Linde & Sapphire Energy

Algen sollen Bio-Kraftstoff der Zukunft liefern

München - Algen als Kraftstoffquelle der Zukunft? Ein US-Unternehmen hat ein Verfahren entwickelt, um aus den Pflanzen Rohöl zu gewinnen. Gemeinsam mit einem Münchner Gasespezialisten arbeitet es nun an der Produktion.

Mitten in der Wüste von New Mexico bedecken riesige Wassertanks den staubigen Boden. So weit das Auge reicht, glitzert die Wasseroberfläche grün in der Sonne – gut 121 Hektar, ungefähr 170 Fußballfelder. Das US-Unternehmen Sapphire Energy züchtet hier Algen, um aus ihnen Rohöl zu gewinnen. Die Technologie dazu stammt auch aus München.

Der Gasespezialist Linde arbeitet seit zwei Jahren gemeinsam mit Sapphire an der Rohöl-Produktion aus Algen. Sapphire mit Sitz in San Diego unterhält dazu ein Forschungszentrum und die Pilotanlage in New Mexico. In dem US-Bundesstaat, der an Mexiko grenzt, ist das Klima trocken und die Sonne scheint im Schnitt neun Stunden pro Tag. Das ist wichtig. Denn die Algen brauchen zum Wachsen neben dem Salzwasser, in dem sie schwimmen, viel Sonne und Kohlendioxid (CO2).

Mithilfe der Photosynthese wandeln die Algen-Zellen Sonnenlicht, Wasser und CO2 in energiereiche Stoffe um – unter anderem in biologisches Öl. Sapphire-Forscher haben den Stoffwechsel der Algen optimiert, so dass sie deutlich mehr Öl bilden können als in der Natur. Eine wichtige Rolle spielt dabei der CO2-Gehalt. Mit viel CO2 lässt sich das Algenwachstum beschleunigen. In kürzester Zeit entsteht jede Menge Bio-Masse – weitaus mehr als bei Landpflanzen. So lässt sich aus Algen auch mehr Treibstoff gewinnen als beispielsweise aus Mais.

Sind die Algen ausgewachsen, werden sie in New Mexico geerntet und gepresst. Von der Aussaat bis zur Ölgewinnung vergehen laut Sapphire lediglich 14 Tage. Und Algen wachsen das ganz Jahr über. Aus dem Algen-Öl kann Bio-Benzin, -Diesel und -Kerosin gewonnen werden. Oder es dient als Grundchemikalie für die Industrie.

Die CO2-Bilanz kann sich sehen lassen: Weil Algen bei der Photosynthese etwa so viel CO2 verbrauchen, wie später beim Verbrennen ihres Öls frei wird, ist das Algen-Öl praktisch laut Linde klimaneutral. Ein Linde-Sprecher erläutert weitere Vorteile. „Algen können auf Land angebaut werden, das sich nicht für die landwirtschaftliche Nutzung eignet. Außerdem kann CO2, das in der Industrie als Abgas anfällt, für die Algenkultivierung weiterverwendet werden.“

Linde war als Gasespezialist bisher in der Partnerschaft mit Sapphire vor allem für die Entwicklung eines kosteneffizienten CO2-Versorgungssystems verantwortlich. Wie hoch muss der Druck sein, mit dem das CO2 in die Wasserbecken gepumpt wird? Wie dick die Schläuche? Müssen Pipelines gebaut werden? Heute sind all diese Fragen beantwortet. Das CO2 blubbert durch Schläuche in den grünen Algensud.

Nachdem die Herstellung des grünen Öls reibungsfrei funktioniert, wollen Linde und Sapphire die Produktion gemeinsam kommerzialisieren. Die Unternehmen wollen die Technologie, mit der grundsätzlich auch kommunale organische Abfallströme und landwirtschaftliche Reststoffe energetisch genutzt werden können, lizenzieren und vermarkten. Die Vereinbarung zwischen den Unternehmen gilt für mindestens fünf Jahre und umfasst den Bau einer ersten kommerziellen Algenkraftstoff-Produktionsanlage unter Federführung von Linde.

„Wir waren bisher in erster Linie für das CO2-Management zuständig, in Zukunft geht es auch um die Weiterentwicklung des Ölverarbeitungsprozesses“, erläutert ein Linde-Sprecher. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage: Wie lässt sich die Öl-Ausbeute erhöhen und die Kosten verringern? „Große Energie-Projekte benötigen starke Partnerschaften – nur so können wir neue Technologien vorantreiben“, teilte Cynthia Warner, Vorstandsvorsitzende von Sapphire Energy kürzlich bei der Bekanntgabe der Allianz mit Linde mit. „Um dieses Verfahren auf einem für den Energiemarkt relevanten Niveau zur Anwendung zu bringen, sind entsprechende Engineering-Kapazitäten erforderlich.“ Die Münchner seien dabei der perfekte Partner.

Die Ziele sind ambitioniert. Heute erzeugen die Algen in der Produktionsanlage in New Mexico laut Sapphire pro Tag rund 100 Barrel Öl. Dafür brauchen sie Sonne und 56 Tonnen CO2. Bis 2018 will Sapphire kommerziell produzieren. Das bedeutet: bis zu 10 000 Barrel des grünen Öls pro Tag. Das entspricht rund 1,5 Millionen Liter – etwa der Jahres-Ölverbrauch eines Dorfes mit 700 Haushalten.

Manuela Dollinger

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

BGH: Paypal-Käuferschutz nicht endgültig
Der Käuferschutz ist ein hohes Gut. Doch auch der Verkäufer muss geschützt werden, betont der BGH. Trotz Paypal-Käuferschutzes müssen Klagen möglich sein. Auch so ist …
BGH: Paypal-Käuferschutz nicht endgültig
Experte erklärt, welchen Fehler Sie am „Black Friday“ nicht machen sollten
Der „Black Friday“ läutet die große Einkaufsoffensive vor Weihnachten ein. Ein Psychologe erklärt, welchen Fehler Schnäppchenjäger vermeiden sollten.
Experte erklärt, welchen Fehler Sie am „Black Friday“ nicht machen sollten
Dax geht nach Erholung erst einmal die Luft aus
Frankfurt/Main (dpa) - Nach der Erholung seit dem Wochenstart haben sich die Anleger am deutschen Aktienmarkt zur Wochenmitte erst einmal zurückgehalten. Der Leitindex …
Dax geht nach Erholung erst einmal die Luft aus
Könnte Stahlfusion von Thyssenkrupp mit Tata noch platzen?
Bei den Verhandlungen mit den Arbeitnehmern über die geplante Thyssenkrupp-Stahlfusion mit Tata ist offenbar noch keine Einigung in Sicht. Während der Vorstand am …
Könnte Stahlfusion von Thyssenkrupp mit Tata noch platzen?

Kommentare