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Wolfgang Reitzle ist seit 2003 Vorstandsvorsitzender der Linde AG. Davor war er unter anderem Mitglied des BMW-Vorstands.

Linde spart sich aus der Krise

München – Der Industriegase-Spezialist Linde kommt halbwegs glimpflich durch die Krise. Großen Anteil daran hat ein umfangreiches Sparprogramm, das allerdings auch den Abbau tausender Stellen mit sich bringt.

Pressekonferenzen sind bei Linde perfekte Inszenierungen. Ein eigenes Kamerateam sorgt für die Live-Übertragung im Internet. Die Krawatten der Vorstände auf dem Podium passen so gut zusammen, dass sich der Verdacht aufdrängt, die Herren hätten die Wahl ihrer Garderobe am Vortag abgesprochen.

In diesem sorgfältig vorbereiteten Rahmen erlaubte sich Konzernchef Wolfgang Reitzle vorsichtigen Optimismus. So erwartet der Vorstandsvorsitzende nicht nur, dass die zweite Jahreshälfte ein wesentlich besseres Ergebnis bringt als das erste Halbjahr. Er rechnet zudem damit, dass es 2010 weiter aufwärts geht. „Die Tendenzen sind positiv, sodass wir davon ausgehen können: Nächstes Jahr wird besser“, sagte Reitzle.

Positive Tendenzen

Dies gelte vor allem für das Gase-Geschäft, das etwa drei Viertel des Umsatzes ausmacht. Für den Bereich des Anlagenbaus wollte er keine Prognose abgegeben. Untermauert wird Reitzles Einschätzung von den Zahlen für das dritte Quartal. Das operative Konzernergebnis – also der Ertrag vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Sondereinflüssen – lag nur 2,3 Prozent unter dem Wert des dritten Quartals 2008, der Gewinn gab um 4,5 Prozent auf 169 Millionen Euro nach.

In der ersten sechs Monaten dieses Jahres war im Vergleich zur ersten Hälfte 2008 noch ein Rückgang des operativen Ergebnisses um 12,2 Prozent zu verzeichnen gewesen, der Gewinn hatte um 31,8 Prozent nachgegeben. Mit seinen Ausführungen sorgte der Konzernchef offenbar für eine positive Überraschung. Der Kurs der Linde-Aktien stieg zwischenzeitlich um 3,78 Prozent auf 74,09 Euro. Im weiteren Verlauf sank der Kurs leicht. Zu Handelsschluss lag er bei 73,19 Euro. Auch wenn sich die Lage entspannt: Das erste Halbjahr war so schlecht, dass Linde laut Reitzle keine Chance mehr hat, das Niveau des Vorjahres zu erreichen.

Von Jahresbeginn bis Ende September ist der Umsatz im Vergleich zu den ersten neun Monaten des Vorjahres um 11,5 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro gesunken. Das operative Ergebnis ging in diesem Zeitraum um 8,8 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro zurück.

Stellenabbau noch nicht abgeschlossen

Als Grund für die Fortschritte der vergangenen Monate nannte Reitzle neben wachsender Nachfrage im Gasgeschäft das Sparprogramm des Unternehmens. Bis zum Jahresende 2012 will der Konzern seine Kosten um 650 bis 800 Millionen Euro senken. Allein in diesem Jahr wird bereits ein erheblicher Teil davon erreicht werden.

„Mehr als 200 Millionen Euro“, lautet Reitzles offizielles Sparziel für 2009. Er deutete allerdings an, dass die Kosten tatsächlich noch deutlich stärker gesenkt werden können. Mit dem Sparprogramm geht der Abbau von Stellen einher. In den ersten neun Monaten dieses Jahres sank die Zahl der Linde-Mitarbeiter weltweit um rund 3600 auf 48 300. In Deutschland wurden 170 Arbeitsplätze gestrichen, hier sind für den Konzern noch etwa 7500 Menschen tätig.

Der Stellenabbau ist noch nicht abgeschlossen. Auch im kommenden Jahr werden nach Auskunft von Reitzle Arbeitsplätze wegfallen. Es sollen aber nicht mehr so viele Mitarbeiter betroffen sein wie in diesem Jahr. „Ich gehe davon aus, dass der größte Teil hinter uns liegt“, sagte der Linde-Chef. Er habe nicht das Ziel, eine bestimmte Zahl von Stellen zu streichen.

ANDREAS ZIMNIOK

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