Liebesentzug für die Kanzlerin

- Berlin ­ - Dem höflichen Beifall zum Trotz, den CDU-Chefin Angela Merkel von den Arbeitgebern erhalten hat: Ihre Zuhörer von gestern denken schlechter denn je über Regierung und Kanzlerin. Eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach in der Entscheiderelite der Republik offenbart eine drastische Entfremdung zwischen Wirtschaft und Politik: Nur 33 Prozent der Manager halten Merkel für eine starke Kanzlerin ­ im März waren es noch 76 Prozent. Sogar 97 Prozent der Macher aus der Wirtschaft sagen, das konjunkturelle Hoch habe nichts oder nur wenig mit der Arbeit der Regierung zu tun.

"Ein Trend, den wir in dieser Deutlichkeit noch nie gesehen haben", kommentiert Klaus Schweinsberg, Chefredakteur des Magazins "Capital", das die Befragung seit 1987 regelmäßig in Auftrag gibt. Verblüffend ist, dass trotz des Aufschwungs die Zukunft düsterer gesehen wird als noch im Juli. Zwar beurteilen 83 Prozent die Auftragslage als gut ­ ein Wert, der sich von 56 Prozent im März 2004 kontinuierlich verbessert hat. Nur 67 Prozent glauben aber, dass es weiter aufwärtsgeht ­ sowohl im März als auch im Juli waren dies jeweils 83 Prozent.

Wem die Unzufriedenheit mit der Arbeit der Großen Koalition schadet, liegt auf der Hand. "Das ist in erster Linie ein Thema, das die CDU/CSU beschäftigen sollte", deutet Allensbach-Chefin Renate Köcher den Befund. Die Vorschusslorbeeren der Union scheinen aufgezehrt, das beginnt schon beim Personal.

95 Prozent der 637 Befragten, davon 437 Spitzenvertreter der Wirtschaft, bescheinigen Außenminister Frank Walter Steinmeier (SPD) gute Arbeit ­ eine ungewöhnlich hohe Akzeptanz. Mit 88 Prozent folgt Finanzminister Peer Steinbrück, ebenfalls ein SPD-Mann. Zwar legten mit Innenminister Wolfgang Schäuble (77 Prozent) und Familienministerin Ursula von der Leyen (67 Prozent) zwei CDU-Vertreter im Kabinett enorm an Beliebtheit zu. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) finden jedoch nur 19 Prozent gut. In der Wirtschaftspolitik tut sich eine bezeichnende Kluft auf: Die Hälfte der Politiker äußert sich zufrieden ­ aber nur 22 Prozent der Manager.

85 Prozent der Bosse sehen ein, dass Arbeitsplatzabbau bei hohen Gewinnen dem Ansehen der Wirtschaft stark oder sehr stark schadet. Nur 28 Prozent erklärten, dass Mitarbeiter am Aufschwung beteiligt sein sollten.

Auf die Frage, wer von den dreien am meisten von Wirtschaft verstehe, nannten 36 Prozent Gerhard Schröder, 25 Prozent Helmut Kohl und nur 21 Prozent Angela Merkel. Die befragten Frauen spenden der Kanzlerin Trost: Immerhin 53 Prozent halten sie für stark.

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