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Der Hauptsitz des Dax-Konzerns liegt an der Münchner Klosterhofstraße. Hier sitzen 400 Linde-Mitarbeiter, bayernweit sind es rund 5800, deutschlandweit 8000, weltweit 65000.

Fusions-Gespräche

Linde: Verliert München einen Dax-Konzern?

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München - Der Münchner Gase-Spezialist Linde steckt in Fusionsverhandlungen mit dem US-Konkurrenten Praxair. Gelingt der Zusammenschluss, könnte die Zentrale künftig nicht in München liegen, heißt es. Die Verhandlungen stehen erst am Anfang, doch die Gerüchteküche brodelt.

Linde will wieder die Nummer eins auf dem Weltmarkt für Industriegase werden. Seit Jahren liefern sich die Münchner ein Rennen um die Marktführerschaft mit Air Liquid – dem Konkurrenten aus Frankreich. Zuletzt stießen die Franzosen Linde vom Thron – mit der Übernahme von Airgas im Mai. Doch das Blatt könnte sich bald wieder wenden. In der vergangenen Woche bestätigte Linde Fusionsgespräche mit Praxair. Gemeinsam mit dem US-Konzern aus Connecticut kämen die Münchner auf einen Umsatz von rund 27,5 Milliarden Euro. Genug für die Weltmarktführerschaft.

Allerdings könnte der Hauptsitz des Dax-Konzerns nicht mehr in München liegen, sobald die Fusion in trockenen Tüchern ist. Laut eines Berichts des „Handelsblatts“, das sich auf Informationen aus US-Industriekreisen stützt, soll der Sitz des neuen gemeinsamen Konzerns zwar in Europa sein – aber nicht in München. Im Gespräch seien London, die Niederlande und Irland. Auch Deutschland und München sollten aber im neuen Konzern eine zentrale Rolle spielen, heißt es weiter. Dafür setzte sich Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle ein, zitierte die Zeitung einen Insider.

Wolfgang Reitzle (67) ist seit März Chefkontrolleur bei Linde. Bis 2014 war er elf Jahre lang Vorstandschef. Im neuen Unternehmen könnte er die Rolle des Aufsichtsratsvorsitzenden übernehmen.

Der Name Linde soll den Überlegungen zufolge erhalten bleiben. Als ziemlich sicher gelte zudem, dass Praxair-Chef Stephen Angel die Führung des neuen Konzerns übernehmen soll. Linde-Aufsichtsratschef Reitzle solle im neuen Unternehmen die Rolle des Chefkontrolleurs übernehmen. Linde-Chef Wolfgang Büchele dürfte dagegen leer ausgehen. Laut Handelsblatt soll sein Vertrag bei Linde dennoch im September verlängert werden, um bis zum möglichen Vollzug die Fusion zu begleiten. Danach könne ihm ein „Ehrenposten“ zugedacht werden. Was genau darunter zu verstehen ist, bleibt offen.

Ein Linde-Sprecher wollte die Gerüchte rund um die Fusions-Gespräche gestern nicht kommentieren. Er verwies auf die Mitteilung, die Linde herausgegeben hatte. Darin heißt es: „Die Gespräche laufen und haben noch zu keinen konkreten Ergebnissen oder Vereinbarungen geführt. Entsprechend ist derzeit noch nicht abzusehen, ob es eine Transaktion geben wird.“ Auch wenn die Verhandlungen noch am Anfang stehen, ist der Zeitplan offenbar ambitioniert. Die Entscheidung über eine Fusion soll dem Vernehmen nach im Herbst fallen.

Linde ist mit zuletzt knapp 18 Milliarden Euro Umsatz und rund 65 000 Mitarbeitern weltweit fast doppelt so groß wie Praxair (Umsatz 2015: 9,5 Milliarden Euro, rund 26 000 Mitarbeiter). Allerdings sind die Amerikaner profitabler. Deshalb wird Praxair an der Börse mit rund 30 Milliarden Euro höher bewertet als Linde. Die Münchner kamen vor Bekanntgabe der Fusionsgespräche auf rund 26 Milliarden Euro. In Marktkreisen ist dennoch nicht von einer Übernahme, sondern von einer Fusion unter Gleichen die Rede.

Wolfgang Büchele (57) ist seit zwei Jahren Vorstandsvorsitzender bei Linde. Nach einer möglichen Fusion mit Praxair wird er Gerüchten zufolge nicht Chef des neuen Gase-Riesen.

Aktionärsvertreterin Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz begrüßt die Fusionsgespräche grundsätzlich. „Linde will wieder Weltmarktführer werden. Das ist gut – und eine Fusion die einzige Möglichkeit auf dem Gase-Mark weiter zu wachsen“, sagt sie. Firmensitz soll natürlich weiterhin München bleiben, doch auch hier ist Bergdolt guter Dinge: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass London angesichts des Brexits wirklich interessant sein sollte. Natürlich wollen die Aktionäre, dass ein so erfolgreiches Unternehmen in Deutschland bleibt, das sollte auch die Regierung so wollen“, so Bergdolt.

Jetzt müsse man allerdings zunächst darauf achten, dass der Zukauf nicht zu teuer werde. Doch auch hier ist die Aktionärsvertreterin zuversichtlich. „Wir haben bereits einmal einen großen Schluck aus der Pulle genommen und waren erfolgreich.“ Gemeint ist damit die bisher größte Übernahme in der Firmengeschichte von Linde. Im Jahr 2006 kaufte der Gase-Spezialist für gut 12 Milliarden Euro den englischen Wettbewerbers BOC. Die Integration unter Wolfgang Reitzle, damals noch Vorstandsvorsitzender bei Linde, lief vorbildlich ab. Linde wurde Weltmarktführer. Sodass im Folgejahr gleich die nächste Neuerung in Angriff genommen wurde. 2007 verlegte Reitzle die Firmenzentrale von Wiesbaden nach München. Nun – nach Reitzles Rückkehr zu Linde als Aufsichtsratschef – könnte die Zentrale München wieder verlassen.

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