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Nur fünf von über 100 Chemiekonzernen schnitten gut ab. Linde steht ganz an der Spitze.

Chemie-Industrie

Linde ist Nachhaltigkeits-Vorreiter

München - Chemiekonzerne haben allgemein eine miserable Nachhaltigkeitsbilanz. Sie testen Produkte zu wenig auf Gefahren. Ratingsieger ist Linde.

Die Chemieindustrie ist eine Schlüsselbranche auf dem Weg zu nachhaltigem Wirtschaften. Zu diesem Urteil kommt das UN-Umweltprogramm UNEP in einer aktuellen Studie zum verantwortungsvollen Umgang mit Chemikalien. Analysten der Münchner Oekom Research, einer Agentur für Nachhaltigkeitsrating, haben nun über 100 Chemiekonzerne unter die Lupe genommen und nur fünf einen ökologischen Vorbildcharakter zugebilligt.

Ratingsieger ist der Münchner Industriegasehersteller Linde. Mit BASF und Symrise gehören noch zwei weitere Branchenvertreter aus Deutschland zu den grünen Vorreitern. Linde sticht durch Umwelttechnologien hervor wie die Herstellung von Wasserstoff aus Biomasse und eine konzernweite Klimastrategie, urteilt der für das Rating verantwortliche Analyst Oliver Rüter. BASF habe ein Instrument entwickelt, mit dem Produkte und Prozesse mit Blick auf ihre Ökoeffizienz miteinander verglichen werden können und sei auch bei der Risikoanalyse neuer Produktfelder wie der Nanotechnologie vorbildhaft. Makellos ist aber auch die Nachhaltigkeitsbilanz von BASF nicht. So bemängelt Oekom dort umstrittene Produkte wie transgenes Saatgut oder gefährliche Pestizide.

Die Vorreiterrolle in puncto Nachhaltigkeit ist also relativ. Sie signalisiert, dass Mindeststandards erreicht sind, aber kein Idyll, stellt Rüter klar. Auf einer von A+ bis D- reichenden Ratingskala schaffe Linde ein B, BASF und Symrise ein B-, während der Branchenschnitt bei D liegt. Nicht die Minimalanforderungen erfüllt haben unter anderem die Dax-Konzerne Bayer, K+S und Lanxess.

Insgesamt liege in der Branche vieles im Argen, urteilt Oekom. So betrage der Marktanteil chemischer Grundstoffe, die auf Basis nachwachsender Rohstoffe produziert werden, weltweit lediglich acht Prozent. Den spürbar zu steigern, sei nicht nur im ökologischen, sondern auch im ureigenen ökonomischen Interesse von Chemiekonzernen. Denn sie fertigen viele ihrer Produkte heute auf Basis von Rohöl, das immer teurer wird und global zur Neige geht. Nur ein geringer Teil der am Markt verfügbaren Chemikalien sei zudem vorab umfassend auf die mit ihnen verbundenen Risiken analysiert worden, lautet ein weiterer Hauptkritikpunkt von Oekom.

Kritisch bewertet das auch die UNEP-Studie, vor allem weil in der Landwirtschaft global immer mehr Chemikalien eingesetzt würden und die Stoffe damit in den Nahrungskreislauf gelangen. „Wir sehen die Unternehmen in der Verantwortung, die Auswirkungen ihrer Produkte über den gesamten Lebenszyklus zu bewerten“, betont Rüter. Zudem seien Chemiekonzerne mit die Hauptverursacher von Treibhausgasen. Über ein Fünftel des Ausstoßes aller Industrien entfällt heute auf sie. Insgesamt werde die Branche ihrer Schlüsselrolle für nachhaltiges Wirtschaften aber erst in Ansätzen gerecht, lautet ihr Fazit.

Von Thomas Magenheim-Hörmann

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