Der Lockdown kommt die deutsche Wirtschaft teuer zu stehen. Das macht sich besonders in Innenstädten bemerkbar.
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Der Lockdown kommt die deutsche Wirtschaft teuer zu stehen. Das macht sich besonders in Innenstädten bemerkbar.

Kann sich die Wirtschaft erholen?

Immense Kosten: 2,5 Milliarden Euro Lockdown-Verlust in Deutschland - pro Woche

Der lange Lockdown schadet Deutschlands Wirtschaft. Jetzt erklärt ein Experte, wie hoch die Kosten der Schließungen wirklich sind und wer trotz allem in der Pandemie floriert.

München - Seit Monaten befindet sich Deutschland in verschiedenen Stadien des Lockdowns. Das ist auch für die Wirtschaft einschneidend. Denn die Schließungen verursachen Verluste in der Wertschöpfung - in Milliardenhöhe und das jede Woche. Jetzt wurden die Schätzungen sogar noch nach oben korrigiert.

Teurer Lockdown: Der Wirtschaft gehen jede Woche Milliarden verloren

„Wir liegen zwischen zwei bis zweieinhalb Milliarden Euro pro Woche“, sagt Timo Wollmershäuser vom Deutschen ifo-Institut für Wirtschaftsforschung gegenüber dem ZDF. Allerdings seien natürlich nicht alle Branchen gleich betroffen. Wenig überraschend sind die Verlierer der Krise: Kultur, Tourismus und Gastronomie, Einzelhandel sowie körpernahe Dienstleistungen. Das sei aber nicht von Dauer, dessen ist sich Wollmershäuser sicher. „Gewisse Dienstleistungen kann man nicht digitalisieren und so wird es die Gastronomie oder die Friseure auch weiterhin geben.“

Anderen Branchen ergeht es trotz der angespannten Lage in der Pandemie deutlich besser. Das produzierende Gewerbe und die Bauindustrie kommen deutlich besser durch die Krise als erwartet. „Gerade die Industrieunternehmen setzen nach dem Einbruch im zweiten Quartal 2020 ihre Erholung fort“, erklärt der Experte dem ZDF. Im Baugewerbe hätten die Unternehmer bei einer ifo-Umfrage mehrheitlich angegeben, mit der Geschäftslage zufrieden zu sein. Der Online-Handel sei unter den größten Gewinnern der Pandemie.

Erste Lockerungen im März: Ist das genug für die Wirtschaft?

Mittlerweile haben Bund und Länder in Abhängigkeit von bestimmten Inzidenzwerten erste Lockerungsschritte beschlossen. Öffnungen sind also auch in den besonders betroffenen Betrieben zumindest teilweise denkbar. Dennoch gibt es massive Kritik aus der Wirtschaft. Viele Branchenverbände vor allem des Handels hatten empört auf die Beschlüsse des jüngsten Corona-Gipfels* reagiert. Es gebe zudem zu viele Variablen, die die Unternehmer trotz guter Hygienekonzepte nicht beeinflussen könnten.

Trotz allem sieht Timo Wollmershäuser in der Corona-Krise* auch eine Chance für die Wirtschaft. Denn gerade bei der Digitalisierung hätten sich Chancen ergeben, um „Grundlagen für Innovation schaffen zu können“. Es gelte nun, diese Möglichkeiten auch zu nutzen.

Arbeitnehmer in der Corona-Pandemie: So schadet der Lockdown der Psyche

Etwas kritischer schätzt die Wirtschaftspsychologin Monika Müller die aktuelle Situation ein. Für die Arbeitnehmer, also die Menschen in der Wirtschaft, sei die momentane Lage eine Herausforderung, sagt sie dem ZDF. Menschen könnten nicht gut damit umgehen, ständig etwas Neues und Anderes zu tun. „Das konfrontiert uns mit Unsicherheit, mit der wir nicht gut klarkommen.“ Auch Einkommensverluste und Kurzarbeit* wirkten sich negativ auf die Psyche aus.

Auch sie glaubt aber, dass die Pandemie langfristig betrachtet eine Chance darstellt. „Wir brauchen solche Krisen, um das, was am Ende positiv ausgeht, tatsächlich anzugehen“, so die Wirtschaftspsychologin. (mam/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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