Wolfgang Reitzle (63), weist die Frage nach seiner Nachfolge als verfrüht zurück

Linde jagt dem nächsten Rekord hinterher

München – Die Linde-Aktie steht am Montag an der Spitze des Dax. Mehr als zwei Prozentpunkte ging es nach oben – ein dickes Plus, das die Worte von Linde-Chef Wolfgang Reitzle (63) untermauert.

„Wir haben uns in einem Umfeld, das alles andere als einfach ist, gut behauptet“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Linde ist auf Rekordkurs – trotz Krise. Reitzle legt glänzende Quartalszahlen vor. Er spricht über Wachstumsmärkte und die erfolgreiche Übernahme des US-Konzerns Lincare. Spekulationen um seine Nachfolge weist Reitzle als verfrüht zurück – 18 Monate bevor sein Vertrag an der Spitze des Münchner Dax-Konzerns endet.

„Mir macht meine Arbeit nach wie vor riesigen Spaß“, sagt der 63-Jährige, der seit 2003 die Geschäfte des Spezialisten für Industriegase und -Anlagen leitet. In den vergangenen neun Jahren habe sich der Unternehmenswert verneunfacht, zieht Reitzle zufrieden Bilanz.

Doch im Mai 2014 läuft sein Vertrag aus. Die Spekulationen um seine Nachfolge sind in vollem Gange. Ob er seinen Vertrag verlängern möchte oder lieber in den Aufsichtsrat wechselt? Reitzle zuckt mit den Schultern: „Who knows, what happens. Wer weiß, was der Aufsichtsrat beschließt.“ Einen Bericht über drei potenzielle Nachfolger, zwei Siemens- und einen Eon-Vorstand, weist er als Ente zurück. Mit den Worten: „Ich kann, will und darf mich dazu nicht äußern“, beendet Reitzle das Thema zumindest für dieses Jahr – und kehrt zurück zur Bilanz.

Umsatz und Konzernergebnis sind im dritten Quartal um stolze 13 Prozent gestiegen. Im Hauptgeschäft mit Gasen legten Umsatz und Gewinn deutlich zu, der Anlagenbau stagnierte dagegen. Entscheidend dazu beigetragen hat das Geschäft mit medizinischen Gasen. Mit der Übernahme des US-Sauerstoffgeräte-Herstellers Lincare im August ist Linde zum weltweit führenden Anbieter von medizinischen Gasen aufgestiegen. „Schon allein vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung ist der Gesundheitsmarkt ein globaler Megatrend“, sagt Reitzle. Der Markt biete mit einem Volumen von 12 Milliarden Euro große Potenziale. Lincare ist in den USA im Homecare-Bereich die Nummer eins. Das Unternehmen betreut rund 800 000 Patienten in den eigenen vier Wänden. Die Kosten der Übernahme lagen bei rund 3,6 Milliarden Euro. „Das müssen wir jetzt erst einmal finanziell verdauen“, so Reitzle. Größere Übernahmen stehen in nächster Zeit nicht an.

Linde ist in über 100 Ländern tätig und beliefert fast alle Branchen der Welt. Ungünstige wirtschaftliche Bedingungen in der Eurozone wurden in den letzten Monaten durch die gute Nachfrage in Asien und Osteuropa ausgeglichen. Der Umsatz wuchs im dritten Quartal auf 3,7 Milliarden Euro, der Gewinn auf 3313 Millionen Euro – auch dank des Sparkurses, den Linde seit vier Jahren verfolgt.

Von 2009 bis Ende 2012 werden voraussichtlich 800 Millionen Euro eingespart. Von 2013 bis 2016 sollen die Bruttokosten um weitere 750 bis 900 Millionen Euro reduziert werden. Welche Auswirkungen das Sparprogramm auf Arbeitsplätze hat, kann Reitzle noch nicht sagen.

Er bekräftigt aber den positiven Ausblick für das Unternehmen. „Wir gehen nach wie vor davon aus, den Konzernumsatz und das operative Konzernergebnis 2012 zu verbessern.“ Damit will Linde das Rekordergebnis vom letzten Jahr (3,2 Mrd. Euro operativer Gewinn, 13,8 Mrd. Euro Umsatz) übertreffen. Rekordverdächtig sind auch die Ziele für 2013: mindestens 4 Milliarden Euro operatives Konzernergebnis.

Manuela Dollinger

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