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Transporteure warnen: „Versorgung der Bevölkerung nicht mehr sicher“

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Von: Patricia Huber

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Ein voller LKW Parkplatz an der Autobahn.
Stehen bald die LKWs in Deutschland still? Davor warnen jetzt Transporteure. © Imago Images

Nach dem Spritpreis-Schock folgt jetzt ein weiteres Problem für Transportunternehmen - und das könnte sogar zu leeren Regalen in den Geschäften führen.

Berlin - Die Gaspreise haben mittlerweile Rekordhöhen erreicht - und das hat weitreichende Folgen. Jetzt schlagen Transportunternehmen Alarm und warnen vor einem „drohenden Versorgungskollaps“.

In einem Brief an den geschäftsführenden Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, legen der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) sowie der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO) die brenzlige Lage dar, wie das Handelsblatt berichtet. Die Preise für das Abgasreinigungsmittel AdBlue sind in Folge der Energiepreisexplosion auch enorm in die Höhe gegangen. Ein Liter kostet nun statt 19 ganze 69 Cent.

Warnung vor leeren Regalen: „Lieferketten akut gefährdet“

Der Brief weist darauf hin, dass viele Unternehmen bereits berichten, dass „Lieferanten die Lieferungen einstellen“. Würde es bundesweit kein AdBlue mehr geben, hätte das drastische Folgen für etwa 90 Prozent der LKW-Transporte. Die Fahrzeuge müssten stehenbleiben. „Die Lieferketten wären damit akut gefährdet, die Versorgung der Bevölkerung mit Waren und Dienstleistungen nicht mehr sicher“, warnen die Verbände.

LKWs und Busse mit Euro VI-Motoren sind auf diesen Hilfsstoff dringend angewiesen. Der Bundesverband Spedition und Logistik warnt hier: „Bei vielen Fahrzeugen erlaubt die Motorsteuerung bei leerem AdBlue-Tank gar keinen Neustart, der Lkw bleibt dann stehen.“

Aber wieso steigt plötzlich auch der Preis für den dringend benötigten Harnstoff? AdBlue wird aus Ammoniak gewonnen und die Ammoniakproduktion benötigt Gas als Energieträger. Zudem ist Gas einer der wichtigsten Rohstoffe für die Herstellung. Zu guter Letzt müssen die Hersteller dann auch noch CO2-Zertifikate erwerben.

Verkehrsminister Scheuer nimmt die Lage „sehr ernst“

Es sind also gleich drei Faktoren, die den AdBlue Preis in die Höhe treiben. Die gestiegenen Preise für Rohstoffe und die Zertifikate führten außerdem dazu, dass mehrere Hersteller ihre Produktion drosselten. Zudem drehen Hamsterkäufe weiter an der Preisspirale. Denn auch Verbraucher, die einen Wagen mit Euro IV-Motor fahren, benötigen AdBlue. Der ADAC hatte daher schon dazu geraten, den Harnstoff zu bevorraten.

Um das Problem in den Griff zu bekommen, fordern der BGL und BDO einen Runden Tisch mit Vertretern des Wirtschafts-, des Verkehrs- und des Umweltministeriums mit den Produzenten und Händlern sowie den Nutzern. Im gemeinsamen Gespräch soll geklärt werden, wie trotz der gestiegenen Preise die Versorgung weiterlaufen kann.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sagte, er würde die Warnung „sehr ernst“ nehmen. Außerdem betonte er, dass es das oberste Ziel sein müsse, „Lieferketten weiter am Laufen zu halten.“ (ph)

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