MAN mit Lkw-Bau gut ausgelastet: Vieles spricht für Neubau in Polen

- München - Mit der letzten Bilanz, die Rudolf Ruprecht der Öffentlichkeit vorstellte, kann er zufrieden sein. Der für das Gesamtjahr erwartete Auftragseingang von 16 Milliarden Euro und der Vorsteuergewinn von 450 Millionen Euro seien besser als bisher geschätzt. "Die Hauptbaustellen sind entweder bereinigt oder so weit gebracht, dass es in die richtige Richtung geht", sagte der scheidende MAN-Konzernchef.

<P>Die größte Sparte von MAN, die Lkw-Fertigung, ist laut deren Chef, Håkan Samuelsson, "ziemlich ausgelastet". Wenn es so weitergehe, bestehe ein Bedarf an zusätzlichen Kapazitäten für 10 000 bis 15 000 Fahrzeuge. Der osteuropäische Markt verlange nach 30 000 Lkw pro Jahr und wachse rasant. Am wahrscheinlichsten ist, dass neue Fertigungskapazitäten in Polen aufgebaut werden, wo MAN schon Lkw und Busse produziert. "Wenn wir über neue Werke reden, dann sind die Chancen für Osteuropa sehr gut. Sicher wird es kein neues Werk in Deutschland geben", sagte Samuelsson. "Wir werden die Kapazitäten da aufbauen, wo die Kosten stimmen", fügte Ruprecht hinzu. Und da sprechen sowohl die gute gewerbliche und akademische Ausbildung wie die Stundenlöhne für den Osten: "In Starachowice (Polen) zahlen wir für eine Stunde fünf Euro, in Salzgitter 35."</P><P>Generell seien die Produktionskosten im Lkw-Bau gegenüber den wenigen Konkurrenten zu hoch. "Wir sind 20 Prozent teurer als die Wettbewerber in den Niederlanden und Schweden", sagte der schwedische MAN-Nutzfahrzeuge-Chef. Dabei sei die Qualität der Arbeit in Schweden und Deutschland dieselbe. "Die Kosten des Produktionsfaktors Arbeit müssen runter", sagte Samuelsson bestimmt. Er machte niemanden einen Vorwurf wegen der hohen Lohnkosten in Deutschland: "Wer hat mit den Gewerkschaften und Betriebsräten verhandelt? Das waren wir." Doch jetzt müsse es in eine andere Richtung gehen. Weder der schmale Schwede Samuelsson noch der stattliche Bayer Ruprecht mochten sich auf eine einzige Lösung festlegen. Um die Produktionskosten in Deutschland zu senken, gebe es verschiedene Ansätze: flexiblere Zeiten, mehr Arbeit, Kürzungen bei Weihnachts- und Urlaubsgeld.</P><P>Bei den trotz reduzierter Verluste noch defizitären Druckmaschinen in Offenbach hat der Konzern der Belegschaft bereits längere Arbeitszeiten und Lohnsenkungen abgerungen. Dort wurde die Wochenarbeitszeit von 35 auf 39 Stunden erhöht.</P><P>In anderen Werken werde noch verhandelt. Auch in Augsburg soll bei MAN Roland länger gearbeitet werden. Dafür werde auch angeboten, später, wenn das Ergebnis wieder stimmt, mehr zu zahlen, sagte Ruprecht. Bisher seien die "notwendigen Kosteneinsparungen" dort noch nicht erreicht worden. In den ersten neun Monaten stieg das Ergebnis vor Steuern und Zinsen um 80 Prozent auf 368 Millionen Euro. Auch für 2005 rechnet Ruprecht damit, dass der Umsatz (Januar-September 2004: 10,33 Milliarden Euro, +11 %) spürbar wachsen werde. Er selbst werde dann nur noch einige kleinere Aufsichtsratsmandate wahrnehmen und mehr Zeit seiner Frau widmen.</P>

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