nur träumen: Binnen Stunden gingen in den 2600 Lebensmittelfilialen mehr als eine Million Fahrscheine im Zweierpack zu 49,90 Euro weg - so viele Ferntickets verkauft die Bahn sonst nicht an drei Tagen. Kein Wunder, dass Mehdorn zufrieden ist. "Wir haben mal versucht, zu Kunden zu gehen, die normalerweise nicht Bahn fahren."</P><P class=MsoNormal>Für die Bahn habe der Ansturm gezeigt, dass günstige Preise und unkomplizierte Pauschaltarife auch im regulären Angebot interessant seien, sagt der Vorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann. Denn noch ist der Alltag längst nicht so einfach wie mit dem einmaligen Supermarkt-Ticket zum festen Billigpreis für beliebig lange Strecken. Zwar habe die Bahn schon regulär günstige Angebote, heißt es bei den Verbraucherzentralen. In den Buchungsregeln fänden sich viele Kunden aber nicht zurecht. "Die Nachfrage zeigt, dass das normale Preissystem nicht in Ordnung ist", kritisiert die Stiftung Warentest.</P><P class=MsoNormal>Doch das will der oberste Eisenbahner nicht gelten lassen. "Die Tarifstruktur ist sehr viel einfacher als bei Fluggesellschaften", sagt Mehdorn, der eine Wiederholung der Lidl-Aktion ausschloss.</P><P class=MsoNormal>Noch immer nicht verwunden hat die Bahn die Nachwirkungen der Preisreform mit Frühbucherfristen, die 2003 nach heftigen Protesten gestoppt werden musste. Seitdem lassen sich die Planer aber einiges einfallen, um Kunden zurückzugewinnen. Spezialangebote für 29 und 39 Euro wurden seit Jahresbeginn eine halbe Million Mal gebucht.</P><P class=MsoNormal>Dass sich über Sonderangebote Züge in schwächer gebuchten Zeiten füllen lassen, hat sich schon gezeigt. Die Auslastung der ICE und Intercity verbesserte sich im vergangenen Jahr von 39,7 Prozent auf 42 Prozent, der Abwärtstrend wurde gestoppt: Die Zahl der Fernreisenden ging laut Statistischem Bundesamt noch um 0,3 Prozent auf 117 Millionen zurück. Doch auch Mehdorn weiß: "Wir haben noch viel Platz."</P>

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