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Wolfgang Reitzle verdiente im vergangenen Jahr als Vorstandvorsitzender bei Linde 6,9 Millionen Euro. 2014 verlässt er nach zwölf Jahren das Münchner Dax-Unternehmen.

Er verlässt Linde

Reitzle legt Messlatte für Nachfolger hoch

München - Für Linde war 2012 das dritte Rekordjahr in Folge. Unter Wolfgang Reitzle hat sich der Wert des Münchner Dax-Konzerns verneunfacht. Doch 2014 geht die Ära Reitzle zu Ende. Nach zwölf Jahren verlässt er den Gasespezialisten.

Wolfgang Reitzle (64) redet gerne über das Geschäft mit der Luft. Auch bei Fragen zu Energiewende und Eurokrise lässt sich der Linde-Chef nicht lange bitten. Nur wenn es um das Ende der Ära Reitzle bei dem Münchner Gasespezialisten geht, wird er einsilbig.

Nach Spekulationen um eine Vertragsverlängerung wurde am Wochenende bekannt, dass Reitzle 2014 nach zwölf Jahren an der Spitze den Dax-Konzern verlassen wird. Auch einen Wechsel in den Aufsichtsrat schloss er in einem Interview aus – obwohl er nach eigenen Angaben „mit Leichtigkeit“ die nötige Zustimmung der Aktionäre für einen Wechsel erhalten hätte. Gleichzeitig sagte Linde-Chefkontrolleur Manfred Schneider, in der Nachfolgedebatte präferiere er eine externe Lösung.

Und Reitzle selbst? „Ich habe dazu eine Meinung, aber die ist hier nicht Thema – das muss der Aufsichtsrat entscheiden“, erklärt er bei der Vorstellung der Jahresbilanz in München. Sein einziger Wunsch sei es, dass die Nachfolgeregelung „so geschmeidig und elegant wie möglich“ ablaufe.

Für seinen Nachfolger legt Reitzle bereits jetzt die Messlatte hoch. Für das Geschäftsjahr 2016 setzte er am Donnerstag ein mittelfristiges Ziel von fünf Milliarden Euro operatives Konzernergebnis fest. „Ambitioniert, aber zu schaffen“, findet Reitzle. Daran wird sich sein Nachfolger messen lassen müssen.

Reitzle, der 2003 das Ruder beim Gasespezialisten übernahm, hat gut vorgelegt. Als der Ingenieur von BMW zu Linde wechselte, war das Unternehmen knapp drei Milliarden Euro wert – heute liegt der Börsenwert bei gut 26 Milliarden Euro. 2012 war für den Gasespezialisten mit weltweit knapp 62 000 Mitarbeitern das dritte Rekordjahr in Folge – der Konzernumsatz stieg um gut zehn Prozent auf 15,3 Milliarden Euro, das operative Ergebnis verbesserte sich ebenfalls um zehn Prozent auf über 3,5 Milliarden Euro. Unterm Strich blieb ein Gewinn von knapp 1,3 Milliarden Euro – nach 1,2 Milliarden im Vorjahr. Im Gase-Geschäft sorgte 2012 vor allem die Übernahme des US-Sauerstoffgeräte-Herstellers Lincare für einen kräftigen Umsatzschub um knapp 14 Prozent auf 12,6 Milliarden Euro.

Von den glänzenden Geschäftszahlen profitieren auch die Aktionäre. Bei der Hauptversammlung am 29. Mai soll eine Dividende von 2,70 Euro je Stückaktie ausgeschüttet werden, kündigte Reitzle an. Im vergangenen Jahr waren es noch 2,50 Euro.

Das Wachstum soll weitergehen – auch nach der Ära Reitzle. „Wir investieren so viel wie nie zuvor – und zwar langfristig“, sagte er. „Alles andere würde der Linde-Kultur widersprechen.“ Wachstumschancen böten vor allem die aufstrebenden Volkswirtschaften etwa in Asien, der Bereich Energie und Umwelt sowie das Geschäft mit den medizinischen Gasen.

Doch noch sitzt Reitzle im Chefsessel. Und man merkt – er macht Tempo bis zum Schluss. „2013 warten so viele Chancen auf Linde wie nie zuvor“, sagt er. In den nächsten Tagen und Wochen erwarte er große Auftragseingänge. Im laufenden Jahr soll das operative Ergebnis bei mindestens vier Milliarden Euro liegen – noch im vergangenen Herbst visierte Reitzle die vier Milliarden erst für 2014 an. Damit Linde auch in Zukunft Rekorde aufstellt, wird auch weiterhin gespart. In den Jahren 2013 bis 2016 sollen die Bruttokosten um 750 bis 900 Millionen Euro sinken. Potenziale sieht der Linde-Chef hier unter anderem bei der IT und im Einkauf.

Die Zukunft von Linde scheint gesichert. Und Reitzles Zukunftspläne? Dazu schweigt sich der heute 64-Jährige, der mit der Fernsehmoderatorin Nina Ruge verheiratet ist, aus. Nur so viel: „Ich tue mich schwer mit dem Alter 65 und dem Wort Pension. Ich fühle mich nicht so.“

von Manuela Dollinger

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