Loewe: Millionenspritze von Sharp

- München - Eine Fehleinschätzung mit Folgen: Weil der exklusive fränkische Fernsehgerätehersteller Loewe den Trend zu Flachbildschirmen lange verschlafen hat und auf riesigen Röhrengeräten sitzenblieb, braucht er jetzt Hilfe. Die kommt nun in Form einer Millionenspritze aus Japan vom Elektronik-Giganten Sharp.

<P>Zwei Aspekte allerdings lassen aufhorchen: Sharp denkt gar nicht daran, sich die Mehrheit des Kronacher Unternehmens zu sichern, sondern sagte zu, dessen Unabhängigkeit zu respektieren. Die bisherige Beteiligung von 8,9 Prozent wird lediglich auf bis zu 29 Prozent aufgestockt.<BR><BR>Doch noch erstaunlicher: Es kommt im Zug der Zusammenarbeit nicht zu Stellenverlagerungen aus Deutschland. Das war bislang - bis hin zu kompletten Werksschließungen - regelmäßig der Fall, wenn ausländische Hersteller bei den einst weltweit führenden deutschen Unterhaltungs-Elektronik-Anbietern einstiegen. Die Produktion wurde zurückgefahren oder komplett eingestellt. Etiketten der Traditionsmarken wurden dann auf Produkte aus Billiglohn-Ländern geklebt.<BR><BR>Sharp geht nun den umgekehrten Weg: Die Produktion wird hochgefahren. Großformatige LCD-Fernsehgeräte aus Kronach werden in Kronach künftig auch für die Marke Sharp produziert. 60 000 Stück sollen die Franken im nächsten Jahr für ihren japanischen Großaktionär produzieren. Dazu kommen 100 000 Fernseher, die ohnehin unter der Marke Loewe montiert werden sollen.<BR><BR>Damit wird der eigentlich anstehende Abbau von zusätzlich 50 Arbeitsplätzen in Kronach vermieden. Die Beschäftigtenzahl soll sich, nach Worten des Loewe-Vorstandschefs Rainer Hecker bei 1000 stabilisieren. Und es gibt sogar Hoffnung auf neue Beschäftigung, denn Sharp und Loewe wollen in Kronach ein gemeinsames Entwicklungszentrum bauen.<BR><BR>Allerdings produziert auch Sharp - mit 55 000 Mitarbeitern unter anderem weltweit die Nummer eins bei Fernsehern mit Flachbildschirmen - künftig für den kleineren Partner: Kleinformatige LCD-Fernseher werden nach Franken geliefert und von dort aus vermarktet.<BR><BR>Bereits am Mittwoch hatte der Loewe Aufsichtsrat den Weg frei gemacht und der erforderlichen Kapitalerhöhung um 35 Prozent zugestimmt. 2,8 Millionen neue Aktien werden den bisherigen Gesellschaftern zum Preis von 6,50 Euro angeboten. Bis zu 2,3 Millionen neue Aktien würde Sharp übernehmen. Knapp 15 Millionen Euro können Loewe dadurch zufließen.<BR><BR>"Der Mittelzufluss ist ein wichtiger Meilenstein zur Restrukturierung von Loewe", sagte Unternehmenschef Rainer Hecker. Allerdings kündigte er bereits für das Gesamtjahr 2004 rote Zahlen an. Im dritten Quartal 2004 sei vor Zinsen und Steuern ein Verlust von 6,6 Millionen Euro angefallen - wenn auch wieder steigende Umsätze eine Trendwende andeuten.<BR><BR>Für zahlreiche Aktionäre ist die nun mögliche Sanierung von Loewe als selbstständiges Unternehmen nicht die Wunschvariante. Zahlreiche spekulative Anleger sind in den letzten Wochen und Monaten eingestiegen, um bei einer vollständigen oder wenigstens mehrheitlichen Übernahme von Loewe durch Sharp Kursgewinne einzustreichen. Sie wurden gestern bitter enttäuscht. Nachdem sich die Papiere des fränkischen Herstellers in den letzten Wochen deutlich von früheren Tiefständen lösen konnten, stürzte sie gestern deutlich ab. Zeitweise verlor sie 11 Prozent, von 7,30 auf unter 6,50 Euro. pendelte sich dann aber am Nachmittag auf dem Preis der neuen Aktien ein.<BR></P><P> </P>

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