Lkw-Maut bringt Transportfirmen in die Kostenklemme

- München - Sein Job macht Transportunternehmer Nikolaus Wagenstetter schon lange keinen Spaß mehr: hohe Dieselpreise, enormer Zeitdruck, schlechtes Image und Zwölf-Stunden-Schichten. Als wäre all dies nicht genug, muss der Mann aus Oberbayern für seine 40 Lkw seit dem 1. Januar auch noch Maut berappen. "Wir fahren nur noch zu Selbstkostenpreisen", klagt Wagenstetter.

<P>12,4 Cent pro Autobahnkilometer knöpft der Bund den Fahrern der 1,4 Millionen Lkw auf deutschen Autobahnen ab. Geld, das die Transportunternehmen, Spediteure und Handelsketten mit eigenem Fuhrpark zunächst einmal selbst zahlen müssen. Doch die Gebühr, so verkünden die Verbände, müssten sie sich zurückholen. "Die 15 bis 17 Prozent Kostensteigerungen im Schnitt werden wir den Kunden berechnen", prognostiziert Adolf Zobel vom Bundesverband Güterverkehr. </P><P>Ein Großkunde ist der Einzelhandel. Der ist nicht bereit, für den Transport seiner Güter künftig deutlich mehr zu zahlen. "Die Situation am Markt macht das unmöglich", sagt Verbandssprecher Hubertus Pellengahr. Für Preiserhöhungen sehe er "kaum Spielraum". Mittelfristig jedoch würden sich die Mehrkosten beim Transport niederschlagen. <BR>Das Bundesverkehrsministerium, das allein in diesem Jahr mit Maut-Einnahmen von drei Milliarden Euro kalkuliert, wiegelt ab. </P><P>Ausgleichszahlung liegt in Brüssel auf Eis</P><P>Wissenschaftler hätten errechnet, "dass die Auswirkungen eines Anstiegs der Transportkosten auf die Güterpreise als sehr gering einzuschätzen sind", lässt die Behörde mitteilen. Das allgemeine Preisniveau werde um weniger als 0,15 Prozentpunkte steigen. Den größten Einfluss auf die Transportkosten hätten Personal- und Fahrzeugeinsatzkosten, nicht etwa die Maut. </P><P>"Ein Witz", findet Carsten Zollweg vom Verband Bayerischer Spediteure. Er sieht die 530 Mitglieder seines Verbands schlicht als "Eintreiber einer zusätzlichen Steuer von Herrn Eichel". Gerade kleinere Unternehmen würden in Liquiditätsprobleme geraten, weil sie die Maut vorstrecken müssten. Wem es nicht gelinge, die Straßengebühr an die Verbraucher weiterzugeben, der werde sich nicht halten. "Schlimmste Schätzungen gehen von zweistelligen Prozentsätzen an Pleiten aus", sagt Zollweg. </P><P>Durch den Kostendruck müssten die Speditionen immer öfter ausländische Transportunternehmen beschäftigen. Denn vor allem Firmen in Osteuropa zahlen deutlich niedrigere Löhne. Und nicht nur das. Auch Kfz- und Mineralölsteuer sind geringer. Trotzdem zahlen polnische und tschechische Transporteure in Deutschland denselben Mautbetrag pro Kilometer. Das sei Wettbewerbsverzerrung, findet Adolf Zobel vom Bundesverband Güterverkehr. Viele ausländische Fahrer füllten ihre 1800-Liter-Tanks in Luxemburg oder Österreich und durchquerten Deutschland, ohne ein einziges Mal zu tanken und die hohe deutsche Mineralölsteuer zu zahlen.</P><P>"In unserer Kalkulation ist keine Luft mehr."</P><P>Das war auch Manfred Stolpe aufgefallen. Deshalb hatte der Verkehrsminister 600 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Das Geld sollte den deutschen Transportfirmen zugutekommen, um die Steuerdifferenz auszugleichen. Doch derzeit liegen die Pläne auf Eis. In Brüssel prüfen Funktionäre gerade, ob die Ausgleichszahlung, die den Wettbewerb eigentlich gerechter machen sollte, nicht vielleicht ausländische Fahrer benachteiligt. </P><P>Die Folgen glaubt ein bayerischer Fuhrunternehmer zu kennen. Anonym berichtet er von Nachtfahrten, bei denen er keine Maut zahlt - in der Hoffnung, nicht erwischt zu werden. "In unserer Kalkulation ist keine Luft mehr. Wir arbeiten uns sonst kaputt."</P>

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