Kabine eines Lastwagens mit Fahrer 
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Der Beruf des Lkw-Fahrer hat in Deutschland kein gutes Image (Symbolfoto)

Branche sucht händeringend nach Personal

Zu wenig Lkw-Fahrer: „Deutschland droht Versorgungskollaps wie in Großbritannien

  • Markus Hofstetter
    VonMarkus Hofstetter
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Deutschland sollte die Missstände in Großbritannien aufgrund des Mangels an Lkw-Fahrern als Warnung nehmen. Denn ähnliches könnte bald auch hierzulande drohen.

München - In Großbritannien herrscht wegen eines Mangels an Lkw-Fahrern eine Art Ausnahmezustand. Tankstellen haben kein Sprit mehr, in den Supermärkten herrscht in den Regalen gähnende Leere. Es sollen etwa 100.000 Trucker fehlen. Um die größten Missstände zu bereinigen, kommt schon die Armee zum Einsatz. Sogar auf der Insel lebende Deutsche wurden angeschrieben, ob sie nicht in Kabine eines Lastwagens steigen wollen.

Mit etwas Schadenfreude blicken die EU-Einwohner über den Kanal. Denn eine Ursache für den Mangel ist auch, dass nach dem Brexit viele ausländische Trucker dass Land verlassen mussten.

Mangel an Lkw-Fahrern in Deutschland: Es fehlen bereits bis zu 80.000 Berufskraftfahrer

Doch die Schadenfreunde könnte zu früh kommen. Denn es gibt Stimmen, die vor ähnlichen Zuständen in Deutschland warnen. Der Bundesverband Güterkraftverkehr und Logistik (BGL) fordert in einer Mitteilung Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zum Umdenken und sofortigen Handeln auf, um englische Verhältnisse in Deutschland zu verhindern. Es gilt einen in zwei bis drei Jahren drohenden „Versorgungskollaps zu verhindern.“

Deutschland droht in 2-3 Jahren ein Versorgungskollaps ähnlich wie in England! 

Bundesverband Güterkraftverkehr und Logistik (BGL)

Laut BGL fehlen in Deutschland bereits jetzt 60.000 bis 80.000 Berufskraftfahrer. Der Mangel wird stetig größer, da jährlich 30.000 Lkw-Fahrer in Rente gehen, aber nur 17.000 Berufseinsteiger nachkommen. Schmerzlich werden auch die Ex-Soldaten vermisst, die während ihrer Bundeswehr-Zeit den Lkw-Führerschein machten. Dieser stetige Zustrom kam mit dem Ende der Wehrpflicht 2011 fast gänzlich zum Erliegen.

Mangel an Lkw-Fahrern in Deutschland: Aktionsplan soll Beruf attraktiver machen

Dass nur noch wenige Menschen den Beruf des Lkw-Fahrers ergreifen wollen hat viele Gründe. Dazu zählen ein schlechtes Image, schlechte Arbeitsbedingungen, eine ungenügende Bezahlung und die hohen Kosten für die Ausbildung. Für letztere sind insgesamt 2500 Euro fällig, die die angehenden Fahrer in der Regel selbst zahlen müssen.  

Um das Lastwagenfahren wieder attraktiver zu machen, hat der BGL den Aktionsplan Fahrermangel vorgelegt. Die zentralen Themenbereiche darin sind

  • Wertschätzung / Image verbessern 
  • Arbeitsbedingungen verbessern
  • Hürden-/ Bürokratieabbau entschlossen angehen     
  • Nachwuchsgewinnung und Digitalisierung fördern
  • Fachkräftezuwanderung erleichtern

Unter dem Punkt Arbeitsbedingungen werden unter anderem eine Verbesserung der Parkplatzsituation und Zugang zu sanitären Anlagen an Rampen genannt. So verbieten nach Informationen des Handelsblattes vor allem große Handelsunternehmen Fahrern bei der Ankunft den Besuch von Waschräumen und Toiletten. Zudem soll der Komfort in der Führerhäusern durch eine Anpassung der Fahrzeugmaße erhöht werden.

Werden diese Maßnahmen umgesetzt, könnte man auch mehr Frauen in den Beruf locken, die laut Kraftfahrt-Bundesamt derzeit nur zwei Prozent aller Fahrer ausmachen.

Mangel an Lkw-Fahrern in Deutschland: Bessere Bezahlung nicht abzusehen

Was in den Papier nicht genannt wird, ist eine bessere Bezahlung. So liegt der durchschnittliche Einstiegslohn laut Handelsblatt bei nur 1800 Euro monatlich, berufserfahrene Fahrer erhalten 3600 Euro. Für Lohnerhöhungen sehen die Unternehmen jedoch keinen Spielraum, da in der Logistikbranche ein beinharter Preiskampf tobt. Vor allem das Lohndumping durch ausländische Konkurrenz sorgt für niedrige Gehälter.

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