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Linde, Biontech, BASF, Audi: Exodus der deutschen Wirtschafts-Ikonen

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Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.
Linde ist seit gestern nicht mehr im Dax notiert. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis. © Matthias Balk/dpa/Klaus Haag

Schwergewichte der Industrie wie Linde oder Biontech kehren Deutschland den Rücken. Gegen eine drohende Deindustrialisierung braucht es von der Ampelregierung mehr als nur Durchhalteparolen. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis. 

Es werde keine Deindustrialisierung in Deutschland geben, und auch keine Abwanderung von Zukunftstechnologien: Mit diesen Worten wies Bundeskanzler Olaf Scholz seine Kritiker zuletzt im Bundestag zurecht. Das war, man ahnte es damals schon, mehr Zweckoptimismus als realistische Prognose. Seither kommt es knüppeldick: Audi vermeldete, E-Autos künftig in USA fertigen zu lassen, Biontech kündigte an, seine Forschung kurzerhand nach Großbritannien zu verlagern, BASF strich tausende Arbeitsplätze im Inland, und der wertvollste deutsche Konzern, Linde, kehrte dem Finanzplatz Deutschland den Rücken und ist seit gestern nicht mehr im Dax notiert. Weil die deutschen Börsenregeln das Gewicht des Giganten Linde im Dax künstlich deckelten, sah sich der Konzern in seinem Finanzierungs- und Wachstumsmöglichkeiten beschränkt und folgte dem Ruf des Geldes nach Amerika.

Ampelregierung reagiert noch nicht mal mit Worten, geschweige denn mit Taten

Der Exodus von Ikonen der deutschen Wirtschaft ist nur die Spitze des Eisbergs. Kleinere, weniger bekannte Unternehmen gehen leise – oder machen gleich ganz zu. Auch der Wirtschaftsstandort Deutschland erlebt gerade seine „Zeitenwende“. Und leider reagiert die Ampelregierung darauf – anders als bei der stockenden Wiederherstellung der Wehrfähigkeit – noch nicht mal mit Worten, geschweige denn mit Taten. Im Gegenteil: Politiker und Medien beschäftigen sich lieber mit dem Schabernack der Klimakleber, billiger Atomstrom wird abgedreht, die Gewinnung heimischen Frackinggases verteufelt und die Regierungsparteien SPD und Grüne rufen fröhlich nach noch höheren Steuern für Habecks Klimapläne. Man muss sich den von Professor Hans-Werner Sinn erhobenen Vorwurf einer von Berlin betriebenen „extremistischen Klimapolitik“ nicht zu eigen machen, um zu erkennen: Diesem dilettantischen Vorbild wird die Welt nicht folgen. Sein CO2 emittiert BASF dann eben in China statt in Deutschland.

Lange haben billiges russisches Gas und der boomende Absatzmarkt China Schwächen des Wirtschaftsstandorts Deutschland überdeckt. Doch jetzt schlagen rekordhohe Abgaben, teure Energie, überbordende Bürokratie und Regulatorik, Forschungsfeindlichkeit und Technologieskepsis, Fachkräftemangel und der – von den USA angezettelte – Subventionswettlauf zur Anwerbung grüner Industrien voll durch. Auf diesen Giftcocktail braucht es bessere Antworten als nur Durchhalteparolen aus dem Kanzleramt.

Georg Anastasiadis

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