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Die Commerzbank nimmt das Rettungpaket der Bundesregierung in Anspruch.

Commerzbank nimmt Staatshilfe an

"Lieber ein Ende mit Schrecken"

Frankfurt - Das Eis ist gebrochen. Drei Wochen lang haben private Großbanken das 500 Milliarden Euro schwere Hilfspaket des Bundes verschmäht. Zu groß war die Furcht davor, mit einer Art "Offenbarungseid" gebrandmarkt zu werden.

Nun hat die Commerzbank als zweitgrößte deutsche Bank nach dem Rettungsanker Staat gegriffen und damit möglicherweise den Weg für andere frei gemacht.

Die Commerzbank weist den Weg: Kurz nachdem die Frankfurter eine staatliche Finanzspritze und Garantien annahmen, beantragte auch die angeschlagene HSH Nordbank Staatsbürgschaften in Höhe von 30 Milliarden Euro. Das ewige Taktieren hat ein Ende. Börsen und Bundesregierung hoffen auf mehr Ruhe und neues Vertrauen. Für die Commerzbank-Aktionäre ist das zunächst eine bittere Pille, schließlich müssen sie für zwei Jahre auf eine Dividende verzichten, so will es das Regelwerk des Rettungsplans. Dennoch begrüßte die Börse den Schritt mit einem Kursschub. "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende", erklärte der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Marco Cabras.

Für Banken sind "die Hürden sehr niedrig", sagt Bankenprofessor Hans-Peter Burghof. "Zu solchen Konditionen könnte jede Bank Hilfe akzeptieren." Von der Horrorvorstellung einer Verstaatlichung blieb die Commerzbank weit entfernt. "Eine staatliche Einflussnahme auf unser operatives Geschäft wird es nicht geben", unterstrich Commerzbank-Chef Martin Blessing am Montag. Für die stille Einlage des Staates in Höhe von 8,2 Milliarden Euro wird der Bund nicht - wie in den ursprünglichen Plänen vorgesehen - Aktionär. Auf diese Weise verhindert die Commerzbank die Verwässerung der Stimmrechte ihrer Investoren. Zudem entsendet der Staat kein Mitglied in den Aufsichtsrat und das Institut darf die Steuergelder auch in den Kauf der Dresdner Bank stecken, deren Übernahme für 9,8 Milliarden Euro Ende August beschlossen wurde.

Doch ganz ohne Staat geht es nicht: Bei Managergehältern, Zulagen und Gewinnausschüttung darf der Bund ein gehöriges Wörtchen mitreden. "Keine Leistung ohne Gegenleistung", hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel als Motto ausgegeben. Das tut den erfolgsverwöhnten Bankern bei Deutschlands zweitgrößtem Geldhaus durchaus weh. Die Vorstände bekommen bis 2009 keine Bonuszahlungen, die den weitaus größten Teil ihrer Millionengehälter ausmachen.

Statt 3,5 Millionen Euro wie sein Vorgänger muss sich Vorstandschef Blessing, der seit Mai im Amt ist, mit 500 000 Euro Jahresgehalt begnügen. Der Manager nahm es locker: "Als wir den Beipackzettel mit Nebenwirkungen des Paketes besprochen haben, stand dieser Punkt ganz am Ende."

Die Schlange der bedürftigen Banken nach staatlicher Hilfe könnte jetzt durchaus noch wachsen. Nur ein Institut lehnt weiterhin jede staatliche Unterstützung ab: Der Branchenprimus Deutsche Bank. Ihr Chef Josef Ackermann hatte vor rund zwei Wochen mit dem kolportierten Zitat: "Ich würde mich schämen, wenn wir in der Krise Staatsgeld annehmen würden" für Aufregung gesorgt.

Der Deutsche-Bank-Chef bekräftigte am Sonntag: "Wir werden aus heutiger Sicht nicht mitmachen, weil wir ja stark sind." Zugleich machte er aber den Weg für andere frei und sagte, schwache Banken sollten "so schnell wie möglich" unter den Schirm.

Die Commerzbank hat nach Expertenmeinung schlau gehandelt und steht nun besser da als zuvor. Mit einer Kernkapitalquote von 7,3 Prozent galt sie bislang international als vergleichsweise schwach ausgestattet. Das ändert sich: Mit der staatlichen Hilfe überholt die Nummer zwei in Sachen Kapitaldecke sogar Ackermann und seine Deutsche Bank.

Der Druck der Politik und auch der internationalen Konkurrenz, die bereits Geld genommen hat, wurde zuletzt immer größer. "Es war ein Befreiungsschlag", sagt Bankenexperte Wolfgang Gerke über die Commerzbank und ihren Antrag beim Bund.

Die Commerzbank traut sich aus der Deckung. Als erste private Großbank beantragt sie Hilfe vom Staat.

Marion Trimborn und Friederike Marx

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