Linde bei BOC-Integration "gut unterwegs"

Schanghai - Beim Gasekonzern Linde läuft die Eingliederung des britischen Konkurrenten BOC nach Plan. "Wir sind nach einem Jahr gut unterwegs", sagte Unternehmenschef Wolfgang Reitzle in Shanghai.

Die Integration von BOC laufe auf vollen Touren und werde wie bereits prognostiziert Ende nächsten Jahres vollständig abgeschlossen sein. Allerdings räumte Reitzle ein: "Eine solche umfassende Neuorganisation verläuft niemals völlig ohne Reibungsverluste, zumal nach einer grenzüberschreitenden Übernahme wie unserem Fall." Auch Linde sei da keine Ausnahme. Linde hatte im vergangenen Jahr den britischen Konkurrenten für rund 11,7 Milliarden Euro übernommen.

"Bei uns gab und gibt es Regelungsbedarf", sagte der Unternehmenschef. So werde das Vorstandsmitglied Trevor Burt Ende 2007 das Unternehmen wieder verlassen. Nach der BOC-Übernahme vor einem Jahr war Burt in den Linde-Vorstand gerückt. Auch eine Ebene darunter sei es in den vergangenen Monaten zu Personalwechseln gekommen, sagte Reitzle. "Bei diesen Veränderungen haben sicherlich vor allem private und familiäre Gründe eine Rolle gespielt." Es habe aber auch vielleicht bestimmte Erwartungen an die jeweilige Aufgabe gegeben, die sich nicht erfüllt hätten. Mit dem Ausscheiden von Burt verschlankt sich der Vorstand auf vier Mitglieder.

Von 2009 an erhofft sich Linde weiterhin dank der BOC-Übernahme jährlich Kostensynergien von 250 Millionen Euro. Unter anderem werden durch die Fusion laut Unternehmen 1.800 Arbeitsplätze wegfallen.

Linde will auch nach der milliardenschweren Übernahme des britischen Konkurrenten BOC nicht auf zukünftige Investitionen verzichten. "Wir werden nicht mehr die gleichen Fehler machen, wie bei der AGA-Übernahme", sagte Reitzle. Im Jahr 1999 hatte Linde den schwedischen Gasekonzern AGA übernommen und aufgrund des Schuldenabbaus seine Investitionen für einige Jahre heruntergeschraubt. Der Konzern war in diesem Zeitraum weniger stark als seine Mitbewerber gewachsen.

"Wir werden auch zukünftig unsere Verschuldung im Blick behalten", sagte der Linde-Chef. Gleichzeitig werde aber auch, wie bisher, gezielt investiert. Dabei werde Linde internationale Wachstumschancen konsequent nutzen. Zum Jahresende rechnet Reitzle weiterhin mit einer Nettoverschuldung von 7,2 bis 7,5 Milliarden Euro. Ende Juni hatte die Finanzschuld knapp sieben Milliarden Euro betragen.

Mit der BOC-Übernahme konnten die Münchener ihre Position im Gasegeschäft in Asien deutlich ausbauen. "Vor der BOC-Übernahme war Linde im Gasegeschäft in Asien ein fast unbeschriebenes Blatt, heute sind wir die Nummer Eins in einer absoluten Wachstumsregion", sagte Reitzle. Der Marktanteil des Unternehmens beträgt nach eigenen Angaben zwischen 18 und 20 Prozent. Der Jahresumsatz in der Region Asien-Pazifik liege bei rund 1,7 Milliarden Euro, sagte Vorstandsmitglied Aldo Belloni. Zum Umsatz steuerten alleine Australien und Neuseeland etwa 700 Millionen Euro bei. Linde erwartet für die Region einen jährlichen Zuwachs von 15 Prozent.

Mit der BOC-Übernahme musste Linde zwar sein Japan-Geschäft aus kartellrechtlichen Gründen verkaufen, konnte aber dafür in anderen asiatischen Ländern wie etwa Indien und Vietnam einsteigen oder wie etwa in China deutlich Marktanteile hinzugewinnen. In China sei Linde die Nummer Eins und setze etwa 200 Millionen Euro im Jahr um, sagte Belloni. Der chinesische Markt wachse noch schneller als das übrige Asien. Neben Linde zählen zu den Top-Playern in China die französische Air Liquide sowie die beiden amerikanischen Gaseunternehmen Praxair und Air Products (AP). Kunden sind überwiegend Öl-, Chemie- und Stahlkonzern. So zählt zu den größten Linde-Kunden der Pharma- und Chemiekonzern Bayer sowie die größte chinesische Ölgesellschaft Sinopec.

Linde hatte sich mit der milliardenschweren Übernahme des britischen Konkurrenten BOC und dem Verkauf der Gabelstapler-Sparte KION Group im vergangenen Jahr zum reinen Industriegase- und Anlagenbauer gewandelt. Mit dem Verkauf des BOC-Komponentengeschäfts war der Konzernumbau abgeschlossen. Linde Group ist in mehr als 70 Ländern tätig und erzielte mit 50.000 Mitarbeitern im ersten Halbjahr 2007 einen Umsatz von 5,888 Milliarden Euro und ein operatives Konzernergebnis (EBITDA) von 1,158 Milliarden Euro.

Die mittel- bis langfristigen Ziele für das Unternehmen bekräftigte Reitzle. Danach soll das operative Konzernergebnis im Jahr 2010 mehr als drei Milliarden Euro betragen. Das für die kommenden Jahre erwartete Wachstum im Gasemarkt von jährlich rund sieben Prozent will Linde mittelfristig übertreffen. Dazu würden auch die Synergieeffekte aus dem Zusammenschluss mit BOC beitragen. Für den Anlagenbau - dem Geschäftsfeld mit Erdgas-, Ethylen-, Wasserstoff- und Luftzerlegungsanlagen - wird ein Zuwachs zwischen sechs und acht Prozent erwartet. Der Konzern peilt dort eine deutliche Steigerung von Umsatz und Ergebnis an./

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Streit bei VW um Umsetzung von Reformprogramm beigelegt
In den vergangenen Wochen gab es mal wieder Zoff bei Volkswagen. Betriebsrat und Management haben sich nun über offene Fragen geeinigt.
Streit bei VW um Umsetzung von Reformprogramm beigelegt
BGH: Bausparkassen dürfen Altverträge kündigen
Karlsruhe - Zur umstrittenen Kündigung gut verzinster älterer Bausparverträge durch die Bausparkassen hat der Bundesgerichtshof (BGH) am Dienstag sein Urteil gesprochen.
BGH: Bausparkassen dürfen Altverträge kündigen
Einkäufe über das Internet boomen wie noch nie
Wohin geht der Handel in Deutschland? Ins Internet, wenn man dem Branchenverband der Versandhändler glauben darf. Er verkündet immer höhere Wachstumszahlen und glaubt, …
Einkäufe über das Internet boomen wie noch nie
Apple geht in Klage EU-Steuerentscheidung massiv an
Cupertino (dpa) - Apple greift die milliardenschwere Steuernachzahlung in Irland in seiner Klage beim EU-Gericht auf breiter Front an.
Apple geht in Klage EU-Steuerentscheidung massiv an

Kommentare