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„Das ist erledigt“: Horst Seehofer hat sich CSU-intern durchgesetzt.

Staatshilfe für Quelle

Die Lösung einer Machtfrage

Fürth/München – Mit dem Notkredit von drei Staatsbanken kehrt bei Quelle wieder Alltag ein. Das Geschäft des insolventen fränkischen Versandhändlers läuft weiter. In der Politik hat die 50-Millionen-Euro-Spritze aber heftige Nebenwirkungen.

Die Druckmaschinen laufen, der Versand geht weiter. Man werde alles daran setzen, den Katalog-Stapel schnellstmöglich auszuliefern, versprach die Druckerei Prinovis: „Wir sind voll im Zeitplan.“ Für Quelle ist das eine Überlebensfrage. Nun kehre allmählich wieder Normalität ein, die Mitarbeiter könnten sich wieder auf ihren Job konzentrieren, heißt es beim Fürther Versandhändler. Eine wichtige Erleichterung ist auch die Ankündigung der Essener Valovis-Bank, ihre unterbrochenen Geschäftsbeziehungen mit Quelle „so schnell wie möglich“ wieder aufzunehmen.

Quelle will nun mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg einen Plan für die Fortsetzungsprognose erarbeiten. Das Marketing soll ausgebaut, das Internetangebot aktualisiert werden. Der Versandhändler, der einen zunehmend größeren Anteil des Geschäfts online abwickelt, musste zuletzt einen Umsatzeinbruch von bis zu 30 Prozent verkraften.

Wirtschaftlich scheint also Ruhe bei Quelle einzukehren – politisch noch nicht. Der heftige interne Schlagabtausch vor allem innerhalb der CSU hallt nach. Ministerpräsident Horst Seehofer hatte der Bundesregierung – ausdrücklich dem Finanzministerium von Peer Steinbrück ( SPD ) und dem Wirtschaftsressort von Karl-Theodor zu Guttenberg ( CSU ) – am Dienstag vorgeworfen, zu langsam entschieden und damit Quelle massiv gefährdet zu haben. Seehofers Minister Markus Söder legte am Mittwoch in seiner Eigenschaft als Chef der CSU Nürnberg nach: „Wir sind sehr enttäuscht über das Verhalten der Bundesregierung.“

Beteiligte berichten von massivem Ärger Seehofers. Er habe tagelang telefonisch und persönlich auf den eigentlich sehr geschätzten Guttenberg eingeredet, schneller den Weg für die Quelle-Rettung freizumachen. Hintergrund war neben der Sachfrage auch eine Machtprobe. Seehofer pocht klar auf eine Richtlinienkompetenz des CSU -Chefs gegenüber einem CSU -Minister; Guttenberg wollte sich zunächst nicht beugen. Der Minister hatte schlicht erklärt, Seehofers Ärger sei ihm „im Sinne des Steuerzahlers egal“.

Karl-Theodor zu Guttenberg, Bundeswirtschaftsminister (CSU), sieht sein Verhältnis zu Seehofer als nicht ernsthaft gestört: „Ich bin überhaupt nicht wütend.“

Seehofer setzte sich und damit den Massekredit der Staatsbanken durch. „Ich hab’s ihm gesagt und auch der Kanzlerin: Das war ein Trauerspiel“, sagte er unserer Zeitung. Fortsetzen wollen die Beteiligten das Gerangel aber nicht. Seehofer zeigt sich versöhnlich: „Das ist erledigt.“ Er und Guttenberg arbeiteten nun „Seit’ an Seit’ für den gemeinsamen Erfolg – Ende. Wir sind doch keine kleinkarierten Burschen.“ Ihm sei grundsätzlich an starken Ministern gelegen. Guttenberg sagt auf Nachfragen, das Verhältnis sei „immer gut“, er sei auf Seehofer „überhaupt nicht wütend“. Und, Richtung Söder: „Jetzt darf auch irgendwann mal Ruhe sein.“

Ob der Wunsch erfüllt wird, ist offen. Söder nutzt die Gelegenheit begeistert, seinem innerparteilichen Rivalen Guttenberg ein paar Sätze hinterherzurufen. Gleichzeitig gibt es auch in der CSU Protest gegen Staatshilfen. Der frühere Landtagsabgeordnete Sebastian von Rotenhan trat erbost aus der Partei aus. Von Seehofer werde „gröblich“ gegen die Regeln der sozialen Marktwirtschaft verstoßen, fauchte der Unterfranke gegenüber der „Main-Post“. Staatshilfe für Quelle sei „ein Schlag ins Gesicht aller ordentlich wirtschaftenden Mittelständler“.

Rotenhans Ex-Kollegen teilen das offenbar nicht. Der vereinzelt befürchtete Widerstand der Regierungsfraktionen in München gegen den Quelle-Kredit blieb aus. Die Sitzungen von FDP und CSU am Mittwoch verliefen harmonisch. Seehofer berief sich in der Sitzung ausdrücklich auf die Vorgängerregierungen bis hin zu Strauß und Goppel, um den Eingriff des Staates zu rechtfertigen: „In Bayern ist immer aktive Wirtschaftspolitik betrieben worden.“ Die Regierungsspitzen der FDP arbeiten derweil an einem Schreiben an ihre eher skeptischen Mitglieder, um die Quelle-Hilfe zu erklären.

von Christian Deutschländer

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