Lieber arbeitslos als Erntehelfer: Billig-Jobs bleiben unbesetzt

- Berlin - Lager aufräumen, Teller waschen oder Erdbeeren pflücken - für derartig unattraktive Jobs bewerben sich in Deutschland weiterhin weniger Menschen, als die Situation mit lahmender Konjunktur und hoher Arbeitslosigkeit es vermuten ließe. Auch gut ein halbes Jahr nach Inkrafttreten der Arbeitsmarktreform Hartz IV haben Einzelhändler, Bauern oder Zeitarbeitsunternehmen Probleme, solche Stellen zu besetzen. Zudem fehlt den Kandidaten oft die Qualifikation.

<P>"Langzeitarbeitslose sind nur eingeschränkt einsetzbar", heißt es beim Einzelhandelsverband HDE. Zwar gebe es etwas mehr Bewerber als noch vor einem Jahr, doch für Lager- und Kassenjobs, Aufräum- oder Putzarbeiten nähmen die Unternehmen lieber Studenten, Schüler oder Hausfrauen. Diese ließen sich oft schneller anlernen.<BR><BR>Schon lange vor der Erntesaison hatte auch Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner einheimische Erntehelfer als unzuverlässig kritisiert, weil sie sich allzu schnell krankmeldeten. "Deutsche Langzeitarbeitslose sind in der Landwirtschaft zwar schon willkommen, aber mit Polen haben wir bessere Erfahrungen gemacht", sagt eine Verbandssprecherin.<BR><BR>Im vergangenen Jahr seien in der Land- und Forstwirtschaft rund 324 000 ausländische Saisonkräfte tätig gewesen, die meisten kommen aus Polen. Durchschnittlich werden für derartige Arbeiten pro Stunde zwischen 5 und 5,50 Euro gezahlt.<BR><BR>"Wir haben nur einen geringen Zulauf an Hartz-IV-Bewerbern", berichtet Petra Timm von Randstad, dem Branchenprimus unter den Zeitarbeitsunternehmen. Von Bewerbermassen könne keineswegs gesprochen werden. Die Klientel sei auch sehr schwierig, weil oft die Qualifikation fehle. Viele Randstad-Kunden hätten Probleme, Stellen im kaufmännischen Bereich mit geeigneten Kräften zu besetzen.<BR><BR>Auch nach Angaben von Manpower, dem zweitgrößten Anbieter von Zeitarbeit, sind seit Hartz IV zwar etwas mehr Bewerber zu verzeichnen, doch diese seien meist nicht genügend qualifiziert. Viele wüssten noch nicht einmal, wie man bei einem Bewerbungsgespräch auftritt. "Wer in verschlissenen Jeans, mit ausgeleiertem T-Shirt und einer Lose-Blatt-Sammlung als Bewerbung ankommt, kann nicht viel erwarten", sagt eine Sprecherin. Zudem suchten die Unternehmen für Zeitarbeit schon längst nicht mehr nur einfache Aushilfen oder eine Urlaubsvertretung. Gut 25 000 Menschen konnte Manpower im vergangenen Jahr eine neue Anstellung bieten.<BR><BR>In der Hotel- und Gastwirtschaft wird hingegen ein deutlich größeres Interesse an Niedriglohnarbeiten registriert. "Der Druck durch die konjunkturelle Lage ist eindeutig zu spüren", sagt eine Sprecherin des Branchenverbands Dehoga. Jobs wie Küche schrubben, Gläser spülen oder Zimmer putzen seien mehr gefragt als vor dem Inkrafttreten der Arbeitsmarktreform Anfang Januar. Und auch bei McDonald's, dem mit 47 000 Mitarbeitern größten Gastronomieunternehmen in Deutschland, heißt es: "Viele müssen den Gürtel enger schnallen, das spürt man bei den Bewerberzahlen."</P>

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